Für viele Familien ein Ankerpunkt

Über vier Jahrzehnte Kinder in St. Hedwig betreut: Erzieherin Siegrid Lohmeier (Dritte von rechts) mit verschiedenen Generationen ihrer Kindergartenkinder. Schlecker

44 Jahre lang war Siegrid Lohmeier Erzieherin im katholischen Kindergarten St. Hedwig.

Von vielen Familien hat sie gleich mehrere Generationen betreut. Jetzt verabschiedet sich die 64-jährige in den wohlverdienten Ruhestand. Am morgigen Sonntag findet ihr zu Ehren um 10 Uhr ein Festgottesdienst in der Kirche St. Hedwig statt.

Ehemaligeerinnern sich

Annemarie Mitterer war Kindergartenkind in St. Hedwig. Heute begleitet die 44-jährige ihren vierjährigen Sohn Julius jeden Morgen dorthin. Dabei kommt es bei ihr immer wieder einmal zu einem „Aha-Erlebnis“, denn einige Dinge kommen ihr sehr bekannt vor, wie beispielsweise die Fliesen auf der Toilette. „Die gab es auch schon in meinen Kindertagen“, erzählt sie. Michael Krause geht es ähnlich. Auch er besuchte den Kindergarten St. Hedwig vor vier Jahrzehnten selbst und erlebt die Einrichtung heute aus den Augen eines Vaters.

„Natürlich hat sich in den vergangenen vier Jahrzehnten viel verändert, aber einiges kommt einem dennoch vertraut vor“, sagt der 43-Jährige. An einzelne Erlebnisse kann er sich nicht mehr erinnern. Geblieben ist das gute Gefühl: „Mir hat es hier immer sehr gut gefallen“. Diese Meinung teilt er mit seinem fünfjährigen Sohn Jonas: „Ich finde es im Kindergarten schön“.

Wenn Siegrid Lohmeier solche Sätze hört, dann strahlen ihre Augen. „Zu erleben, wie aus Kindern Erwachsene werden und dann deren Kinder und Kindeskinder betreuen zu dürfen, das ist schon was Besonderes“, sagt die 64-Jährige.

Dabei war Erzieherin ursprünglich nicht ihr Traumberuf. „Früher war die Auswahl an Berufen für uns Frauen nicht sehr groß“, erinnert sie sich. Eigentlich sei für sie nur Büro oder Soziales in Frage gekommen. „Ein Büromensch bin ich definitiv nicht.

Das ist mir zu wenig kreativ und die Arbeit mit kranken und verletzten Menschen konnte ich mir auch nicht gut vorstellen“, erzählt sie. Darum trat sie in die Fußstapfen ihrer Mutter und diese war Erzieherin im Kindergarten St. Hedwig.

In den Anfangsjahren waren Mutter und Tochter alleine für die Betreuung von rund 70 Kindern zuständig. „Damals gab es noch sogenannte Wechselgruppen. Die eine Hälfte der Kinder kam am Vormittag, die andere am Nachmittag“, erklärt Siegrid Lohmeier.

Überhaupt war vor 40 Jahren noch vieles anders. Statt von Erzieherinnen sprach man von Kindergärtnerinnen. Die meisten Kinder nannten Siegrid Lohmeier aber „Tante“, erinnert sie sich lachen.

Auch die Kinder selbst haben sich mit den Jahren verändert, meint die langjährige Erzieherin. „Früher spielten sie auf der Straße und verbrachten viel Zeit in der Natur.

Das wird immer schwieriger“, stellt sie fest. Umso wichtiger sei es heute, dass Kindergärten diese Freiräume bieten könnten.

Doch auch das sei nicht immer leicht, weil der Bürokratismus immer mehr Zeit fordere.

„Eine gemeinsame Übernachtung wie in früheren Zeiten ist heute eine sehr komplizierte Sache“, bedauert sie. Dabei seien es doch gerade diese Erlebnisse, an die man sich auch noch im Erwachsenenalter gerne zurückerinnere.

Froh und dankbar ist Siegrid Lohmeier, dass es während ihrer Zeit als Kindergarten-Erzieherin niemals zu einem schweren Unfall gekommen ist.

„Das wäre für mich schlimm gewesen.“ Auch in ihrem Ruhestand will die 64-jährige weiter mit Kindern arbeiten. „Ich werde Workshops im Holztechnischen Museum betreuen“, erzählt sie. Das Schöne an dieser neuen Tätigkeit: „Dabei treffe ich sicherlich auch immer wieder einmal auf ehemalige Kindergartenkinder von mir.“

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