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Schuldneratlas 2022 veröffentlicht

Inflation und Energiekrise: So steht es um die Verschuldung in Rosenheim und Mühldorf

Überschuldungsquote so gut wie nie. Doch Experten wie Philipp Ganzmüller, geschäftsführender Gesellschafter von Creditreform Rosenheim, mahnen zur Vorsicht.
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Zur Überschuldungsquote in der Region äußert sich Philipp Ganzmüller, geschäftsführender Gesellschafter von Creditreform Rosenheim.
  • Korbinian Sautter
    VonKorbinian Sautter
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Die Energiepreise explodieren, die Inflation ist hoch wie lange nicht. Wie sich das auf die Zahl an Überschuldeten in der Region Rosenheim auswirkt, zeigt die aktuelle Studie von Creditreform. Dabei mahnen die Experten zur Vorsicht.


Rosenheim/Traunstein/Mühldorf - Die Zahlen des Schuldneratlas 2022 sind selbst für  Philipp Ganzmüller, geschäftsführender Gesellschafter von Creditreform Rosenheim, überraschend: „Dass die Überschuldungsquote wie bereits im vergangenen Jahr noch einmal so stark sinken wird, hätte ich nicht erwartet”, bilanziert er. Denn im Gegensatz zu den aktuellen Horrornachrichten über sprunghaft ansteigende Energiepreise, einer stockenden Wirtschaft und einer hohen Inflation ist die Anzahl der überschuldeten Einwohner in der gesamten Region auf einem Rekordtief.

Überschuldungsquote in Rosenheim so gering wie nie

Zum Stichtag am 1. Oktober 2022 waren laut dem Schuldneratlas lediglich 5,36 Prozent im Rosenheimer Landkreis überschuldet. Die Zahl derjenigen, die mehr Lebenskosten als Einnahmen haben, ist damit zum Vorjahr um 0,39 Prozentpunkte gesunken. 

Die Zahlen aus dem Schuldneratlas 2022 der Wirtschaftsauskunftei Creditreform belegen: Trotz Inflation und Energiekrise ist die Überschuldungsquote deutlich gesunken.

Derselbe Trend lässt sich laut den Statistiken auch auf die Stadt Rosenheim sowie die Landkreise Mühldorf und Traunstein übertragen. In Mühldorf gingen die Werte von 7,15 Prozent auf 6,69 Prozent zurück. In Traunstein ist die Überschuldungsquote im Jahr 2022 (4,77 Prozent) im Vergleich zum Vorjahr (5,07 Prozent) um 0,3 Prozentpunkte zurückgegangen. In allen drei Landkreisen sanken die Arbeitslosen auf den tiefsten Wert seit dem Beginn der Datenerfassung im Jahr 2004. Somit waren in der gesamten Region rund 50.000 Menschen weniger überschuldet als im Vorjahr. 

Den Grund für diese überraschende Entwicklung macht Ganzmüller an den Nachwirkungen der Corona-Pandemie fest. „Es gab in den vergangenen beiden Jahren kaum eine Möglichkeit, Geld für Veranstaltungen oder einen großen Urlaub auszugeben”, meint der Experte. Aufgrund der ganzen Beschränkungen seien außerdem viele Menschen vorsichtig geworden und hätten Ersparnisse für den Notfall zurückgehalten. 

Historisch wenig Überschuldete

Das Ergebnis: Es gibt in der Region historisch wenig Überschuldete. Im Vergleich zu der Quote in ganz Deutschland (8,48 Prozent) liegen alle drei Landkreise (Rosenheim, Traunstein, Mühldorf) deutlich darunter. „Insgesamt schneidet Bayern aufgrund der niedrigen Anzahl an Arbeitslosen wie auch in den Vorjahren als Bundesland mit der niedrigsten Überschuldungsquote ab”, analysiert der Geschäftsführer der Wirtschaftsauskunftei. 

Bei einem Blick auf die Altersstruktur bemerkt Ganzmüller, dass die meisten Bürger in der „Rush-Hour” ihres Lebens zwischen 30 und 39 Jahren die meisten Schulden verzeichnen. In dieser Zeit werden demnach häufig Kredite aufgenommen, Familien gegründet oder der Beruf gewechselt.

Die Schuldnerquote ist gerade in dieser Lebensphase in der Region Rosenheim mit 7,53 Prozent deutlich höher als zum Beispiel im Alter von über 60 Jahren (5,01 Prozent). „Die Tendenz zur Altersarmut zeigt sich in der Region noch nicht so stark wie in den deutschen Großstädten. Das ist ein gutes Zeichen“, sagt Ganzmüller.

Die Statistik von Creditreform ist jedoch für den Geschäftsführer kein Grund, die aktuelle wirtschaftliche Lage herunterzuspielen. „Wir erwarten im April 2023 einen Nachzahlungsschock bei den Energie-und Heizkosten.“ Die Inflation und die weiter steigenden Lebenskosten drohen ebenfalls spätestens im kommenden Jahr zuzuschlagen. Die Reserven aus der vorsichtigen Haltung während der Corona-Pandemie werden laut Ganzmüller vermutlich nicht ausreichen, um die kommende Belastung auszugleichen. 

Studie beweist: Corona-Rücklagen aufgebraucht

Diese These bestätigt auch eine Studie des Ifo-Instituts im Auftrag des Bundesinnenministeriums. Demnach sind die Sparpolster aus den Corona-Jahren bereits seit Mitte des Jahres aufgebraucht. Vieles spreche daher dafür, dass der erhoffte Konjunkturmotor nach der Pandemie in Deutschland ausfällt. Der befürchtete Nachzahlungsschock kann demnach nur schwer abgefangen werden.

Statistik hinkt hinterher

Für die „düsteren Moll-Töne“ im Jahr 2023 spricht laut Ganzmüller auch die Erhebungsweise der Studie. Demnach kann Creditreform die Überschuldung erst erfassen, wenn sogenannte Negativmerkmale gemeldet wurden. Das ist dann der Fall, wenn ein juristisches Verfahren oder oder eine nachhaltige Zahlungsstörung, also mehrere vergebliche Mahnungen von Gläubigern, vorliegen. Die Statistik hängt demnach immer ein bisschen hinter den aktuellen Entwicklungen hinterher. 

Trübe Aussichten

Aus diesem Grund empfiehlt der Experte, sich einen guten Plan für das kommende Jahr zurechtzulegen. „Jeder sollte sich seine Einnahmen und Ausgaben gut anschauen“, betont Ganzmüller.  Wer merkt, dass die Finanzen für das Jahr 2023 auf Kante genäht sind, sollte sich frühzeitig Hilfe holen und sich beraten lassen. Denn eine so positive Bilanz sei für den kommenden Schuldneratlas in der gesamten Region nicht mehr zu erwarten. 

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