Viele Abhängige, lange Wartelisten: Drogensucht ein großes Problem in Gefängnissen der Region

Die Zuständigen: (von links) Fachkraft Bianka Schorcht, Bereichsleiter Maximilian Jaroljmek, Geschäftsbereichsleiterin Kaie Tamm, Bundesdrogenbeauftragte Daniela Ludwig und Gesamtleiter Soziale Dienste Oberbayern Klaus Voss.
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Die Zuständigen: (von links) Fachkraft Bianka Schorcht, Bereichsleiter Maximilian Jaroljmek, Geschäftsbereichsleiterin Kaie Tamm, Bundesdrogenbeauftragte Daniela Ludwig und Gesamtleiter Soziale Dienste Oberbayern Klaus Voss.

Suchtprobleme sind in den JVAs der Region ein Dauerthema. Die Zahl der Klienten hat sich seit 2005 verdoppelt. Die Wartezeit auf ein Beratungsgespräch beträgt mehrere Monate. Das berichteten die Verantwortlichen der Diakonie Rosenheim bei einem Gespräch mit der Bundesdrogenbeauftragten Daniela Ludwig.

Rosenheim/Bernau– „Rund zwei Drittel der Inhaftierten hatten schon einmal oder haben aktuell mit illegalen Drogen Kontakt“, sagte die zuständige Fachkraft Bianka Schorcht. „Im vergangenen Jahr führten wir über 2600 Gespräche mit 662 Klienten.“ Für Ludwig spielt die externe Suchtberatung für die Insassen von Justizvollzugsanstalten eine wichtige Rolle in der Drogenpolitik. „Wir müssen mit allen Mitteln versuchen, diese Menschen auf ihrem Weg in ein straf- und suchtfreies Leben nach der Entlassung zu unterstützen. Es ist ein harter und steiniger Weg. Das geht nur mit einer fachkundigen Beratung und Hilfe während ihrer Haftzeit.“

Für Bernau, Bad Reichenhall und Traunstein zuständig

Die externe Suchtberatung der Diakonie Rosenheim ist für Thematiken rund um illegale Drogen der Justizvollzugsanstalten Bernau, Bad Reichenhall und Traunstein zuständig, die Alkoholthematik wird vom Sozialdienst der JVA abgedeckt. Die Mitarbeitenden der externen Suchtberatung haben ihren Arbeitsplatz auf dem Gelände in Bernau und besuchen täglich die Gefangenen.

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Die Drogenproblematik hat sich auch in den Justizvollzugsanstalten in den letzten Jahren stark verändert. „Die daraus resultierenden psychischen Symptome haben massiv zugenommen und bedürfen ausdifferenzierter Herangehensweisen und Beratungsformen“, erläuterte der Gesamtleiter der Sozialen Dienste Oberbayern Klaus Voss.

Wirkungen kaum abzusehen

„Den klassischen Heroin-Süchtigen gibt es nicht mehr. Aufgrund von nicht klardefinierten Inhaltsstoffen wissen die Häftlinge oft nicht mehr, was sie tatsächlich konsumieren. Die Wirkungen und Folgen davon sind weniger abzusehen, als früher. Dies kann von Psychosen bis hin zu Depressionen und anderen Symptomen führen.“

Kreativität bei der Beschaffung

Bei der Beschaffung von illegalen Substanzen seien die Insassen kreativ und stellen die JVA oft vor große Herausforderungen. „Ein drogenfreier, abstinenter Vollzug innerhalb kann nicht generiert werden“, so Schorcht. Drei weibliche Fachkräfte sind in der externen Suchtberatung in Bernau vor Ort. Sie sind Ansprechpartnerinnen bei Problemen der Häftlinge, beraten und versuchen in Therapien zu vermitteln. „Die Klienten wollen oft ihre Haft verkürzen, indem sie eine Therapie antreten. So einfach gestaltet es sich aber nicht, das ist ein schwieriger Weg. Zum einen, weil die gesetzlichen Auslegungsrahmen durch Gerichtsurteile erschwert wurden, zum anderen, weil auch die Kostenträger die Anträge oftmals ablehnen.“

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Finanziert wird die Beratung vom Bayrischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege. „Die jährlichen Zuschüsse für die Aufrechterhaltung des Angebots reichen nicht aus, um die Personalkosten zu decken, sodass wir jährlich prüfen, ob wir das Angebot weiterhin aufrechterhalten können“, so Voss. „Mein dringlicher Wunsch wäre, dass die Förderung zumindest die entstandenen Personal- und Sachkosten für unsere Beratertätigkeit deckt.“

„Keine üppige Personalausstattung“

Daniela Ludwig hält das für berechtigt. „Drei Fachkräfte für über 1000 Häftlinge ist keine üppige Personalausstattung. Die Arbeit ist extrem wichtig und sollte deshalb auch finanziell entsprechend gewürdigt werden.“

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