SICHERHEITSDIENST FÜR FLÜCHTLINGSUNTERKÜNFTE

„Verunsicherung ist groß“

In der Luitpoldhalle – unser Foto zeigt die letzte Besprechung vor der Belegung – hat sich die Kombination von Sicherheits- und Sozialdienst bewährt. : Schlecker
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In der Luitpoldhalle – unser Foto zeigt die letzte Besprechung vor der Belegung – hat sich die Kombination von Sicherheits- und Sozialdienst bewährt. : Schlecker

Wöchentlich werden in Rosenheim derzeit 13 neue Asylbewerber zugewiesen. Aktuell leben 386 in der Stadt – verteilt auf 53 Unterkünfte. Je größer sie sind, desto größer ist auch das Konfliktpotenzial, stellt die Stadt fest. Deshalb will sie einen Sozial- und Sicherheitsdienst beauftragen. Im Haushalt 2016 und 2017 sind dafür je 200000 Euro eingeplant.

Rosenheim– „Übergriffe finden vor allem untereinander statt und weniger im freien Raum“, stellte Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer im Haupt- und Finanzausschuss fest. In der Tat kam es in den vergangenen Wochen vor allem überall dort zu gewalttätigen Auseinandersetzungen, wo viele Menschen auf engem Raum zusammenleben. Langeweile, die Unsicherheit darüber, wie es weitergeht mit dem Asylverfahren und Spannungen zwischen den Flüchtlingen, die aus unterschiedlichen Kulturkreisen stammen, sorgen für Konflikte.

Die Polizeieinsätze wegen Ruhestörung und Körperverletzungen in den Unterkünften nehmen zu. Das gelte auch für Feuerwehreinsätze aufgrund von Fehlalarmen durch Vandalismus, berichtete die Stadtverwaltung.

„Es gibt eine große Unsicherheit und Angst in der Bevölkerung“, betonte die Oberbürgermeisterin. Sie halte es für notwendig, einen zusätzlichen Sozial- und Sicherheitsdienst mit täglichen Besuchen in den Asylbewerberunterkünften zu beauftragten – auch außerhalb der normalen Dienstzeiten der Stadtverwaltung. Notwendig sei eine regelmäßige Präsenz dort während der Abend- und Nachtstunden.

Fünf der 53 Unterkünfte beherbergen bereits 25 bis 60 Flüchtlinge. Die Zahl der Asylbewerber in der Stadt wird sich jedoch weiter erhöhen. Bisher leben hier „erst“ 386 Personen, weil die Stadt durch die Aufnahme der vielen unbegleiteten Minderjährigen, die aufgrund der Grenznähe in Rosenheim aufgegriffen werden, besonders belastet ist. Die Minderjährigen werden jetzt jedoch schneller auf andere Bundesländer und Kommunen verteilt, sodass in den nächsten Monaten mit einem weiteren Zugang an erwachsenen Flüchtlingen zu rechnen ist. Das Aufnahme-Soll für die Stadt Rosenheim liegt bei 929 Personen.

Weitere Unterkünfte werden deshalb entstehen; sind unter anderem im Aicherpark und in Langenpfunzen geplant. Der Bedarf für Dienste, welche die Sicherheit und Ordnung gewährleisten, steigt damit ebenfalls –  ebenso wie die Notwendigkeit, den Bewohnern anhand praktischer Hilfen grundlegende Verhaltensregeln zu vermitteln. „Rücksicht gegenüber Mitbewohnern und vor allem der Nachbarschaft, Respekt vor fremdem Eigentum und weitere zwingend notwendige Umgangsformen fehlen oftmals“, bedauert die Stadtverwaltung in ihrer Sitzungsvorlage.

Sozialamtsleiter Christian Meixner und Sozialdezernent Michael Keneder wiesen deshalb darauf hin, dass die Kommune nicht an die Beauftragung eines klassischen Sicherheits- und Wachdienstes denkt. Sie möchte, dass auch sozialpädagogisch und präventiv gearbeitet wird – etwadurch die Zuschaltung von Mitarbeitern eines Wohlfahrtsverbandes. So werde schon in der Luitpoldhalle verfahren.

Das Sicherheitspersonal soll auch in den anderen Unterkünften nicht nur für Ruhe und Ordnung sorgen, sondern auch als Ansprechpartner zur Verfügung stehen und mögliche Konfliktherde so schnell erkennen, dass sie erst gar nicht ausbrechen. Diese erweiterte Kompetenz soll auch in der Ausschreibung deutlich werden. Die Ausschussmitglieder legten außerdem Wert auf die Tatsache, dass nur ein Dienst den Zuschlag erhält, der Mitarbeiter ohne rechtsradikale Gesinnung garantieren kann.

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