Vom Kreuze auferstanden: Heribert Haider bringt bayerischen Charme zum „Sommer in Rosenheim“

„De Bavarian Immigrants“: Das sind Simon Ackermann (von links), Stefan Knoll, Heribert Haider, Istvan Galus und Denise Weise.
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„De Bavarian Immigrants“: Das sind Simon Ackermann (von links), Stefan Knoll, Heribert Haider, Istvan Galus und Denise Weise.
  • vonAnna Hausmann
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Heribert Haider (54) wurde schon dreimal gekreuzigt, und das an einem einzigen Tag. Der ausgebildete Tenor spielte einst die Hauptrolle in der Rockoper Jesus Christ Superstar, ist langjähriges Mitglied im BR-Chor. Nun kommt der bayerische Musiker aus Taufkirchen an der Vils zum „Sommer in Rosenheim“.

Rosenheim – Der Sänger, Mitglied der Band „De Bavarian Immigrants“, ist am Samstag als Walking Act solo in der Innenstadt unterwegs. Dann trifft professionelle Gesangsausbildung auf Straßenmusik.

Bayerische Zungenbrecher

„D’Sun scheind schee, kunn nimma gscheid schaun, S’Leben laft dahi grod wira Traum“, singt Heribert Haider in das Telefon. Es ist ein kleiner Vorgeschmack auf die bayerischen Zungenbrecher, die er in Form von Liedern im Gepäck hat. Ganz spontan, wie auch bei seinen Auftritten. „Ich versuche immer, mich auf die Situation und das Publikum einzulassen.“ Oft blieben die Fußgänger stehen, verweilten mit ihm. Dabei gehe er auf die Passanten ein, jung und alt. Immer dabei bei seinen Auftritten: eine Gitalele, eine Gitarre in der Größe einer Ukulele. Es ist ein Glücksspiel, welchen Song er als Nächstes zum Besten gibt. „Ich habe das Glück, dass ich einen großen Schatz an Liedern im Kopf habe.“ Darunter sind auch Songs des österreichischen Musikers und Dichters Georg Kreislers, ein großes Vorbild von ihm.

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Gespräche über Gott und die Welt

Haider spricht über Gott und die Welt, nur nicht über seinen musikalischen Werdegang. Stattdessen springt er von Thema zu Thema, plaudert über all das, was auch immer ihm gerade in den Sinn kommt. Er ist auf dem Boden geblieben. Haider ist ein Familienmensch, hat vier Kinder. Selbst wuchs er auch unter vier Geschwistern auf, drei von ihnen verschlug es in die Musikbranche. Es sei schön, wieder Musik machen zu können. Die Lage für Künstler sei aktuell nicht leicht, erklärt er.

Die Tücken des bayerischen Dialekts

Haider spielt Gitalele, eine Gitarre in besonders kleinem Format.

Vor allem finanziell habe sich das bemerkbar gemacht. Schon immer habe er mit wenig Geld zurechtkommen können. Er sieht sich selbst als Lebenskünstler. „Ich bin reich im Herzen, das reicht mir.“ Am liebsten würde er sich zu Hause jeden Tag nur mit der Musik beschäftigen. „Deshalb bin ich auch für bedingungsloses Grundeinkommen.“ Das Grundeinkommen, auch Thema in dem Song „Dire Dare“: „Was mich bewegt, lasse ich in meine Texte einfließen“. Und ihn bewegt viel: Sei es der kleine Eisenwarenladen in seinem Dorf oder der Umweltschutz. Praktisch übergangslos kommt er von seinen Texten auf seine Liebe zur bayerischen Sprache zu sprechen: In seinen Liedern jongliert er mit den Tücken des Dialekts.

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Ein Waschbrett als Schlagzeug

„Bayerisch hat einfach einen guten Rhythmus“, sagt er und lacht. Auch Alltagsgegenständen kann er einen Rhythmus entlocken. Auf der Bühne nutzt er ein Waschbrett und einen Koffer als Schlagzeug. Wenngleich er es sich im Gespräch nicht anmerken lässt, Haider ist Profi: Er studierte Gesang in München und Hamburg, ist klassisch ausgebildeter Tenor. In seinem Gespräch über Gott und die Welt rutscht ihm aber glatt doch mal ein Detail raus: „Ich singe schon seit meiner Kindheit, ich war damals bei den Regensburger Domspatzen“.

Professionelle Gesangskarriere

Damals habe er einen Traum gehabt: In der Rockoper Jesus Christ Superstar zu singen. Diesen Traum hat er sich erfüllt. „Jetzt erhoffe ich mir nur noch eins: Einfach wieder normal ein Konzert geben zu können.“ Mit Heribert Haider komme ein klassisch ausgebildeter Musiker nach Rosenheim, der nicht nur auf der großen Opernbühne zu Hause ist, weiß Andrea Hailer, eine der Projektleiterinnen der Veranstaltungsreihe „Sommer in Rosenheim“. Der Entertainer schaffe Kultur für alle. „Wenn man ihn zum ersten Mal sieht, merkt man: Heribert Haider ist einfach ein Typ.“ Seine Auftritte überraschen die Zuschauer, ist Hailer überzeugt. „Mit seiner Musik gelingt es ihm ganz spielerisch, die Menschen zusammenzubringen.“

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