Statement des Innenministeriums, der Dehoga und Leserdiskussion

Heftige Kritik nach umstrittener Dienstbesprechung in Rosenheim - OB März: „Es tut mir leid“

Das Kultur- und Kongresszentrum in Rosenheim.
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Das Kultur- und Kongresszentrum in Rosenheim. Hier soll die unstrittene Dienstbesprechung stattgefunden haben.
  • Jennifer Bretz
    vonJennifer Bretz
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  • Michael Weiser
    Michael Weiser
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Ein Treffen mitten im Corona-Lockdown in Rosenheim sorgt für Aufsehen. Nach einer Pressekonferenz wurde mehreren Teilnehmern - darunter Innenminister Herrmann und Rosenheims Oberbürgermeister Andreas März - ein Mehrgänge-Menü serviert. Das Bayerische Innenministerium und die Rosenheimer Dehoga äußern sich zu der Sache. Die Lesermeinungen sind eindeutig.

Rosenheim - Ein Bericht der Bild-Zeitung über ein Treffen nach einer Polizei-Veranstaltung in Rosenheim sorgt derzeit für Aufsehen. Die Hintergründe: Die Vizepräsidentin des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, Eva Schichl, wurde am Donnerstag im Kultur- und Kongresszentrum (Ku‘Ko) in Rosenheim verabschiedet. Im Rahmen einer Pressekonferenz wurde auch Schichls Nachfolger Frank Hellwig von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (64, CSU) vorgestellt. Wie die Bild ausführt, hätten Journalisten anschließend den Raum durch einen Notausgang verlassen müssen. Dann sei von einer Catering-Firma Essen serviert worden. Dabei habe es sich um ein Drei-Gänge-Menü gehandelt.

Das sagt das Innenministeriumm

Auf Anfrage unserer Redaktion beim Polizeipräsidium Oberbayern Süd zu dem Vorfall verwies man uns auf die Antwort des Bayerischen Innenministeriums. Pressesprecher Michael Siefener hierzu: „Nach der Pressekonferenz am 14. Januar 2021 fand unter strikter Beachtung der Abstands- und Hygieneregeln eine Dienstbesprechung unseres Hauses mit der Behördenleitung des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd und dem Rosenheimer Oberbürgermeister als Leiter der örtlichen Sicherheitsbehörde statt. Es handelte sich um insgesamt zehn Teilnehmer, die an zehn einzelnen Tischen mit mehr als zwei Meter Abstand platziert waren. Aufgrund der Mittagszeit wurde den Besprechungsteilnehmern eine Verpflegung angeboten und jeweils einzeln am Platz gereicht (Suppe und Hauptspeise mit Dessert). Eine Dienstbesprechung in dieser Form ist nach der aktuellen Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung zulässig. Gleichwohl sollen dienstliche Veranstaltungen im Bereich des Innenministeriums bis auf Weiteres noch häufiger per Videoschalte oder Online stattfinden.“

„Ich merke, dass das den Leuten sauer aufstößt“

Theresa Albrecht, Vorsitzende der Kreisstelle Rosenheim des DEHOGA Bayern.

Theresa Albrecht, Kreisvorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga Rosenheim bekundet Verständnis für die Runde und kritisiert die Pauschalschließung der Gastronomie: „Eine Vizepolizeichefin gehört natürlich ordentlich verabschiedet. Man hätte aber wissen können, dass das nicht gut ankommt. In meinen Whatsapp-Gruppen merke ich, dass das den Leuten sauer aufstößt. Ich bin sicher, dass da vom Hygienischen her alles tiptop gelaufen ist. Wir Wirte wissen, wie das geht, wir hätten das auch machen können. Und der Caterer wird das sicher ordentlich gemacht haben. Das ist es ohnehin, was ich sage: Nur 0,5 Prozent der Infektionen ereignen sich laut RKI in Gaststätten. Aber die schließt man und vertreibt die Leute ins Private. Das ist unglücklich gelaufen. Dass da viele Kollegen sauer sind, das ist klar.“

Und Dehoga-Landesgeschäftsführer Thomas Geppert meint: „Fehler können passieren, klar, dagegen sind wir alle nicht gewappnet. Dennoch ist es mehr als unglücklich und in einer Pandemie, in der das Vertrauen in die politischen Akteure so wichtig ist, nicht nachvollziehbar.“ Der eine oder andere Kollege sei laut Geppert mehr als verwundert, manche seien wütend, aber die Verzweiflung an sich sei gerade groß. „Das liegt daran, dass man sich eine echte Perspektive wünscht. Hilfsmaßnahmen sind das eine, es ist ja beachtlich, was auf die Beine gestellt wird. Das andere ist, dass man Anlass zu mehr Zuversicht hat. Wir müssen nach vorne schauen.“

Oberbürgermeister Andreas März äußert sich auf Facebook

Lesermeinungen zu der Angelegenheit

User ‚einfachprobieren‘ fragt sich: „Hätte man diese einstündige Besprechung nicht digital durchführen können? Musste die Verabschiedung der Polizistin wirklich jetzt stattfinden und hätte man nicht noch bis in das Frühjahr warten können? Ich kann da die Gastronomie verstehen. Seit Monaten keine bis wenige Einnahmen, aber unsere „Vorbilder“ lassen sich schön bewirten? Passt einfach nicht zusammen. So verspielt man Vertrauen und spaltet weiter...

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