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Folgen des Krieges

Verwundete aus der Ukraine im Romed-Klinikum? Das sagt der Geschäftsführer

Die Romed-Kliniken sind derzeit mit Corona-Patienten beschäftigt
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Die Romed-Kliniken sind derzeit mit Corona-Patienten beschäftigt
  • Jens Kirschner
    VonJens Kirschner
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In der Rosenheimer Klinik ist man dank Corona jetzt bereits „auf Anschlag“. Ob und wie viele Patienten aus den Kriegsgebieten kommen, ist noch völlig unklar. Hoffnung machen aber die sinkenden Infektionszahlen.

Rosenheim – Die Corona-Pandemie hat das Romed-Klinikum bereits vor viele Herausforderungen gestellt. Der Ukraine-Krieg könnte hier noch eine Schippe drauflegen. Denn am Mittwoch war aus dem Ministerrat zu hören, dass der Freistaat auf Verletzte und Verwundete aus der Kriegsregion aufnehmen und für deren Versorgung in bayerischen Kliniken Sorge tragen will. Mit vielen Verletzten, die aus der Ukraine ins Romed-Klinikum verlegt werden, rechnet der Geschäftsführer des Romed-Klinikums, Dr. Jens Deerberg-Wittram, jedoch nicht.

Häuser aktuell voll belegt

Im Radius von zweieinhalb Flugstunden rund um Kiew gebe es viele Tausend Kliniken, die grundsätzlich zunächst für eine Versorgung infrage kämen, sagt der Klinik-Chef. Er sieht nicht, dass Rosenheim damit zu einem Hotspot für die Versorgung Verwundeter aus der Ukraine werden könnte.

Vielleicht auch zum Glück. Denn zumindest aktuell, berichtet Deerberg-Wittram, seien die Kliniken des Verbunds „voll belegt“. An den vier Standorten würden derzeit mehr als 80 Covid-Patienten versorgt. „Das ist schon mal eine sehr große Zahl“, sagt der Klinik-Chef. Der Umstand, dass es auch immer wieder zu Corona-Fällen unter der Belegschaft komme, erleichtere die Situation nicht. „Diese Kombination führt dazu, dass wir mit Blick auf die Kapazität echt am Anschlag sind.“ Wobei: „Mit insgesamt vier Unfallchirurgien an vier Standorten, die in Summe wirklich sehr, sehr groß sind, sind wir eigentlich dafür prädestiniert, das auch leisten zu können.“

Zeitlicher Vorlauf

Dr. Jens Deerberg-Wittram Geschäftsführer des Romed-Klinikums.

Wirklich beunruhigt, dass ihm bei der Patientenversorgung die Felle davon schwimmen, scheint Deerberg-Wittram ohnehin nicht. Zum einen geht der Romed-Chef davon aus, dass man den Scheitelpunkt der fünften Corona-Welle nunmehr erreicht habe. Und selbst wenn das Romed-Klinikum Patienten aus der Ukraine aufnehmen müsste, rechnet der Mediziner mit einem Vorlauf von zumindest drei Tagen, bis die Verwundeten tatsächlich in den Häusern ankommen. „Dann könnten wir uns auch darauf einstellen.“

Infektionswelle ebbt allmählich ab

Zumindest chirurgisch sieht Jens Deerberg-Wittram keine Verletzungsmuster, mit denen die Operateure nicht umzugehen vermögen. Was man jedoch nicht wisse, sei, ob sich dieser Krieg noch in einer Art und Weise zuspitze, dass auch Kampfstoffe zum Einsatz kämen, die andere Verletzungsmuster mit sich brächten. „An diesem Punkt sind wir noch nicht, und ich hoffe, dass wir auch nicht dorthin kommen.“

Prognosen mit Blick auf die Versorgungskapazität der Kliniken ließen sich aber derzeit schwer treffen. „Tendenziell bin ich optimistisch, weil wir merken, dass die Infektionswelle abebbt“, sagt Deerberg-Wittram. Damit müsste in nächster Zeit auch die Zahl jener Patienten zurückgehen, die stationär behandelt werden müssen. Aber auch die Covid-erkrankten Mitarbeiter seien bis dahin vermutlich wieder einsatzbereit. „Wenn das alles so eintritt, wie ich das hoffe und wie es zu vermuten ist, dann glaube ich, werden wir auch die Kapazität haben, Menschen aus der Ukraine aufzunehmen. Aber im Moment wäre hierfür nicht die beste Zeit des Jahres.“

Keine Erstversorgung erwartet

Andere Vorkehrungen zur Aufnahme Verwunderter aus dem Kriegsgebiet Ukraine hat das Romed offenbar bereits getroffen. Darunter die Suche nach geeigneten Dolmetschern, um sich mit den ukrainischen Patienten verständigen zu können. „Das haben wir im Krisenstab Anfang der Woche bereits besprochen, damit wir eine Übersicht haben, welche der Kolleginnen und Kollegen Ukrainisch oder Russisch sprechen“, berichtet Derberg-Wittram.

Mit akut Verletzten, die im Romed-Klinikum zu versorgen wären, rechnet der Klinik-Chef realistischerweise nicht. Schließlich könnten solche Patienten schlichtweg nicht verlegt werden, ohne dass man sie vorher stabilisiert hat. „Transportfähigkeit“ lautet hier das Stichwort. Es gehe wohl vielmehr um Verwunderte, die bereits in erster Instanz versorgt wurden und gegebenenfalls noch chirurgisch nachbehandelt werden müssten. „Und in Sachen Spezialversorgung können wir in diesem Zusammenhang sicherlich auch einiges leisten“, versichert er.

Die Impfpflicht-Situation bei Romed
Ab dem 16. März gilt in Deutschland die einrichtungsbezogene Corona-Impfpflicht, wenngleich Bayern die neue Rechtslage in einem gestuften Verfahren umsetzt. Damit müssen die Kliniken zumindest noch nicht fürchten, sich schon ab diesem Tag von ungeimpftem Personal trennen zu müssen. Von diesem gibt es auch im Romed-Klinikum noch welches. Geschäftsführer Dr. Jens Deerberg-Wittram nennt eine Impfquote von etwa 85 Prozent für die Romed-Klinik. Das ist zum Teil auch bitter für deren Geschäftsführer: „Jeder Mitarbeiter, der uns nicht mehr zur Verfügung stehen kann, weil er nicht geimpft ist, beudeutet für uns zunächst einmal einen großen Verlust und ist hochärgerlich“, sagt Deerberg-Wittram. Es werde eine Anzahl an Mitarbeitern geben, die darauf beharren werden, sich nicht impfen zu lassen. Kein Phänomen, das sich auf die Klinken beschränkt: „Jeder kennt sicherlich jemanden, der sich so klar gegen die Impfung positioniert, dass er sich davon auch nicht weg bewegen wird.“ Diese Impfverweigerer arbeiteten jedoch eher in Bereichen, die nichts mit der Akutversorgung von Patienten zu tun hätten. In Folge: „Ich gehe davon aus, dass wir unseren medizinischen Kernbereich, die Notfallversorgung, OP und Intensivstation betreiben können, auch wenn es eine harte Umsetzung der Impfverordnung gibt.“ jek

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