Rosenheimer Taekwondo-Schüler zerschlagen wegen Corona keine Bretter, sondern Kissen

Das Ziel der Begierde im Blick: Kampfschulinhaber Stefan Roitner hatte die neuen Gürtel für die Schüler vor den Prüfungen ordentlich aufgereiht.
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Das Ziel der Begierde im Blick: Kampfschulinhaber Stefan Roitner hatte die neuen Gürtel für die Schüler vor den Prüfungen ordentlich aufgereiht.
  • vonKilian Schroeder
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Hochkonzentriert haben jetzt Taekwondo-Schüler aus Rosenheim ihre Prüfung abgelegt. Immer im Fokus: der Gürtel, der die nächste Klassifizierung zeigt. Umlegen konnten sie ihn jedoch nicht gleich – denn aufgrund der Corona-Pandemie fanden die Prüfungen per Videokonferenz statt.

Rosenheim – Normalerweise müssten die Schüler auch einen Bruchtest absolvieren. In der Taekwondo-Gürtelprüfung der Kwon-Ro-Schule in Rosenheim hätten die Kinder unter anderem ein Brett zerbrechen müssen. Da diese aber jetzt online per Video-Konferenz stattfand und die meisten Prüflinge kein passendes Brett zuhause hatten, durften sie für diesen Prüfungsteil einfach gegen ein Kissen schlugen.

Anderes Material, selbe Technik

Einen großen Unterschied mache das nicht, da in erster Linie die Technik bewertet würde, sagt Stefan Roitner (52), Leiter der Kampfsportschule. Er ist mit dem Ablauf der Online-Prüfung nach eigenen Angaben „hochzufrieden“. „Die Kinder hatten bis kurz vor den Shutdown noch trainiert, theoretisch wäre eine Woche später die Prüfung gewesen“, sagt der Leiter der 52-Jährige. „Da wollten wir jetzt trotzdem die Gürtelprüfung durchführen.“

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Rund 50 Taekwondo-Prüfungen in Rosenheim

Nach einigen weiteren Online-Trainingseinheiten nahm Roitner dann innerhalb von vier Tagen knapp 50 Kindern die Prüfung vom zweiten Weißgurt bis zum Grüngurt ab – also bei den Anfängern wie auch bei Fortgeschrittenen. Die Schüler im Alter von sieben bis neun Jahren führten zu Hause vor dem Bildschirm die Aufgaben aus und Roitner bewertete diese an seinem Laptop.

Im Mittelpunkt der Prüfungen stand der „Hyong“, eine Kombination aus Angriff- und Verteidigungstechniken. „Bis auf den Bruchtest lief die Prüfung eins zu eins wie unter normalen Umständen ab“, sagt Roitner. „Dazu mussten die Kinder noch eine Selbstverteidigungstechnik vorführen.“

Training für alle Altersklassen

Die KwonRo-Schule bietet Training für alle Altersklassen. Die Kleinsten, die „Panda-Kids“, können ab vier Jahren beginnen. Den Kindern sollen neben Kampftechniken auch Werte wie Selbstbewusstsein, Respekt und Teamgeist vermittelt werden. Dazu werden immer verschiedene Wochenthemen wie zum Beispiel Gleichgewicht oder Motivation vorgegeben, die sowohl theoretisch als auch mit praktischen Übungen behandelt werden. Der Fokus liege laut Roiter nicht auf dem Wettkampf, sondern auf der Persönlichkeitsentwicklung. Aber auch Kurse für Erwachsene, insbesondere zur Selbstverteidigung, stehen auf dem Programm. Dabei soll es nicht nur um die Verteidigungstechniken, sondern auch Deeskalation und selbstbewusstes Auftreten gehen.

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Taekwondo-Trainer zufrieden mit den Schülern

Die „Tiger-Kids“, so der Name der Altersklasse, waren auf ihre Gürtelprüfung trotz der ungewöhnlichen Situation offenbar gut vorbereitet. „Ich war ein bisschen aufgeregt, aber die Prüfung war dann leicht“, erzählt Samuel Zajac (7). Roitner war ebenfalls mit den Prüflingen zufrieden: „Das Niveau war sehr gut, teilweise sogar besser als sonst. Ich musste nur vereinzelt korrigieren oder die Technik wiederholen lassen.“

Normalerweise gemeinsames Training mit 25 Kindern

Normalerweise trainieren an die 25 Kinder zusammen mit zwei speziellen Kindertrainern und einem Betreuer. Seit dem Lockdown bereiteten sich die Kinder entweder zu Hause mit ihren Eltern, oder in einigen Videokonferenzen mit den Trainern vor. „Das Online-Training zu und auch die Prüfung online zu machen war eine ganz neue Erfahrung. Es war lustig, über das Laptop meine Freunde aus der Tiger-Kids Gruppe zu sehen“, sagt Katharina Grun (7). Dazu waren die Kinder aber nicht immer alleine: „Mein Bruder und meine Mama haben auch mitgemacht“, erzählt Emily Tomczyk (7).

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Was den jungen Rosenheimern gefehlt hat

Die Besprechungen der Wochenthemen im Sitzkreis konnten in dieser Situation zwar nicht stattfinden. Für die Kinder sei aber besonders wichtig und emotional gewesen, ihre Freunde wieder zu sehen und gemeinsam zu trainieren. „Die Kinder waren aber diese vier bis sechs Wochen nochmal besonders motiviert, an sich zu arbeiten, und dann waren auch entsprechend stolz“, sagt der Schulleiter.

Urkunde in die Kamera gehalten

Und auch wenn man keine Gürtelverleihung stattfinden lassen konnte, wie es sie unter normalen Umständen gegeben hätte, sollte auf eine Online-Verleihung nicht verzichtet werden. Statt die Gürtel in der neuen Farbe also persönlich an die Prüflinge zu überreichen, rief Roitner die Teilnehmer in einer großen Videokonferenz einzeln auf, die dann aufstanden und sich von den andern Kindern am Bildschirm beglückwünschen ließen. Roitner hielt dabei die Urkunde und den neuen Gürtel in die Kamera. Diese konnten die Eltern dann in der Schule abholen.

Training kann unter Auflagen wieder stattfinden

Seit Montag hat die KwonRo-Schule wieder geöffnet. Unter besonderen Hygieneauflagen dürfen zehn bis zwölf Kinder gemeinsam trainieren. Die Schüler müssen einzeln kommen, ihre Hände desinfizieren und werden dann zu einem bestimmten Platz begleitet.

„Ich freue mich schon auf das nächste Mal“, erzählt Alma Greive (6). „Wir machen jetzt nämlich mehr Spiele.“ Insgesamt ist es für die Schüler nach eigenen Angaben wichtig, dass wieder „normal“ trainiert werden kann – die nächste Gürtelprüfung kommt schließlich bestimmt.

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