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Vorschlag aus dem Landtag - Antwort aus Rosenheim

Mehr Schulunterricht im Freien: In der Umsetzung eher utopisch

Unterricht im Rosenheimer Riedergarten? Die Verantwortlichen für die hiesigen Schulen können den Vorschlägen aus den Reihen der Landtagsfraktionen wenig abgewinnen, zu viele Fragen zur Umsetzung bleiben offen.
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Unterricht im Rosenheimer Riedergarten? Die Verantwortlichen für die hiesigen Schulen können den Vorschlägen aus den Reihen der Landtagsfraktionen wenig abgewinnen, zu viele Fragen zur Umsetzung bleiben offen.
  • Jens Kirschner
    VonJens Kirschner
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Mit Blick auf neuerliche Schulschließungen wegen steigender Infektionszahlen haben sich Landespolitiker aus allen Fraktionen für vermehrten Unterricht im Freien ausgesprochen. Doch: So schön sich das Konzept anhört, so schwierig ist es umzusetzen.

Rosenheim – „Vom Infektionsschutz her gesehen ist Unterricht im Freien immer besser als in Räumen. Da brauchen wir gar nicht drüber reden“, findet der Leiter des Rosenheimer Schulamts Edgar Müller. Wenn es organisatorisch machbar sei, stünden Unterrichtsstunden unter freiem Himmel nichts entgegen.

Tafel oder Flipchart das Problem

Doch gerade hier sieht Müller bei vielen Fächern durchaus Probleme: Es braucht nicht nur eine Möglichkeit, die Unterrichtsthemen zu präsentieren – sprich eine Tafel oder ein Flipchart. Ebenso müssten die Schüler Gelegenheit haben, das Unterrichtsgeschehen auch in ihren Heften niederzuschreiben.

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Vorstellen kann sich Müller, dass beispielsweise einzelne Klassen den Kunstunterricht nach draußen verlegen. Aber: Mehrere Klassen gleichzeitig für die gesamte Fächerpalette nach draußen zu verlegen, hält er für organisatorisch und pädagogisch „schwer vorstellbar“. Zumal Fächer wie Kochen ohnehin ausschieden, weil schlichtweg das notwendige Gerät fehlt.

Digital auch von Parkbank aus

Ähnlich sieht das der Leiter des Rosenheimer Ignaz-Günther-Gymnasiums (IGG), Dieter Friedel. „Wenn mehrere Kurse auf diese Idee kommen, stoßen wir schnell an unsere Grenzen“, sagt Friedel und bezieht sich damit zum einen auf die Platzkapazitäten des Gymnasiums unter freiem Himmel. Die rechtlich gebotenen Abstände müssten schließlich auch draußen gewahrt werden.

Die Lautstärke muss passen

Ebenso müsse die jeweilige Lehrkraft den Unterricht im Freien auch „stimmlich draufhaben.“ Sprich: Die Lautstärke muss passen, damit alle Schüler etwas mitbekommen. Schlussendlich fehlt es auch beim IGG am Gerät, um den Wunsch der Politiker umsetzen zu können. Tafeln gibt es nur in den Klassenräumen, mobile Lösungen für draußen nicht.

Anders gesagt: Der Vorschlag aus den Reihen der Landtagsfraktionen sei utopisch, da gehe gar nichts, findet Friedel. „Ich find’s ‘ne tolle Idee“, kommentiert der Leiter der Johann-Rieder-Realschule, Wolfgang Forstner, die Idee aus den Reihen der Landtagsfraktionen.

Wie sollen Leistungskontrollen stattfinden?

Doch auch er sieht das Hauptproblem in der Frage: Wie sollen die Schulen diese Geschichte umsetzen? Selbst wenn man in einer Rosenheimer Parkanlage Platz fände: In dieser seien noch andere Personen unterwegs. Kein gutes Umfeld, um ungestört Unterricht abhalten zu können. Zumal: Wie sollen dort Leistungskontrollen stattfinden?

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Technisch, findet Forstner, sei der Unterricht im Freien prinzipiell machbar. Woran es hakt: die flächendeckende Ausstattung von Lehrern und Schülern mit entsprechenden Endgeräten, vornehmlich Tablets. Schon die Schere unter seinen Kollegen gehe auseinander: vom Lehrer, der ausschließlich am stationären PC arbeite, bis zum Technikaffinen, der sich ganz selbstverständlich mit unterschiedlichen Digitallösungen für seinen Unterricht auseinandersetzt.

Stadt signalisiert Unterstützung

„Wenn ich als Lehrer meinen Unterricht komplett digital fahre, kann ich das auch von der Parkbank aus“, meint der Schulleiter. Doch auch bei den Schülern bestehe in Sachen Digitalausstattung ein Gefälle. Nicht jeder Haushalt könne sich die Geräte leisten.

Zumindest die Stadt Rosenheim signalisiert ihre Bereitschaft, die Schulen in dieser Sache zu unterstützen: „Wenn sich Rosenheimer Schulen entscheiden Unterricht ins Freie zu verlegen, will die Stadt ihrer Sachaufwandsträgerschaft weiterhin nachkommen - im Rahmen ihrer Möglichkeiten“, heißt es aus dem Rathaus.

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Wer im Bild noch fehlt, sind die hiesigen Grundschulen. Auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen sahen sich die Schulleiter dort entweder nicht in der Lage, sich zu diesem Thema zu äußern, oder hatten schlichtweg kein Interesse, sich zu Wort zu melden.

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