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Betreiberwechsel beim ÖPNV in Rosenheim ab 1. November

RVO statt Kroiss: Chancen und Verbesserungen, aber auch „eine bittere Pille“

V.r.n.l.: Michael Schmidt, Niederlassungsleiter Ost, Regionalverkehr Oberbayern
(RVO); Andreas März, Oberbürgermeister Rosenheim; Oliver Kirchner,
Geschäftsführer Rosenheimer Verkehrsgesellschaft (RoVG); Michael Hickmann,
Teamleiter Regionalverkehr Oberbayern (RVO)
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V.r.n.l.: Michael Schmidt, Niederlassungsleiter Ost, Regionalverkehr Oberbayern (RVO); Andreas März, Oberbürgermeister Rosenheim; Oliver Kirchner, Geschäftsführer Rosenheimer Verkehrsgesellschaft (RoVG); Michael Hickmann, Teamleiter Regionalverkehr Oberbayern (RVO)
  • Markus Zwigl
    VonMarkus Zwigl
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Die Firma Kroiss, Gründer des Stadtverkehrs, wird ab November nicht mehr den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in Rosenheim bedienen. Die Stadt Rosenheim legt die Konzessionen in die Hände der RVO und erhofft sich neue Chancen, den Nahverkehr modern, bequem und auf die Bedürfnisse der Fahrgäste angepasst auszubauen und weiterzuentwickeln.

Rosenheim Wie die Stadt Rosenheim in einer Pressemeldung am Donnerstag (28. Oktober) bekannt gab, übernimmt die Regionalverkehr Oberbayern GmbH (RVO) zum 1. November die Konzessionen des Stadtverkehrs Rosenheim. Für die Firma Kroiss, welche seit 2004 als Stadtverkehr Rosenheim den Verkehr eigenwirtschaftlich bediente, ist dies nicht mehr darstellbar, wie Ingmar Töppel, aktueller Geschäftsführer des Rosenheimer Stadtverkehrs, in einem Schreiben, das rosenheim24.de vorliegt, erklärte.

„Mit Beginn der Pandemie brachen die Fahrgastzahlen (...) komplett ein und haben auch jetzt nur wieder circa 25 Prozent des früheren Volumens erreicht. Der Verkehr ist eigenwirtschaftlich nicht mehr darstellbar. Es ist aktuell auch nicht abzusehen, wann sich die Fahrgastzahlen wieder erholen werden. Daher musste für die Zukunft eine tragfähige Lösung gefunden werden. In wöchentlicher Abstimmung mit dem Aufgabenträger wurden alle derzeit möglichen Vorgaben des aktuellen Nahverkehrsplanes bereits umgesetzt. Gleichwohl konnte die Fahrgastentwicklung nicht gesteigert werden“, erklärte Töppel, der die Übertragung der Konzessionen lediglich „einen Verwaltungakt“ nannte.

Fahrräder in Stadtbusse und andere Änderungen

In Zukunft wird nun also die RVO die Bewilligung des Stadtverkehrs übernehmen und will dabei das Angebot für Fahrgäste weiter ausbauen: Wie Stadt und RVO mitteilen, wird ab dem Fahrplanwechsel im Dezember das RoMed Klinikum an das städtische Busnetz angebunden und direkt am Klinikum eine Haltestelle eingerichtet. Auch das Mitnehmen von Fahrrädern in den Stadtbussen ist in einer Testphase ab Mitte Dezember möglich. Darüber hinaus bietet die RVO mit dem Einsatz der „Wohin·Du·Willst-App“ (WdW-App) Fahrgästen in Stadt und Landkreis einen kostenfreien digitalen Mobilitätsplaner an.

Ab 2022 möchte die RVO auf den Stadtbuslinien auch den digitalen Ticketkauf über die WdW-App möglich machen. Ziel der RVO ist es, den Nahverkehr für die Bürgerinnen und Bürger in Stadt und Landkreis Rosenheim zukünftig so attraktiv wie möglich zu gestalten: Neben den geplanten Maßnahmen im Dezember wird die RVO in Zusammenarbeit mit den Partnern in der Verkehrsgemeinschaft Rosenheim „WIR“ in den nächsten Monaten weiter den Stadtverkehr mit den Regionalbuslinien zusammen überplanen. Dabei sollen auch die Bürger der Stadt und des Landkreises Rosenheim eingebunden und nach ihren Wünschen und Bedürfnissen befragen werden.

„Unser Ziel ist es, den ÖPNV in der Stadt und im Landkreis Rosenheim für unsere Fahrgäste modern, bequem und auf ihre Bedürfnisse angepasst auszubauen und zu gestalten. Es freut mich sehr, dass wir gemeinsam mit der SV Rosenheim GmbH sowie weiteren Vertretern der Rosenheimer Verkehrsgesellschaft aktiv daran arbeiten“, sagt Michael Schmidt, RVO-Niederlassungsleiter Ost. „Gemeinsam wollen wir sehr gute Leistungen und Qualität für unsere Kundinnen und Kunden auf die Straße bringen.“

Für Fahrgäste vorerst keine Änderungen

Im bisherigen Stadtbusverkehr ergeben sich für Fahrgäste keine Änderungen: Die Stadtbuslinien bedienen die bisherigen Haltestellen unverändert und das städtische Ticketzentrum bleibt weiterhin bestehen. Dazu ergänzt Töppel: „Für die Fahrgäste und auch die fünfzig Beschäftigten der Firma Kroiss und Stadtverkehr Rosenheim ändert sich zunächst gar nichts. Die in der Pressemeldung (Anm. d. Red.: der Stadt) angekündigten Veränderungen wären, wie auch die bisherigen Anpassungen an den 2019 beschlossenen Nahverkehrsplan, auch ohne diese Maßnahme erfolgt. Der RVO wird zukünftig aus einer Hand mit dem Aufgabenträger der Stadt und des Landkreises Rosenheim (RoVG) die Entwicklung verhandeln. Der Stadtverkehr wird auf die Spezialistenfunktionen des großen Partners zugreifen und zum Beispiel mit einer gemeinsamen Leitstelle den Betrieb optimieren.“

Oberbürgermeister Andreas März sieht in dem Betreiberwechsel eine große Chance: „Mit der Übernahme des öffentlichen Personennahverkehrs durch den RVO sind die Voraussetzungen gegeben, die Forderungen aus der Fortschreibung des Nahverkehrsplans umzusetzen und die Nutzerfreundlichkeit des Rosenheimer Busverkehrs zu verbessern. Um die Corona-bedingten Rückgänge im Fahrgastaufkommen wieder auszugleichen kommt es jetzt darauf an, schnell für die erforderlichen Verbesserungen zu sorgen. Ich setze darauf, dass die RVO GmbH mit ihrer jahrzehntelangen Erfahrung in der Abwicklung des ÖPNV daran tatkräftig mitwirkt.“

Und weiter: „Großer Dank gebührt in diesem Zusammenhang aber auch Ingmar Töppel und seinem Team, die den Rosenheimer Stadtverkehr in den vergangenen 15 Jahren eigenwirtschaftlich auf die Beine gestellt haben“.

„Ohne starke und verlässliche Partner“: Vorwurf an die Stadt?

Für die Rosenheimer Verkehrsgesellschaft (RoVG) bedankt sich Geschäftsführer Oliver Kirchner bei allen Beteiligten für die lösungsorientierte Zusammenarbeit. „Jetzt gilt es für die Rosenheimerinnen und Rosenheimer, ihren Stadtbus rege zu nutzen, um einerseits den Verkehr in der Stadt merklich zu entlasten und andererseits einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten“.

Für die bisher verantwortlichen Macher des Stadtverkehrs sei es wiederum eine bittere Pille, „das persönlich hohe Engagement für einen guten und bezahlbaren ÖPNV in Rosenheim in fremde Hände zu legen“, wie Töppel betont. Die überraschend kurze Dauer der Finanzierungszusage sei für die Verkehrsunternehmen noch sehr verwirrend und müsse in den nächsten Tagen geklärt werden. „Aber ohne starke und verlässliche Partner kann derzeit ein gutes Angebot nicht dargestellt werden“.

Ein ausführlicher Artikel zu den weiteren Hintergründen und den Zukunftsplanung folgt im Laufe des Tages.

mz/Pressemeldung Stadt Rosenheim

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