Neuer Oberbürgermeister Andreas März in Rosenheim vereidigt

Corona-gefährlich, aber von Herzen: Gabriele Bauer hängt ihrem Nachfolger Andreas März die Oberbürgermeisterkette um. Die Vereidigung hatte ÖDP-Stadtrat Horst Halser übernommen, als ältestes Mitglied des Stadtrats. Schlecker
  • Ilsabe Weinfurtner
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Andreas März (CSU) hat das Amt als Rathauschef übernommen. In seine Antrittsrede schwört er die Stadträte auf die Politik in Krisenzeiten ein: mehr Miteinander, weniger Taktik.

Rosenheim – Konstituierende Sitzungen haftet etwas Formelles an. Der Oberbürgermeister wird vereidigt, die Bürgermeister sind zu wählen und die Ausschüsse müssen besetzt werden. Doch auch das kann Corona: Zwischen all den Formalitäten die Menschen einander näher bringen. Sie verbinden in der Gewissheit, dass vieles im Ungewissen bleiben muss. Und so hat die konstituierende Sitzung in Rosenheim nicht nur die politischen Weichen gestellt. Sie war ein Bekenntnis für ein neues, verbindlicheres Miteinander. Ein Bekenntnis, das es einzulösen gilt in den kommenden sechs Jahren.

In der Krise steckt eine Chance

Horst Halser, ÖDP-Stadtrat und mit 83 Jahren erneut der Älteste im Gremium, steht am Rednerpult im Saal „Bayern“ des Kultur- und Kongresszentrums. Vor ihm, ein Stück entfernt, sitzt Andreas März (47, CSU) auf einem Stuhl. Beide warten auf den Sitzungsbeginn. Gleich wird Halser den neuen Oberbürgermeister vereidigen. Wird ihm sagen, dass es für das, was aufgrund der Corona-Krise kommen wird, „keine Blaupause“ gibt. Dass das griechische Wort „Krisis“ auch die Option einer Chance meint, einen Wendepunkt zum Guten. Wird am Ende seiner Rede um „Vertrauen in Andreas März“ bitten. Doch für den Moment noch, oben auf dem Podium, wirkt es, als wolle der Stadtrats-Älteste dem neuen Stadtoberhaupt den Rücken stärken für das, was kommt.

Verzicht auf „taktische Spielchen“

Es sind enorme Herausforderungen, die auf den Nachfolger von Gabriele Bauer zukommen. Gemeinsam mit der Verwaltung muss er aufkehren, was die Corona-Krise einmal hinterlassen wird: Hohe Verluste, wenn nicht Pleiten, im Einzelhandel, in der Gastronomie und anderen Branchen. Eine steigende Zahl an Arbeitslosen und Kurzarbeitern. Höhere Ausgaben im sozialen Bereich, weniger Gewerbesteuer und vieles andere mehr.

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März weiß das. Und richtet seinen Blick nach vorne. Schwört die Stadträte in seiner Antrittsrede ein auf die Zeit, die gemeinsam vor ihnen liegt, auf die politischen Aufgaben, die es zu meistern gilt: „Machen wir uns jetzt an die Arbeit“, ruft er ihnen zu. Bittet um „breiten und fraktionsübergreifenden Konsens“, um Begegnungen mit „menschlichem Respekt“, weil das zielführender sei als „taktische Spielchen“. Für ihn, sagt März, sei seine Begeisterung für die Stadt Ansporn anzupacken, auch und gerade während der „bleiernen Zeit der Pandemie“. Seine Begeisterung möchte er übertragen auf die Stadträte, auf alle, die nun Verantwortung tragen für die Geschicke Rosenheims. Eine lebendige, soziale Stadtgesellschaft, in der sich keiner vergessen fühlen muss, ist sein erklärtes Ziel. März, der einige Jahre in den USA gelebt hat, zitiert aus der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung. Von Glück sei da die Rede, einem ganz individuellen Glück, das jeder versuchen könne in der Form, wie es für ihn gut sei. „Ich will das Glück der Stadt“, sagt der neue Oberbürgermeister.

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Horst Halser ist da schon längst aus seinem Rücken getreten. Hat seinen Platz unter den anderen Stadträten gesucht, die verstreut sitzen im Saal, jeder an einem eigenen Tischchen in corona-sicherer Entfernung zum anderen.

Zu viel Nähe in Corona-Zeiten

März steht nun allein, führt durch seine erste Sitzung. Er hat den Mund-Nasen-Schutz abgenommen, wie die überwiegende Menge im Saal auch. Später wird das Bild, als ihm Gabriele Bauer die Amtskette überstreift, für einen kleinen Shitstorm in den sozialen Medien sorgen. Weder März noch Bauer tragen Maske, kommen sich viel zu nahe als es der Corona-Mindestabstand eigentlich erlaubt. Auch bei der Wahl der Bürgermeister vergisst so mancher seinen Schutz auf dem Weg zur Wahlkabine. Zu ungewohnt ist es offensichtlich, sich nicht mehr frei bewegen zu können. Die Emotionen einer Umarmung zügeln zu müssen.

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Die Entscheidung für den Zweiten Bürgermeister fällt auf Daniel Artmann (CSU). Das Amt der Dritten Bürgermeisterin übernimmt Gabriele Leicht (SPD). Beide Personalien hatte, wie berichtet, das neue Bündnis von CSU, SPD und FDP bereits im Vorfeld abgestimmt. Daniel Artmann setzt sich mit 32 von 45 gültigen Stimmen durch. Stadträtin Anna Rutz (Grüne) erhält zwölf Stimmen. Markus Schmid von den Republikanern bekommt einzige Stimme. Auch Gabriele Leicht kann sich deutlich behaupten: Von 45 abgegebenen Stimmen sind drei ungültig. Sie vereint trotzdem 26 Stimmen auf sich. 14 gehen an Regina Georg, in Gremium zurückgekehrte Stadträtin der Grünen. Christine Degenhart (FW/UP) geht mit zwei Stimmen aus der Wahl.

Appelle der Grünen bleiben ungehört

Vor beiden Wahlgängen hatten die Grünen vergeblich versucht, Anspruch auf eines der beiden Ämter zu reklamieren. Als zweitstärkste Fraktion sei ein Posten für die Grünen „offensichtlicher Wählerwille“, sagt nun zunächst Stadtrat Peter Rutz. Auch Franz Opperer, der mit Rutz die Fraktionsspitze bildet, argumentiert in diese Richtung. Spricht davon, dass es „gute Sitte“ sei, eines der beiden Ämter weiterzugeben. Die Appelle bleiben ungehört. März erwidert, allein das Gremium wähle die Bürgermeister.

Ein Moment, in dem aufscheint, dass es in der politischen Arbeit in den kommenden Jahren nicht nur Gemeinsamkeit geben wird. Um eine „sachliche, nicht parteipolitische Arbeit“ hatte Horst Halser gebeten. März hatte eine Einladung zum Mitmachen ausgesprochen, „an jeden, dem das Wohl der Stadt am Herzen liegt“. Das Bekenntnis zum Miteinander: Es muss sich bewähren.

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