Alter Filmpalast in der Samerstraße

Von den Nazis deportiert: Kunstwerk erinnert in Rosenheim an jüdisches Mädchen Lisi Block

Der Künstler, der hinter dem Bildnis von Elisabeth am Alten Filmpalast steckt, heißt Julian Strohmeier. Er hat das Wandgemälde im Rahmen des Transit Art Festivals gemalt.
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Der Künstler, der hinter dem Bildnis von Elisabeth am Alten Filmpalast steckt, heißt Julian Strohmeier. Er hat das Wandgemälde im Rahmen des Transit Art Festivals gemalt.
  • Alexandra Schöne
    vonAlexandra Schöne
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Es sticht sofort ins Auge – das Kunstwerk auf einer Wand des Alten Filmpalastes an der Samerstraße. Zu sehen ist Elisabeth (Lisi) Block. Das jüdische Mädchen wurde 1942 von Nationalsozialisten nach Polen deportiert. An sie erinnert nun nicht nur das Bild, sondern auch ein Schild an der Hauswand.

Rosenheim – Monika Hauser-Mair, Leiterin der Städtischen Galerie, steht vor dem Alten Filmpalast in der Samerstraße. Sie blickt an der Fassade hoch und lächelt. Dass sie stolz auf das ist, was sie dort sieht, merkt man. Einer ihrer Schützlinge hat dort während des „Transit Art Festivals“ ein großes Bildnis von Elisabeth Block geschaffen. Sein Name ist Julian Strohmeier. Der 24-jährige Rosenheim ist ein bekannter Graffiti-Künstler in der Region.

Bevor er zu malen begonnen hat, sei er ins Stadtarchiv gegangen und habe recherchiert, erzählt Monika Hauser-Mair. Dort sei er auf Unterlagen über Elisabeth Block gestoßen. „Eigentlich wollte er vorher etwas über den Alten Filmpalast selbst machen“, sagt sie. „Aber er fand die Geschichte von Lisi Block so berührend und wichtig.“

Einsatz für einen Elisabeth-Block-Platz in Rosenheim

Ihr Schicksal ist vielen Menschen in Rosenheim kaum bekannt. Dass Julian Strohmeier sich dafür entschieden hat, freut Dr. Thomas Nowotny von der Initiative für Erinnerungskultur und Stolpersteine Rosenheim. Denn es sei das erste Mal, dass in der Stadt öffentlich ein Zeichen für die Opfer des Naziterrors gesetzt wird. „Wir freuen uns und wünschen uns mehr davon“, sagt Nowotny.

Zum Beispiel, dass der Platz vor der Städtischen Mädchenrealschule in Elisabeth-Block-Platz umbenannt wird. Die Jüdin hat die Schule besucht, bis sie sie 1938 verlassen musste. Damit würde die Schule auch eine neue postalische Adresse erhalten: von der Ebersberger Straße 13 zum Elisabeth-Block-Platz 1.

Monika Hauser-Mair und Dr. Thomas Nowotny bringen am Gebäude in der Samerstraße ein Schild an, auf dem das Kunstwerk erklärt wird.

Wunsch der Schulfamilie

Die Schulfamilie wünscht sich das laut Rektorin Magdalena Ramm schon lange. „Ich fände es toll, wenn Elisabeth Block in unserer Adresse verankert wäre“, sagt sie. Bereits vor vier Jahren sei dazu ein Antrag gestellt worden, doch der Stadtrat lehnte die Maßnahme ab. Ramm ist sich jedoch sicher: „Die Zeit, es wieder zu versuchen, wird kommen.“

Vorerst erinnert nun das Kunstwerk in der Samerstraße an die junge Frau. Zusammen mit Monika Hauser-Mair bringt Nowotny ein Schild an der Hauswand an. Darauf steht, wen das Wandgemälde zeigt. Dass Elisabeth Block von Nationalsozialisten verfolgt und ermordet wurde. Unter der Schrift prangt das Logo des „Transit Art Festivals“. Daneben ist ein Code, der mit dem Smartphone gescannt werden kann. Er führt zu einer ausführlichen Biografie über die junge Frau und zu einem Schulradiobeitrag, erklärt Nowotny. Dieser wurde von Mädchen und Buben der Otfried-Preußler-Schule in Stephanskirchen produziert.

Der Alte Filmpalast wird bald abgerissen

Das Schild sowie das bunte Wandgemälde werden in rund elf Monaten verschwunden sein. Grund: Der Alte Filmpalast wird abgerissen. Dass viele Leute deshalb nicht verstehen, warum das Kunstwerk an diese Wand gemalt wurde, ist kein Geheimnis. Das weiß auch Monika Hauser-Mair. Denn schließlich werde sie oft genug danach gefragt. Doch sie ist der Meinung: „Man kann auch für kurze Zeit ein Zeichen setzen. Und Street Art lebt von der Vergänglichkeit.“

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Außerdem: Der Abriss des Filmpalasts habe von Anfang an nicht im Mittelpunkt gestanden. Erst hieß es Festival veranstalten, dann Wände finden („sehr schwierig“) und anschließend wurden diese an die Künstler verteilt. Sie konnten laut der Galerieleiterin frei entscheiden, welches Motiv sie wählen. „Julian Strohmeier wusste ganz genau, dass seine Lisi Block irgendwann abgerissen wird.“

Sie findet es wichtig, dass eine Diskussion angestoßen wurde. Dass die Leute über Elisabeth Block sprechen und dass an ihre Geschichte erinnert wird. Das, da ist sich Monika Hauser-Mair sicher, wird auch noch lange nach dem Abriss des Alten Filmpalasts anhalten.

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