AUS DEM GERICHTSSAAL

Überraschungseier zweckentfremdet

Rosenheim – Vor dem Rosenheimer Schöffengericht versuchte sich der gebürtige Rosenheimer herauszureden. Gemeinsam mit anderen Leuten habe er bei sich zu Hause im nordwestlichen Landkreis „gehascht“ und „geschnupft“, das ja, aber nichts sonst.

In Bausch und Bogen gab der 28-jährige Angeklagte zu, erneut drogenabhängig gewesen zu sein, Marihuana und Amphetamine konsumiert zu haben. Weit von sich wies er aber, dass er Drogen verkauft hätte.

Im Gegensatz zum strafbaren Vergehen des Drogenkonsums stellt der Handel mit Drogen ein Verbrechen dar, das nicht unter einem Jahr Gefängnis bestraft wird.

Kreativ war der Angeklagte, wie die Verhandlung zeigte, beim Verstecken der Drogen gewesen. Aber das hatte nichts genützt. Die Amphetamine, die er in handelsüblichen „Überraschungseiern“ versteckt hatte, entgingen den Beamten bei der Hausdurchsuchung ebenso wenig wie Notizen, auf denen seine Drogengeschäfte – zwar verklausuliert aber dennoch erkennbar – festgehalten waren.

Eisern bestritt der Angeklagte diese deutlichen Indizien, bis dann die Meldungen auf seinem Smartphone hinterfragt wurden. Da wurde unwiderlegbar aufgezeigt, dass die angeblichen „Reifenverkäufe“ nichts anderes als Preisdiskussionen über Drogen und Mahnungen bei säumigen Zahlern waren, wobei es unwiderlegbar um Drogengeschäfte ging.

Für den Angeklagten ein Glück war letztlich, dass ein angebahntes Geschäft über ein Kilogramm Haschisch nicht zustande gekommen war. Ansonsten hätte man sich um ganz andere Strafdimensionen unterhalten müssen.

Der Vorsitzende Richter Christian Merkel räumte dem 28-Jährigen nochmals eine letztmalige Bedenkzeit ein. Diese nutzte der Angeklagte zur Beratung mit seinem Verteidiger, Rechtsanwalt Alexander Kohut, mit dem Ergebnis, dass er schließlich ein umfassendes Geständnis ablegte. Angesichts der Beweislage und den Zeugenaussagen blieb ihm auch nicht viel anderes übrig, wollte er nicht schnurstracks ins Gefängnis wandern.

Geständig und nicht einschlägig vorbestraft

Weil er wegen Drogenvergehen bislang nicht vorbestraft und schließlich doch geständig war, konnte die Staatsanwältin ihm zu der Gefängnisstrafe, die sie mit 21 Monaten beantragte, eine Bewährungszeit zubilligen.

Sein Verteidiger sah das ähnlich, meinte aber, dass es mit einer Strafe von 18 Monaten sein Bewenden haben könne.

Das Gericht hielt 20 Monate Haft für tat- und schuldangemessen und setzte die Strafe zur Bewährung aus. Es habe sich um eine klassische Beschaffungskriminalität gehandelt, erklärte der Vorsitzende in der Urteilsbegündung, die dann abgewendet werden könne, wenn der Verurteilte zukünftig drogenfrei leben würde.

Zu diesem Zweck verordnete Merkel ihm einen Bewährungshelfer, sprach ein Drogenverbot aus, das mit Überprüfungen kontrolliert werde und erlegte dem Rosenheimer eine Therapiemaßnahme auf. au

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