Die Arbeit von Architekt Sven Grossmann

Überraschende Funde bei den Renovierungsarbeiten der Heilig-Geist-Kirche in Rosenheim

Pfarrer Andreas Maria Zach deutet auf die Rußspuren am Mauerwerk der Turmstube, die er entdeckt hat, und die wohl vom Marktbrand 1641 zeugen.
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Pfarrer Andreas Maria Zach deutet auf die Rußspuren am Mauerwerk der Turmstube, die er entdeckt hat, und die wohl vom Marktbrand 1641 zeugen.

Wer historische Gebäude renoviert, weiß, dass da so manche Überraschung zu Tage treten kann. Nicht anders ergeht es dem Team um Architekt Sven Grossmann während der derzeit laufenden Renovierung der Rosenheimer Heilig-Geist-Kirche. Ein Einblick.

von Dr. Evelyn Frick

Rosenheim – Aus der Sakristei mussten der Schrank, dessen Schubladen nicht mehr zu öffnen waren, und der völlig durchgefaulte Holzboden entfernt werden. Was sich dann zeigte, war mehr als eine Überraschung. Das Ziegelpflaster unter dem Holzboden stammt noch aus der Gotik, und damit aus der Entstehungszeit der Kirche, die der wohlhabende Rosenheimer Bürger Hans Stier 1449 stiftete.

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Die handgeschlagenen Ziegel sind im Fischgrätmuster verlegt und füllen den gesamten Bodenbereich aus. „Dieser Boden atmet noch den spätmittelalterlichen Geist des Raumes, der in Kombination mit seinem Gewölbe ein wirkliches Schatzkästlein ist.“ Pfarrer Andreas Maria Zach ist ganz begeistert. Verständlich, dass der Ziegelboden nicht wieder überdeckt werden soll.

Pfarrer Andreas Maria Zach und Dr. Evelyn Frick bewundern die Sakramentsnische.

Überraschung hinter einer zugemauerten Nische

Eine weitere Überraschung zeigte sich, als eine zugemauerte Nische in der Wand geöffnet wurde. Kaum waren die Ziegelsteine entfernt, öffnete sich eine kleine Sakramentsnische, die durch ihr zartes gotisches Miniatur-Rippengewölbe einen besonderen Wert erhält.

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Einst war vor der Öffnung ein Gitter angebracht, dessen Ansatzstellen noch gut zu sehen sind. „Eine Monstranz konnte hier gut gesichert präsentiert werden“, ist sich Pfarrer Zach sicher. Die gotisch geprägte Sakristei der Heilig-Geist-Kirche gehört zu den ältesten, noch erhaltenen Räumen Rosenheims. Wirklich ein Schatzkästlein.

Wandmalereien eingehend studieren

Momentan ist das gesamte Kircheninnere eingerüstet und über dieses Gerüst gelangt man auch nah an die Malereien in der Wolfgangskapelle, der einstigen Privatkapelle der Stifterfamilie Stier. Nun kann man die Wandmalerei in ihrer Zartheit würdigen und eingehend studieren. Jetzt zeigen sich auch die reichhaltigen Vorzeichnungen in Rötel.

Dunkle Rußspuren vom Stadtbrand?

Hans Stier ließ sich als frommer Stifter auf dem Lucca-Bild verewigen.

Ganz oben in der Glockenstube des Turmes hat Pfarrer Zach noch eine weitere Entdeckung gemacht. Dunkle Rußspuren auf dem Mauerwerk zeugen wohl von dem verheerenden Stadtbrand 1641, der zahlreiche Häuser des Marktes zerstörte und auch der Heilig-Geist-Kirche schwere Schäden zufügte. „Hier verdichtet sich Rosenheimer Geschichte, wie es sonst in der Stadt kaum zu finden ist.“, erläutert Pfarrer Andreas Maria Zach.

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„Bei einem Blick auf einen alten Stadtplan stellte ich fest, dass die Heilig-Geist-Kirche genau die Mitte des alten Marktes bildet. Genau hier kam alles zusammen, Bürgerstolz und Glaube. Hier hat sich Hans Stier auf seinem Grund, neben seinem Wohn- und Geschäftshaus, dem heutigen Stockhammeranwesen, seine Kirche erbaut. Für das Seelenheil seiner Familie und zur Ehre Gottes.“

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