Wahl am 3. November

US-Präsidentschaftswahl: Trump oder Biden? Das sagen US-Amerikaner aus dem Raum Rosenheim

US-Wahl 2020: Am Dienstag, 3. November, entscheidet sich, ob Donald Trump (oben) bleibt oder Joe Biden der neue Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika wird.
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US-Wahl 2020: Am Dienstag, 3. November, entscheidet sich, ob Donald Trump (oben) bleibt oder Joe Biden der neue Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika wird.
  • vonKilian Schroeder
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Am Dienstag (3. November) findet in Amerika die Präsidentschaftswahl statt. Und auch die Region beschäftigt das Thema. Gespräche über Donald Trump, Joe Biden und warum sich etwas verändern muss.

Rosenheim/Kolbermoor – Es ist nicht die erste US-Wahl, die Tina Knight aus Deutschland beobachtet. Die Englischlehrerin kommt aus Portland in Oregon und lebt mit Unterbrechungen seit 20 Jahren in Deutschland – acht davon in Kolbermoor. Sie ist eine von drei US-Bürgern aus der Region, mit denen wir uns vor der Wahl getroffen haben. Gespräche über Donald Trump, Joe Biden und warum sie froh sind, nicht in ihrem Heimatland zu sein.

Eine Wahl, die anders ist

„Bayern ist für mich eine Wahlheimat“, sagt Knight. Sie sitzt mit ihrem Mann Maxx Currey in einem Café in Kolbermoor. Sie erzählen, dass sie oft mit ihren deutschen Freunden über US-Politik sprechen, die Menschen würden sich dafür sehr interessieren. Das Ehepaar versucht, auch hier in Deutschland politisch informiert zu bleiben. Obwohl sie schon viele Wahlen in den USA gesehen hat, ist Knight sich sicher, dass es dieses Mal anders ist: „Es ist die wichtigste Wahl in meinem Leben.“

Maxx Currey

Entscheidungen wie ein Dreijähriger

Das liegt vor allem an ihrer Meinung zum amtierenden Präsidenten – die nicht sehr hoch ist: „Trump fällt Entscheidungen wie ein Dreijähriger und hat ein Vokabular wie ein Zehnjähriger“, sagt sie. „Diese Regierung hat so viel Schaden angerichtet.“ Ihr Mann Maxx Currey setzt sogar noch eins drauf: „Für mich ist Donald Trump ein Faschist und ein Rassist. Er teilt die Welt auf in Gewinner und Verlierer.

Tina Knight

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Er ist das logische Ende von dem, was die Republikanische Partei seit Jahren macht.“ Currey meint damit die sogenannte „Tea-Party-Bewegung“, die in den vergangenen Jahren mehr Einfluss auf die Partei gewonnen hat.

Keine Lust mehr auf alte, weiße Männer?

Nicht ganz einig sind sich die beiden aber beim Kandidaten der Demokraten. Während Tina Knight glaubt, dass Joe Biden unter den jetzigen Umständen der richtige Kandidat ist, denkt Currey, dass der 77-jährige Politiker nicht die heutige Generation repräsentiert. „Die Menschen haben keine Lust mehr auf alte weiße Männer, die das Land regieren.“

Hogges lebt seit sieben Jahren in Rosenheim

Ähnlich geht es da Jguwon Hogges. Der Basketballspieler für die „Rosenheim Spartans“ kommt aus Sacramento in Kalifornien. Seit sieben Jahren lebt er in Rosenheim und arbeitet nebenbei als Physiotherapeut. Wenn man ihm zuhört, hört man heraus, dass er frustriert mit der Politik in seinem Heimatland ist. Zwar glaubt er, dass Joe Biden noch der beste Kandidat der Demokraten war, aber richtig glücklich ist er mit ihm nicht.

Keine Stimme für die Mittelklasse

Jguwon Hogges

„Sowohl Trump als auch Biden gehören zu den reichen Ein-Prozent. Die Mittelklasse hat in den USA keine Stimme“, sagt Hogges. Er erzählt, dass die Spaltung der amerikanischen Gesellschaft in den letzten Jahren zugenommen hat. „Wir müssen mehr miteinander reden und versuchen gemeinsam einen Kompromiss zu finden. All diese Probleme, Rassismus, soziale Ungleichheit – das hätten wir vor 50 Jahren schon angehen sollen.“

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Hogges ist Afroamerikaner, er macht sich auch Sorgen um seine Familie, die noch in den USA leben. „Wir versuchen einfach, gute Bürger zu sein, aber wir leben in einer weißen Welt. Wir müssen immer noch vorsichtig sein.“

Angst, vor der Zeit nach der Wahl

In Deutschland fühlt er sich sicherer. Auch Knight und Currey sind froh, nicht in den USA zu sein. Sie alle haben Angst vor der Wahl, besonders vor der Zeit danach. „Wenn Trump gewinnt, werden die Demokraten alles blockieren, wenn Biden gewinnt die Republikaner. Es ist alles so gespalten“, sagt Hogges. „Wenn es eine faire Wahl ist, wird Biden gewinnen“, denkt Knight. Aber ob er die Spaltung überwinden kann? „Trumps Basis ist so loyal zu ihm. Sie finden immer einen Weg, seine Handlungen zu entschuldigen“, sagt Currey.

Die Hoffnung, das sich einiges verändert

Heute Nacht (3. November) entscheidet sich, wer die nächsten vier Jahre in der USA regiert. Jguwon Hogges, Tina Knight und Maxx Currey hoffen, dass sich in diesen Jahren einiges ändert.

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Vor allem, dass die Menschen in den USA zusammenkommen. „Wir müssen uns wieder auf unsere Werte besinnen und zusammenarbeiten, um Amerika besser zu machen“, sagt Knight. Hogges stimmt ihr zu: „Ich hoffe, später meinen Kindern erzählen zu können, wie weit wir in den USA gekommen sind. Wir können von unserer Politik verlangen, besser zu sein. Wir haben die Macht dazu.“

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