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Schulprojekt der privaten Berufsfachschule Dr. Kalscheuer

Vier Rosenheimer Jugendliche sagen Zigarettenkippen den Kampf an

Beim Besuch im Rathaus: (von links) Andreas Kalz vom Umwelt- und Grünflächenamt, die Auszubildende der Berufsschule Samuel Eichholz, Maximilian Glas, Marc Betzler und Benian Stähler, Lehrerin Barbara Schmidhuber sowie Donat Steindlmüller vom Rosenheimer Ordnungsamt.
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Beim Besuch im Rathaus: (von links) Andreas Kalz vom Umwelt- und Grünflächenamt, die Auszubildende der Berufsschule Samuel Eichholz, Maximilian Glas, Marc Betzler und Benian Stähler, Lehrerin Barbara Schmidhuber sowie Donat Steindlmüller vom Rosenheimer Ordnungsamt.
  • Anna Heise
    vonAnna Heise
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Zigarettenkippen auf dem Boden sind ein Problem für die Umwelt. Obwohl das Wegschnippen einer Kippe eine Ordnungswidrigkeit ist, ist die Innenstadt voll damit. Jetzt haben sich vier Auszubildende der Privaten Berufsfachschule Dr. Kalscheuer des Problems angenommen.

Rosenheim – Bis vor einigen Monaten hätten Marc Betzler und Benian Stähler auf die Frage, ob sie Raucher sind, mit Ja geantwortet. Während der eine seine Zigarettenstummel eingepackt und mitgenommen hat, hat der andere die aufgerauchten Kippen achtlos auf den Boden geworfen.

Mittlerweile sind beide Nichtraucher. Unter anderem wegen des Projekts, an dem sie gemeinsam mit zwei weiteren Auszubildenden der Privaten Berufsfachschule Dr. Kalscheuer seit Beginn des Schuljahres arbeiten. „Wir haben uns mit der Verschmutzung der Stadt durch weggeworfene Kippen beschäftigt“, sagt Betzler.

So schädlich sind Kippen für die Umwelt

Dank ihrer monatelangen Recherchearbeit hätten sie überhaupt erst herausgefunden, wie schädlich Zigarettenkippen für die Umwelt sein können. So würden die Stummel aus Tabakresten und einem Kunststofffilter bestehen.

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Dieser Filter setzt sich aus Cellulose Azetat zusammen, dessen natürlicher Abbau laut den Auszubildenden 15 Jahre dauert. Hinzu komme, dass durch Regen die in den Zigarettenstummeln enthaltenen Gift- und Schadstoffe wie Arsen, Blei, Chrom und Kupfer herausgewaschen werden und dadurch das Grundwasser verunreinigen können. „Dadurch kann es vorkommen, dass die Schadstoffe in unserer Nahrungskette landen“, so die Auszubildenden.

Gespräch im Rosenheimer Rathaus

Es sind Gefahren, die der Stadtverwaltung nicht neu sind. Gemeinsam mit den Auszubildenden und deren Lehrerin Barbara Schmidhuber haben sie sich deshalb zu einem Gespräch im Rosenheimer Rathaus getroffen, um das Projekt zu unterstützen. „Die Schüler konnten den digitalen Lernalltag gegen eine persönliche Begegnung in der beeindruckenden Kulisse des kleinen Rathausaales der Stadt eintauschen“, sagt Schmidhuber.

Verwarngeld in Höhe von 35 Euro

Während des Gesprächs informierten Andreas Kalz vom Umwelt- und Grünflächenamt und Donat Steindlmüller vom Rosenheimer Ordnungsamt die Auszubildenden über die Situation in der Stadt.

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So habe beispielsweise im Januar 2020 eine gemeinsame Aktion von Ordnungsamt, der Polizei und Sicherheitswacht stattgefunden, bei der das Wegwerfen von Kippen kontrolliert und Aufklärungsarbeit geleistet wurde. Für nicht richtig entsorgte Kippen wurden damals Verwarngelder in Höhe von 35 Euro angesetzt.

Weder Verbesserung, noch Verschlechterung

„Die Kontrollaktion war nur von mäßigem Erfolg“, heißt es dazu aus dem Rathaus. Das habe unter anderem daran gelegen, dass die Kontrolleure sofort erkannt worden seien. Ein Jahr später sei weder eine Verbesserung noch eine Verschlechterung der Situation zu erkennen. Ein aktuelles Thema bleibe es trotzdem. Das zeigen auch die zahlreichen Zigarettenstummel, die einem bei einem Spaziergang durch die Rosenheimer Innenstadt sofort ins Auge fallen.

Teilweise händische Aufsammlung

Für die Mitarbeiter des Baubetriebshofs bedeutet das jede Menge zusätzliche Arbeit. So müssen sie die Kippenreste zusammen mit dem restlichen Straßenkehricht aufsammeln – überwiegend maschinell, im Einzelfall auch per Hand. Die Zigarettenstummel werden anschließend zur thermischen Verwertung ins Müllheizkraftwerk Rosenheim gebracht.

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Richten große Schäden für die Umwelt an: Zigarettenstummel bestehen aus Tabakresten und einem Kunststofffilter. 15 Jahre dauert es, bis der Filter auf natürliche Weise abgebaut wird.

„Um Zigarettenstummel im Restmüll oder in der Natur zu vermeiden oder zu verhindern, sind Öffentlichkeitsarbeit und Aufklärung notwendig. Auch das Aufstellen von Mülleimern in Parkanlagen sei eine wichtige Maßnahme, erklärte Andreas Kalz vom Umwelt- und Grünflächenamt den Auszubildenden.

Taschen-Aschenbecher kommen wieder

Geholfen habe in diesem Zusammenhang das Verteilen von sogenannten mobilen Taschen-Aschenbechern vor rund einem Jahr. Dabei handelt es sich um kleine Kippen-Doserl im Hosentaschenformat, die zur Reduzierung von Zigarettenresten beitragen sollen.

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„Eine Neuauflage der Aktion mit den Taschen-Aschenbechern im Zuge der Umweltbildung beziehungsweise Abfallberatung ist geplant“, heißt es aus dem Rathaus. Im Moment fehle es bei den Menschen vor allem am Bewusstsein, welche negativen Auswirkungen Zigarettenkippen auf die Umwelt haben und wie hoch der Aufwand für die Entsorgung ist.

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Die vier Auszubildenden der Privaten Berufsfachschule Dr. Kalscheuer sind mittlerweile Experten auf dem Gebiet. Ihre Kippen auf den Boden werfen, werden sie höchstwahrscheinlich wohl nicht mehr.

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