Vielen Dank für die Blumen – aber in Rosenheim gibt‘s auch Bio-Gemüse zum Selbsternten

Michael Niggl aus
              Kolbermoor ist Gemüsebauer aus Leidenschaft. Mitten in Rosenheim bestellt er in der Austraße ein Feld, auf dem man Gemüse selbst ernten kann. Schöne
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Michael Niggl aus Kolbermoor ist Gemüsebauer aus Leidenschaft. Mitten in Rosenheim bestellt er in der Austraße ein Feld, auf dem man Gemüse selbst ernten kann. Schöne

Michael Niggl (39) aus Kolbermoor hat eine große Leidenschaft: Bio-Gemüse. Diese Leidenschaft teilt er ganz unkompliziert mit seinen Mitmenschen. Auf einem Feld in der Austraße, mitten in Rosenheim. Dort kann man von Salat bis Zucchinis Gemüse selbst ernten. Ein Ortsbesuch.

Von Alexandra Schöne

Rosenheim – Michael Niggl kniet sich neben dem großen Feld in der Rosenheimer Austraße auf den Boden und befühlt die Erde. „Sie ist ziemlich nass vom Regen“, sagt er, „aber das geht gerade noch.“ Auf der 2300 Quadratmeter großen Fläche baut Niggl seit zehn Jahren mitten in Rosenheim Salat, Mangold und Zucchini an. Außerdem gibt es Bohnen und Basilikum. Alles bio. Darauf legt er Wert. Sein Gemüse spritzt und behandelt er nicht.

Der Geschmack zählt, nicht das Aussehen

Zudem soll es erschwinglich sein. Eine Zucchini kostet bei ihm 50 Cent, eine Kartoffel 20 Cent. Niggl baut alte Sorten an, kauft Bio-Saatgut von Händlern aus Frankreich und Österreich. Bei ihm zählt „der Geschmack, nicht das Aussehen wie im Einzelhandel“. Je nach Jahreszeit gibt es das Gemüse, das gerade gut wächst. Niggl, groß, schlank und gebräunt von der Arbeit an der frischen Luft, hat noch ein zweites Feld im Raum Rosenheim. Auf diesem wachsen Kartoffeln und Kürbisse, Sellerie und Rüben. Niggl nennt sich „Exot“, da er nicht wie viele Bauern Blumen zum Selbstschneiden anbietet. „Ich wollte etwas anderes machen.“

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Seit 24 Jahren bewirtschaftet er schon brachliegende Felder und baut darauf Gemüse an. Als 15-Jähriger hat er angefangen, wollte eigentlich Landwirt werden. Daraus wurde nichts, da daheim der Hof und die ausreichend große Fläche fehlten. Er machte stattdessen eine Ausbildung zum Gärtner. Zudem hat Niggl einen Meister im Gemüseanbau. Das ist auch seine große Leidenschaft. Es ist ein Ersatz zum Traum vom Landwirtsein. „Ich mache das aus Idealismus“, sagt Niggl. Er möchte den Leuten direkt etwas anbieten, ohne Händler-Supermarkt-Kette. Er beantragt auch keine Subventionen bei der Europäischen Union. Denn das könnte er, sein Gemüse ist mit dem EU-Biosiegel zertifiziert. Er möchte auf den Zuschüssen nicht aufbauen, betont Niggl. Er wolle von dem Geld nicht abhängig sein.

Hochbetrieb von Februar bis Ende Oktober

Von Februar bis Ende Oktober herrscht Hochbetrieb auf Niggl Feldern. Mit den Vorbereitungen für die neue Saison beginnt er im Herbst. Er pflügt die Felder, legt Reihen an. Ab Februar sät er bei sich daheim Salat an. Denn der kann nicht direkt auf dem Acker ausgesät werden, sondern muss dort schon als kleines, robustes Gewächs mit einer halbautomatischen Maschine eingepflanzt werden. Im April ist er alle 14 Tage vor Ort und füllt die Reihen mit neuen Setzlingen auf.

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Die Felder bereiten dem 39-Jährigen einiges an Arbeit. Jeden zweiten Tag fährt er zu den Flächen, jätet Unkraut und gießt, falls nötig. Täglich leert er die Kasse. „Es steckt sehr viel Arbeit dahinter. Biogemüse ist pflegeintensiv“, sagt Niggl.

In der Hochsaison ist er durch seine Gemüsefelder an Rosenheim gebunden. „Ich kann in dieser Zeit nicht weg. Um die Pflanzen muss man sich ständig kümmern.“ Viel auszumachen scheint ihm das nicht. Er macht das gerne, sagt er.

Eine Dame fährt auf einem Fahrrad vorbei. „Gute Kartoffeln haben sie“, ruft sie Niggl zu. Und: „Was pflanzen sie als nächstes?“ Kurz fachsimpeln die beiden über Gemüsesorten und Kürbissuppe. Dann sagt er: „Für solche Leute mache ich das.“ Für diejenigen, die sich über seine Arbeit freuen, ihm nette Briefe schreiben und in die Kasse werfen. Oder die ungefragt Unkraut zupfen.

„Die Menschen haben es selbst in der Hand“

Das Angebot auf den Feldern wird gut angenommen. Niggl ist zufrieden. Das Zahlen übernehmen die Leute selbst. Sie werfen das Geld in die Kasse neben dem Acker. Bei diesem Konzept müsse man es auch mal ertragen, dass bei der Bezahlung nicht alles immer glatt läuft, findet Niggl. Mehr will er dazu nicht sagen. „Die Menschen haben es selbst in der Hand.“

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Er hat sich mit dem Gemüsefeld in der Austraße in all den Jahren Stammkunden aufgebaut. Eine davon ist Ingrid Mayer. Die Rosenheimerin pflückt gerade einen Salatkopf. Sie komme regelmäßig, berichtet sie. Außerdem: „Es ist schön, mal nicht im Supermarkt sein Gemüse kaufen zu müssen. Da hat man einen ganz anderen Bezug dazu.“

In der Austraße wachsen Gurken neben Zucchini. Aber es gibt auch verschiedene Salatsorten und Basilikum.

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