Soziale Stadt Rosenheim in Förderprogramm Bildung, Wirtschaft und Arbeit im Quartier aufgenommen

Unterstützung für Kleinunternehmer

Rosenheim - Rosenheim hat es als eine von fünf Städten in Bayern geschafft, in das neue Förderprogramm "Bildung, Wirtschaft und Arbeit im Quartier (BIWAQ)" des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung aufgenommen zu werden.

BIWAQ ist ein Arbeitsmarktprogramm für die Stadtteile der Sozialen Stadt. Über Mittel aus dem Europäischen Sozialfonds wird ein Netzwerk von Kleinst- und Kleinunternehmen gefördert. Bei einem ersten Treffen stellten sich den Unternehmern die Vertreter von Behörden und Organisationen der Wirtschaftsförderung vor.

Vom Döner-Stand über das Friseurgeschäft bis zum orientalischen Partyservice, vom kleinen Handwerksbetrieb bis zum Ein-Mann-Freiberufler reicht das Spektrum von Kleinst- und Kleinunternehmen, die oft auch von Zuwanderern gegründet wurden. Sie tragen zur Vielfalt des wirtschaftlichen Lebens in Rosenheim bei. Vor und nach dem Start in die Selbstständigkeit sind jedoch viele organisatorische und rechtliche Hürden zu nehmen. Doch es gibt ein großes Angebot begleitender Hilfen, Förder- und Unterstützungsmöglichkeiten.

Diese standen im Mittelpunkt des Treffens, das die Projektleiterin des Rosenheimer BIWAQ-Projektes, Emine Candir, Mitarbeiterin bei der Sozialen Stadt, organisiert hatte. Die Veranstaltung im Bürgerhaus "Miteinander" begann mit einer Schweigeminute für die von Neonazi-Terroristen getöteten Bürger, die alle zugewanderte Kleinunternehmer waren. In Rosenheim und Umgebung sind Kleinunternehmen stark vertreten. 83 Prozent aller Betriebe beschäftigen weniger als zehn Mitarbeiter, berichtete Harald Neubauer, Leiter der Agentur für Arbeit. Auch sie werden den Nachwuchsmangel als Folge der demografischen Entwicklung zu spüren bekommen, bedauerte Neubauer. In Deutschland werde bis 2025 die Anzahl von Menschen im erwerbstätigen Alter um 6,5 Millionen zurückgegangen sein, kündigte er an. Wer Fachkräfte benötige, müsse jetzt ausbilden. Passende Lehrlinge zu finden, sei oft nicht einfach, denn es gebe Branchen, die sich schwer täten: Die Bereiche Ernährung, Gesundheit und Landwirtschaft hätten mehr freie Stellen als Bewerber. Gefragt seien dagegen Büroberufe, obwohl hier das Stellenangebot geringer sei als die Nachfrage, so Neubauer.

Ausbilden können auch kleine Betriebe, machten Petra Henke und Karin Botzenhart von der Industrie- und Handelskammer den Teilnehmern Mut. Der Ausbilderschein kann entweder in einem Wochenend-Kompaktkurs oder über einen Zeitraum von einigen Wochen erworben werden. Als Grundregel gelte: Kleinunternehmer, die doppelt so lange selbstständig sind wie die Ausbildung in ihrem Betrieb dauere, können sich um den Schein bewerben und nach Erhalt Lehrlinge einstellen.

Die IHK-Vertreterinnen stellten auch ihre Serviceleistungen für Existenzgründer vor. IHK-Mitglieder können diese Angebote sogar kostenlos in Anspruch nehmen, ermunterten die Referentinnen die Kleinunternehmer: "Melden Sie sich, wenn Sie Fragen zum Vertragsrecht, zu Steuerfragen, zu Außenwirtschaftsthemen oder zur Fort- und Weiterbildung haben."

Auch das städtische Amt für Wirtschaftsförderung unterstützt den Weg in die Selbstständigkeit, versprach Elke Riedner. Sie zeigte auf, wie die Stadt bei der Standortsuche für Büros und Lager sowie Gewerbegrundstücke hilft und welche Fördermittelprogramme zur Verfügung stehen. Mark Vingerhoets und Andreas Riedl von der Hypo-Vereinsbank sicherten Beratung rund um die Finanzierung zu: "Für uns als Bankhaus sind auch Kleinunternehmen interessant, schließlich können wir mit ihnen wachsen."

Erfolgreich als Unternehmer etabliert haben sich Sascha Skorupa, geschäftsführender Gesellschafter der Incca GmbH, und Sedat Karavil, der zwei Lebensmittelgeschäfte betreibt. Sie machten Existenzgründern Mut, ihren Traum von einem eigenen Betrieb zu verwirklichen. "Jeder kann etwas schaffen und bewegen - auch mit Hauptschulabschluss", zeigte sich Karavil überzeugt. Er engagiert sich ebenso wie Skorupa in der Bürgerstiftung Rosenheim, die jungen, sozial benachteiligten Bürgern die Chance auf Bildung als Schlüssel für ein erfolgreiches Berufsleben geben will. Spontan meldeten sich drei Kleinunternehmen für eine Mitgliedschaft in der Stiftung, die im Frühjahr an den Start geht. Im Juni wird ein erster Kleinst- und Kleinunternehmertag stattfinden. Mit dieser Veranstaltung will das BIWAQ-Projekt die Vernetzung weiter vertiefen.

re/Oberbayerisches Volksblatt

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