Versickern spart Geld

Die Stadt sorgt für den Bau der Kanalisation und verlangt für die Benutzung Gebühren. Ab Januar 2012 gilt ein neues Abrechnungssystem.
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Die Stadt sorgt für den Bau der Kanalisation und verlangt für die Benutzung Gebühren. Ab Januar 2012 gilt ein neues Abrechnungssystem.

Rosenheim: - Bei der nächsten Abwasser-Abrechnung werden die Rosenheimer Grundstücksbesitzer Veränderungen vorfinden. Ob sie mehr oder weniger bezahlen müssen, hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Bei der nächsten Abwasser-Abrechnung werden die Rosenheimer Grundstücksbesitzer Veränderungen vorfinden. Ob sie mehr oder weniger bezahlen müssen als bisher, hängt davon ob, wieviel Niederschlagswasser im Boden ihres Grundstücks versickert und welcher Anteil über versiegelte Flächen in die Kanalisation fließt.

Die getrennten Abwassergebühren gelten ab dem 1. Januar. Die Kosten für die Beseitigung von Schmutzwasser werden verteilt wie bisher: Soviel Frischwasser die Bürger verbrauchen, soviel Schmutzwasser wird berechnet. Zuzüglich war bisher ein pauschaler Zuschlag für das Ableiten des Niederschlagswassers in die Kanalisation zu zahlen.

Knapp fünf Millionen Euro zahlten Bürger und Betriebe bisher für die Beseitigung des Schmutzwassers und 700000 Euro für das Niederschlagswasser. Das neue System soll mehr Gerechtigkeit bringen. Wer große Flächen versiegelt, von denen Wasser in die Kanalisation fließt, muss in Zukunft mehr zahlen. Auf diese Weise verschieben sich die Gebühren für das Ableiten des Niederschlagswassers beispielsweise zu ungunsten von Supermärkten mit riesigen Parkplätzen - sofern diese keine eigenen Sickersysteme gebaut haben, durch die Regen- und Schneewasser wieder in den Boden gelangen.

Was fließt in den Kanal, was versickert?

Für Wohnhäuser fasst Werner Willeitner, Leiter der Stadtentwässerung, die Berechnung so zusammen: "Je mehr Bewohner unter einem Dach leben, desto günstiger wird es." Für größere Wohnblöcke werde es wohl billiger, für Einfamilienhäuser mit wenigen Bewohnern möglicherweise etwas teurer.

Der Durchschnittsverbrauch an Frischwasser liegt pro Person im Jahr bei 50 Kubikmetern. Für die Beseitigung des Niederschlagswasser setzte die Stadtentwässerung bisher pauschal 7,50 Euro pro Person und Jahr an, bei fünf Personen also 37,50 Euro. Pro Quadratmeter der abflusswirksamen Fläche berechnet die Stadtentwässerung in Zukunft 24 Cent. Das sind für das oben angeführte Einfamilienhaus bei einer abflusswirksamen Fläche von angenommenen 150 Quadratmetern 36 Euro. Hier verändert sich also fast nichts.

Ausschlaggebend für die Berechnung ist zunächst einmal die Gesamtfläche des Grundstücks. Als zweiter Maßstab dient die Oberflächenbeschaffenheit. Ein Gründach kann die Quadratmeterzahl, nach der die Gebühren zu entrichten sind, mindern. Ebenso wirken sich Pflastersteine mit einer bestimmten Fugenbreite aus, zwischen denen Regen versickern kann.

Um die Flächen zu ermitteln, hat die Stadtentwässerung ein Ingenieurbüro beauftragt. Dieses hat aus Luftbildern rechnerisch die abflusswirksamen Flächen ermittelt. Diese Flächenermittlungen wurden den betroffenen Bürgern zur Überprüfung zugeleitet. Sofern sich aus den Rückläufen ein Änderungsbedarf ergab, wurde dies eingearbeitet. In vielen Fällen war es zudem notwendig, die Einleitungsverhältnisse zu überprüfen: Was fließt in den Kanal, was versickert? Diese Überprüfungen sind noch nicht abgeschlossen.

Bei der Stadtentwässerung erwartet man, dass sich Bürger nach Zustellung des Gebührenbescheids melden und weitere Flächenreduzierungen reklamieren werden. Zudem wird angenommen, dass Grundstücksbesitzer die Einführung der getrennten Abwassergebühr zum Anlass nehmen, auf Grundstücksversickerung umzustellen - und so Gebühren sparen. Wer kein Niederschlagswasser ableitet, wurde nicht angeschrieben.

Aus einem Gebührenvergleich der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall für das Jahr 2009 ergaben sich bei der getrennten Gebühr für das Schmutzwasser durchschnittliche Gebührensätze von 2,46 Euro pro Kubikmeter und für das Niederschlagswasser 89 Cent. Mit 1,38 Euro und 24 Cent liegt Rosenheim weitaus günstiger. Es gibt allerdings auch Kommungen, in denen es noch billiger geht. Bei einer Umfrage unter bayerischen Städten aus dem Jahr 2005 lagen die Schmutzwassergebühren zwischen 0,89 und 1,93 Euro, die Niederschlagswassergebühren zwischen 0,22 und 0,67 Euro.

bi

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