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Erstes Treffen

Unerfüllter Kinderwunsch: Selbsthilfegruppe „Herzenswunsch Kind“ für Betroffene in Rosenheim

Wenn der Kinderwunsch unerfüllt bleibt: Eine Selbsthilfegruppe in Rosenheim soll Frauen helfen, die nicht schwanger werden können oder eine Fehlgeburt erlitten haben.
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Wenn der Kinderwunsch unerfüllt bleibt: Eine Selbsthilfegruppe in Rosenheim soll Frauen helfen, die nicht schwanger werden können oder eine Fehlgeburt erlitten haben.
  • Anna Heise
    VonAnna Heise
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Wenn der Kinderwunsch unerfüllt bleibt oder – noch schlimmer – mit einer Fehlgeburt tragisch endet, bleiben Narben zurück. In Rosenheim soll für diese Fälle eine Selbsthilfegruppe helfen, das Leiden zu lindern.

Rosenheim – Fehlgeburten treffen viele Frauen – trotzdem wird kaum darüber gesprochen. Mariangela Carta (40) hat sich zur Aufgabe gemacht, das Schweigen zu brechen und deshalb die Selbsthilfegruppe „Herzenswunsch Kind“ gegründet. Ein erstes Treffen findet am 4. September in Rosenheim statt.

Die künstliche Befruchtung klappt

Mariangela Carta.

Eigentlich ist Mariangela Carta immer davon ausgegangen, dass sie irgendwann einmal Mutter sein würde. Mit 30 heiratet sie, baut mit ihrem heutigen Ex-Mann ein Haus in Österreich und versucht, schwanger zu werden. Ohne Erfolg. Sie spricht von Selbstzweifeln, der Selbstliebe zum Körper, die immer weniger wird.

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„Irgendwann beginnt man, den Fehler bei sich selbst zu suchen“, sagt sie. Nach zahlreichen Untersuchungen rät ihr ein Arzt schließlich zu einer künstlichen Befruchtung. Bereits nach der ersten Behandlung wird Mariangela Carta schwanger. Mit Zwillingen. Endlich scheint das Glück des Paares perfekt.

Not-OP und zwei Reanimationen

Doch als sich die heute 40-Jährige in der elften Schwangerschaftswoche vor Schmerzen plötzlich nicht mehr bewegen kann, weiß sie, dass etwas nicht stimmt. „Wir sind dann sofort ins Krankenhaus gefahren“, erinnert sie sich. Dort stellen die Ärzte eine Eileiterruptur fest. Der Bauchraum ist voll mit Blut. Es folgen eine Not-OP und zwei Reanimationen.

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Als sie wieder zu sich kommt, erfährt sie, dass ihre beiden Embryos den Eingriff nicht überlebt haben. „Für mich war das Thema Kinderwunsch damit erst einmal erledigt“, sagt Carta. Zu groß sei die Angst vor einer erneuten Fehlgeburt gewesen. Weil ihr Mann sich auch weiterhin Kinder wünscht und eine Adoption für ihn nicht in Frage kommt, leidet die Ehe der beiden, bis sie schließlich zerbricht.

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Plötzlich ist Mariangela Carta alleine und muss die Scherben ihres Lebens irgendwie wieder zusammensetzen. „In dieser Zeit hätte ich mir gewünscht, dass es eine Selbsthilfegruppe gibt. Ich wollte einfach mit jemandem reden, aber es war niemand da“, sagt sie.

Beginn eines neuen Lebens

Nach und nach geht es ihr besser, sie beginnt ein neues Leben, macht eine Ausbildung zur Heilpraktikerin für Psychotherapie und hat – gemeinsam mit dem Dachverband Selbsthilfe Tirol – im Jahr 2019 die Selbsthilfegruppe „Herzenswunsch Kind“ in Kufstein gegründet. „Es war mir wichtig, einen Ort zu schaffen, an dem ungewollt Kinderlose sich treffen und austauschen können“, sagt Carta.

Überall Babybäuche

Sie will mit den Frauen und ihren Partnern darüber sprechen, was sie beispielsweise nach einer Fehlgeburt erwartet, wie sich das Umfeld verändert und wie es sich anfühlt, wenn man auch Jahre später noch an den Todestag seiner Babys denkt. Aber eben auch, wie man damit umgeht, wenn man plötzlich überall Babybäuche sieht und neidisch auf die Frauen ist, bei denen es mit der Schwangerschaft so leicht scheint.

Dankbar, jemanden zum Reden zu haben

Fragen und Gefühlen, mit denen sie sich in der dunkelsten Zeit ihres Lebens selbst auseinandersetzen musste, weil es keine andere Möglichkeit gegeben hat. „Viele Teilnehmer sagen mir, wie dankbar sie sind, dass sie jemanden zum Reden haben“, sagt sie.

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Weil sie sich beruflich weiterentwickeln will, zieht sie Anfang des Jahres nach Rosenheim und beginnt dort als Heilpraktikerin für Psychotherapie zu arbeiten.

Trauern um Sternenkinder

„Meine Aufgabe ist die Unterstützung, Begleitung und Beratung bei emotionalen Herausforderungen und herben Lebenskrisen“, sagt sie. Ab September will sie die Selbsthilfegruppe auch nach Rosenheim holen. Unterstützung hierfür bekommt sie von der Rosenheimer Selbsthilfekontaktstelle.

Ob und wie das Angebot in der Stadt angenommen wird, bleibt abzuwarten, aber schon jetzt hat Mariangela Carta große Pläne. Sie will einen Bestatter einladen, vielleicht eine Sexualtherapeutin.

Ort zum Gedenken an Sternenkinder

Zudem will sie einen Ort schaffen, an dem Mütter und Väter von Sternenkindern, trauern können. Mütter wie sie selbst. „Abgehakt wird das Thema Kinderwunsch für mich nie sein. Aber es ist nicht mehr so, dass ich unbedingt schwanger werden muss. Auch weil das Leben so viel anderes bereithält“, sagt sie. Eins jedenfalls weiß Carta ganz sicher: Sie wäre eine gute Mutter geworden.

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