Wahlkampf in Krisenzeiten: März und Opperer gehen neue Wege, um Rosenheimer zu erreichen

Zwei Kandidaten im Endspurt:Franz Opperer (Grüne) und seine Frau Judith kommen zum ersten Wahlgang auf dem Fahrrad. Andreas März (CSU) und seine Frau Andrea sind zu Fuß unterwegs. Ob sie die Auszählung der Stichwahl ebenfalls im Rathaus sehen werden, ist offen. Schlecker
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Für Andreas März (CSU) und Franz Opperer (Grüne) beginnt der Endspurt. Noch zehn Tage sind es bis zur Stichwahl ums Oberbürgermeisteramt in Rosenheim. Eigentlich sollte der Wettstreit um jede einzelne Stimme in vollem Gange sein. Doch die Pandemie-Vorkehrungen bremsen beide Kandidaten ein Stück weit aus. Auf den letzten Metern muss der Wahlkampf neu gedacht werden.

Rosenheim – War schon der erste Urnengang überschattet von Corona, so hat sich die Situation seitdem verschärft: Das Robert-Koch-Institut hat die Gefährdungslage als „hoch“ eingestuft. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat den Katastrophenfall ausgerufen. Seit Mittwoch dürfen nur systemrelevante Einzelhändler aufsperren, und wer kann, sollte soziale Kontakte meiden. Die Stichwahl findet zwar statt, doch die 46 899 Stimmberechtigten in Rosenheim können nicht ins Wahllokal gehen. Sie müssen per Briefwahl abstimmen. Alle Wahlveranstaltungen sind längst abgesagt. Hausbesuche der Kandidaten sind ebenfalls unmöglich. Zu groß ist für alle die Ansteckungsgefahr. „Der physische Wahlkampf ist vorbei“, sagt März (47).

März richtet Bürgertelefon ein

Zeit haben nun beide Kandidaten mehr als geplant. Doch untätig zu sein, das wollen sich beide nicht leisten. Für März haben schon am Montag zwei Helfer eine Vielzahl von Plakaten geklebt.

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Der klassische Weg, um noch einmal auf sich aufmerksam zu machen. Dazu gibt es Informationen, Bilder und Videos im Netz, vor allem in den sozialen Netzwerken. Um wenigstens eine gewisse Nähe zum potenziellen Wähler aufbauen zu können, hat die CSU Rosenheim ein Bürgertelefon eingerichtet. Wer möchte, kann anrufen und mit März ins Gespräch kommen.

Grüne verzichten auf weitere Wahlplakate

Opperer (54) und sein Team verzichten auf weitere Plakate. Der Grüne setzt ebenfalls aufs Internet und die sozialen Medien. Unter anderem kann man einen Podcast mit dem Titel „Ladengespräche“ anhören, in dem er zu verschiedenen Themen Rede und Antwort steht. Was darüber hinaus geplant ist, lässt er offen. An Geld mangle es jedenfalls nicht. Der Landesverband der Grünen hat den Rosenheimern Partei-Freunden einen gesonderten Etat zugesprochen. Er gelte im Verband als „besonders aussichtsreich“, sagt Opperer.

Kann die CSU mehr investieren als die Grünen?

Dass die finanziellen Möglichkeiten nicht erst mit Blick auf die Stichwahl eine Rolle spielen, wissen März und Opperer. Dass die CSU vermutlich mehr investieren kann als die Grünen, davon ist auszugehen. Es geht um März, der Unternehmer ist, aus einer vermögenden Familie stammt – und dem immer mal wieder nachgesagt wird, er stecke selbst ordentlich Geld in den Wahlkampf.

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Und wisse ob seiner guten finanziellen Situation nicht wirklich etwas von den Sorgen der Bürger. März kennt diese Rede. Nur weil er Unternehmer sei, heiße das nicht, dass er weniger „Empathie für die Rosenheimer“ mitbringe, sagt er. Insbesondere durch sein Engagement als Vorsitzender des St. Vinzenzius Verein wisse er sehr wohl, „wie es ist, wenn am Ende des Geldes noch ein Stück vom Monat übrig ist“.

Opperer sieht Krise als möglichen Neuanfang

Diskussionen wie diese werden derzeit überlagert von der Sorge, welche Auswirkungen die Corona-Krise hat und wie ihnen zu begegnen ist. Dass die Gefahren bei Amtsantritt am 4. Mai nicht gebannt sein werden, davon gehen März und Opperer aus. Sie sind sich beide einig darin, dass die Stadtgesellschaft funktionieren muss.

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Der Blick des Einzelnen jetzt erst einmal auf die Familie, den Beruf gerichtet ist. Dass die Wirtschaft finanzielle Hilfe braucht und brauchen wird. Dass diese Hilfen von Bund und Freistaat am besten auf dem direkten Weg, über die Kreisverwaltungsämter, nach Rosenheim kommen sollten, dafür wollen sich beide stark machen.

Während Pandemie nicht im Internet bestellen

Würde er gewählt werden, sagt Opperer, werde er an die Rosenheimer appellieren, während der Pandemie nicht im Internet zu bestellen: „Das macht den Einzelhandel in der Stadt kaputt.“ Er weiß, wovon er spricht. Der Goldschmiedemeister hat gestern selbst sein Geschäft an der Innstraße bis auf Weiteres zusperren müssen, wie viele andere Einzelhändler auch. Das Wichtigste werde sein, „den Menschen Mut zu machen“, Optimismus zu verbreiten und den Blick nach vorne zu richten. Opperer empfindet die Krise unter bestimmten Aspekten als eine Möglichkeit für einen nachfolgenden Neuanfang.

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Die Menschen könnten lernen, dauerhaft mit Ängsten zu leben und mit ihnen umzugehen. Ganz egal, ob das die Angst vor einem Virus oder der Klimakrise sei. „Die Gesellschaft muss erwachsen werden“, sagt er. Das momentane Innehalten im öffentlichen Leben könne „Chance zur Entschleunigung“ bieten. Zur „Rückbesinnung auf das, was man wirklich braucht“. Eine Zeit sein, um „Kraft zu tanken“.

Der wirtschaftliche Schaden bleibt

März glaubt daran nicht so recht. Der Zusammenhalt wachse derzeit, das sei keine Frage. „Man hilft sich gegenseitig, weil ja notwendig ist.“ Entspanne sich die Lage wieder, dann kehre vermutlich schnell der „Alltag“ ein. Einen „grundsätzlichen Wertewandel“ sieht er nicht heraufziehen. Dazu sei die globalisierte Vernetzung schon zu weit fortgeschritten. Was aber erst einmal bleibe, sei der wirtschaftliche Schaden, den die Pandemie verursacht und den man so gut als möglich beseitigen müsse.

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