Der ungebetene Gast: So hat das Virus die Hochzeit eines Rosenheimer Paares zerstört

Trostpflaster:Die Hochzeitsfotografin hat Tessa und Christoph Runge ein Fotoshooting geschenkt, am Tag der ausgefallenen Hochzeit. Martina Seidl
  • Heidi Geyer
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Ein junges Rosenheimer Brautpaar hat sich eineinhalb Jahre auf den Hochzeitstag vorbereitet. Wegen Corona fiel nun alles ins Wasser.

Rosenheim – Der 9. Mai sollte der schönste Tag im Leben für die Rosenheimer Tessa (28) und Christoph (29) Runge werden. Seit eineinhalb Jahren planen sie ihre Hochzeit. Und dann machte Corona alles zunichte. Das Paar musste die Feier kurzfristig absagen.

„Für uns hat der Tag eine besondere Bedeutung, schließlich haben uns vor elf Jahren genau kennengelernt“, sagt Tessa Runge. Weit im Voraus hatte das Paar den Termin deshalb ausgesucht und mit der Planung begonnen. Bereits im vergangenen Jahr hatten die beiden in kleinem Kreis standesamtlich geheiratet, umso festlicher sollte nun die kirchliche Trauung sein.

120 Gäste und Spargel zum Menü

Das idyllische Söllhuben hatten sie sich für Kirche und Feier ausgesucht. Über 120 Gästen hatten Tessa und Christoph Runge eingeladen, Pfarrer Andreas Zach aus Rosenheim sollte das Paar trauen. Der Pfarrer hatte schon Tessa Runges Schwester getraut und sein Gottesdienst hatte den beiden sehr gut gefallen.

Die Deko sollten Pfingstrosen sein und Spargel sollte es zum Menü geben – beides passend zur Saison. Eine fünfköpfige Band war für den Abend gebucht. Kurzum: Alles war ausgesucht und geplant. Viel Aufwand für das Paar, verbunden mit einer riesigen Vorfreude auf den großen Tag. Dann kam Corona.

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Mitte März kam Christoph Runge eines Abends von der Arbeit heim und sagte zu seiner Frau: „Du, ich glaube mit der Hochzeit müssen wir uns ein bisschen umschauen.“ Tessa Runge wollte es in diesem Moment noch nicht so ganz wahrhaben, schließlich war zu Beginn des Pandemieausbruchs vieles unklar. „Anfangs habe ich gehofft, der Christoph würde ein bisschen übertreiben“, sagt Tessa Runge. Ihrem Mann bot sich aber in der Arbeit ein sehr eindeutiges Bild der Situation: Als strategischer Einkäufer im Krankenhaus erlebte er täglich, wie ernst die Lage war. Gut vier Wochen bangten die beiden, sprachen immer wieder mit Familie und Freunden und beobachteten den Verlauf. Doch es kristallisierte sich von Tag zu Tag stärker heraus, dass es mit der Hochzeit nicht funktionieren würde.

Absage vier Wochen vor dem Termin

Mitte April sagten sie die Hochzeit ab. Zu unsicher war für das Paar, ob man überhaupt mit Menschen aus ganz Deutschland zusammenkommen und ob die Gastronomie aufmachen dürfte. Schlussendlich waren die organisatorischen Fragen für das Paar aber nebensächlich. Ihr Hauptgrund für die Absage: „Wenn sich jemand auf unserer Hochzeit ansteckt und dann vielleicht sogar stirbt, das wäre das Schlimmste, was passieren könnte“, sagt Christoph Runge.

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„Letztendlich geht es ja nur um eine große Party.“ Viel Vernunft bei einer hochemotionalen Angelegenheit, wie es eine Hochzeit eben ist. Die Braut hatte mit dem Ausfall der Hochzeit zwar etwas mehr zu kämpfen als ihr Mann, steht aber hinter der Entscheidung: „Dann lieber in einer entspannten Atmosphäre.“ Die Beiden sind sich einig. Schließlich seien sie schon so lange zusammen, da würden sie das auch hinkriegen, sagen sie.

Gefeiert wird einfach im nächsten Jahr

Und aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Im nächsten Jahr will das Paar nachfeiern. Der Termin steht bereits, aber es ist nicht der Jahrestag ihrer Liebe. Dafür ist das Paar sehr froh, dass zu der Enttäuschung über die abgesagte Hochzeit nicht der Ärger über verlorenes Geld kommt. „Vom Wirtshaus bis zum Blumenladen sind uns alle entgegengekommen und haben Verständnis gehabt“, sagt Christoph Runge.

Keine Stornierungskosten für die Gäste

Das Paar und die Gäste, die bereits Unterkünfte gebucht hatten, bleiben auf keinerlei Stornokosten sitzen. Beide sind erleichtert, dass das Verschieben so gut geklappt hat. Im kommenden Jahr findet die Hochzeit wie ursprünglich geplant statt. Tessa Runge hofft, dass ihre 90 Jahre alte Großmutter aus dem Saarland dabei sein kann. Und dass das Wetter ebenso gut ist, wie es an diesem milden und sommerlichen 9. Mai 2020 war. Die „neue“ Hochzeit findet erst Ende Juni statt, daher werden die beiden anderen Blumenschmuck aussuchen und vermutlich ein anderes, zur Jahreszeit passendes Menü wählen. Die Trauringe sind noch ein offenes Thema. Schließlich ist das ursprüngliche Datum der kirchlichen Trauung in die Ringe eingraviert.

Hochzeitsreise fällt aus

Während das Paar eigentlich zur Hochzeitsreise auf die Malediven gereist wäre, erlebt es nun die Eisheiligen in Rosenheim. Für Tessa Runge war der 9. Mai kein leichter Tag. „Man denkt schon: Jetzt wäre die Kirche gewesen. Jetzt das Fotoshooting.“ Umso schöner, dass die Hochzeitsfotografin dem Paar als Trost ein Fotoshooting schenkte. So hatte das Paar immerhin eine kleine Freude an diesen Tag.

Das Brautkleid hängt bis zum nächsten Sommer bei Tessa Runges Eltern. Bleibt abzuwarten, ob das Brautkleid und der Hochzeitsanzug bis dahin noch passen: „Also wir hatten eigentlich einen Deal, dass wir bis zur Hochzeit zweimal in der Woche Sport machen. Das hat halt jetzt wegen Corona nicht so ganz geklappt“, sagt der Bräutigam. Aber das Paar ist guter Hoffnung, dass beim neuen Termin nichts kneifen wird.

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