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Hilfsaktion

Warme Häuser für Flutopfer: Rosenheimer Heizungsbauer helfen im Ahrtal

Machen sich morgen auf den Weg: die Heizungsbauer (von links) Wolfgang Hermann, Lorenz Schneid, Janosch Brosig und Günter Brosig.
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Machen sich morgen auf den Weg: die Heizungsbauer (von links) Wolfgang Hermann, Lorenz Schneid, Janosch Brosig und Günter Brosig.
  • Jens Kirschner
    VonJens Kirschner
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Mitte Juli verwüstete ein Hochwasser das Ahrtal in Rheinland-Pfalz. Noch lange sind die Schäden durch die Flut nicht behoben. Und es fehlt an Handwerkern, unter anderem, um defekte Heizkessel zu tauschen. Vier Heizungsbauer aus Rosenheim wollen nun helfen.

Rosenheim – Davon, was ihn vor Ort erwartet, kann sich Günter Brosig vielleicht eine Vorstellung machen. Aber viel weiß er noch nicht. Am Freitag (17. Dezember) macht sich der Rosenheimer Heizungsbauer auf den Weg ins rheinland-pfälzische Ahrweiler. Mit dabei sind nicht nur seine beiden Kollegen Wolfgang Hermann und Lorenz Schneid, sondern auch sein Sohn Janosch, der beruflich in die Fußstapfen des Vaters getreten ist. Im vom Hochwasser verwüsteten Ahrweiler wollen Brosig und seine Mitstreiter in fünf Haushalten wieder für Wärme sorgen. Mit neuen Heizkesseln.

Arbeiten in Zweierteams

Sicher wissen die Rosenheimer Handwerker nur, dass sie in einer Pension in Bad Neuenahr-Ahrweiler unterkommen. In Einzelzimmern. Auch wenn man keine Probleme damit gehabt hätte, ein Bett zu teilen. Und sicher ist wohl auch: Die Keller, in denen sie Kessel und Rohre installieren, werden leer sein. Leer gespült von der Flut, die am 14. Juli eine Spur der Verwüstung im Ahrtal hinterließ: Häuser wegriss und insgesamt 135 Menschen das Leben kostete.

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Alles andere erfahren sie vor Ort, wo sie sich in Zweierteams aufteilen. Fünf Anlagen wollen sie in der knappen Woche schaffen, die sie im Ahrtal verbringen. Zwei Tage brauche es im Schnitt für die Installation der neuen Kessel, sagt Günter Brosig. Der 44-jährige Heizungsbauer gibt sich bescheiden, wenn er über seinen bevorstehenden Einsatz spricht. Nicht probieren, machen – so könnte sein Motto lauten.

„Eindrucksvolle Erfahrungen“

Damit ist er nicht allein. Auch der Frasdorfer Florian Stein startete am 6. Dezember mit zwei Mitarbeitern ins Ahrtal, um dort Heizungsanlagen zu installieren. Eine Woche verbrachten sie dort, am Freitag sind sie zurückgekehrt. Stein spricht von „eindrucksvollen Erfahrungen“, die er und seine Kollegen dort gemacht hätten. Das lässt sich auf zwei Arten verstehen. Zum einen der Anblick jener Verwüstung, die das Hochwasser dort im Sommer hinterließ. Denn die Zerstörung sei immens, wie Stein berichtet – selbst jetzt, Monate nach der Flut. Zum anderen die herzliche Dankbarkeit jener Menschen, denen er und seine Kollegen einen kalten Winter erspart haben.

Top motivierte Kollegen

Zumindest die Gasleitung habe der örtliche Energieversorger inzwischen wieder instand gesetzt, wie Florian Stein berichtet. Die Grundlage dafür, dass er und seine Kollegen die Heizkessel überhaupt installieren konnten. Vier Anlagen hätten sie in dieser Woche einbauen und die Installation eines neuen Kessels vorbereiten können. „Die Kollegen waren top motiviert“, sagt der Heizungsbauer.

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Aber wohl auch die Dankbarkeit der Bewohner hat dazu beigetragen, dass keiner der Handwerker bei der Arbeit auf die Uhr geschaut und stattdessen die ein oder andere Überstunde geleistet hat. Stein macht sich aber keine Illusionen darüber, dass ein Gros der Arbeit noch bevorsteht. In jenen Häusern, die seit nunmehr fünf Monaten nicht mehr beheizt werden konnten. Auch die Heizkeller, in denen Stein und seine Kollegen die neuen Anlagen installierten, seien mitunter feucht gewesen. Für routinierte Handwerker seien solche Widrigkeiten dennoch kein Problem.

Dankbarkeit und Freundschaften

Die Rosenheimer Heizungsbauer geben sich ebenso gelassen mit Blick auf die Aufgaben, die sie im Ahrtal erwarten. „Das wird keine Riesenherausforderungen für uns werden, denke ich“, sagt Handwerksmeister Günter Brosig. Und dennoch sitzen sie mehr oder weniger auf glühenden Kohlen. Denn wärmer wird‘s nicht in den Häusern ohne Heizung, wenn niemand hilft. Zudem: „Ich finde es schade, dass man inzwischen nichts mehr vom Ahrtal hört. Da hocken rund 10.000 Menschen in Wohnungen ohne Heizung“, sagt Wolfgang Herrmann.

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Dass sich der Arbeitseinsatz lohnt, konnten ihre Frasdorfer Kollegen schon erfahren. Nicht nur durch die vielen dankbaren Menschen dort. Es seien auch Freundschaften entstanden, sagt Florian Stein. Er will auf jeden Fall zurückkehren – auch, um irgendwann sehen zu können, wie das Ahrtal aus dieser Katastrophe wieder zu alter Schönheit zurückkehrt.

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