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Diskussion im Rosenheimer Stadtrat

Tritt Rosenheim dem MVV bei? Das spricht dafür, das spricht dagegen

Werden in Rosenheim bald MVV-Tickets verkauft? Die Rosenheimer Stadträte haben sich am Mittwoch über einen möglichen Beitritt ausgetauscht.
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Werden in Rosenheim bald MVV-Tickets verkauft? Die Rosenheimer Stadträte haben sich am Mittwoch über einen möglichen Beitritt ausgetauscht.
  • Anna Heise
    VonAnna Heise
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Ein Netz, ein Fahrplan, ein Ticket: Ein Beitritt der Stadt Rosenheim zum Münchener Verkehrsbund MVV würde einige Vorteile mit sich bringen. Vorbehalte gibt es trotzdem. Das wurde bei einer zweistündigen Sondersitzung des Stadtrates deutlich in der über die Vor- und Nachteile diskutiert wurden.

Rosenheim – Dr. Bernd Rosenbusch ist niemand, der sich leicht aus der Ruhe bringen lässt. Seit mehr als 20 Jahren hat der Geschäftsführer des MVV mit dem Thema Bahn zu tun. Erst bei der Deutschen Bahn, später als Chef der Bayerischen Oberlandbahn und seit fünfeinhalb Jahren beim Münchener Verkehrs- und Tarifverbund. Und genau dieser Verbund soll jetzt weiter wachsen.

„Verkehrliche Sinnhaftigkeit ist da“

So untersucht der MVV seit 2020 einen möglichen Beitritt von acht Landkreisen und zwei kreisfreien Städten – darunter auch die Region Rosenheim. Bereits im vergangenen Jahr hatte Rosenbusch die Ergebnisse einer ersten Studie in einer gemeinsamen Sitzung des Kreisausschusses sowie des Ausschusses für Umweltangelegenheiten, Landwirtschaft, räumliche Entwicklung, Natur- und Klimaschutz sowie Mobilität vorgestellt. Während der Sitzung zeigte er, wie berichtet, auf, dass es starke Pendlerbeziehungen in Richtung München, aber auch in die Landkreise Traunstein, Miesbach, Ebersberg und Mühldorf gebe.

8500 Menschen fahren von der Stadt in Landkreis

So würden mehr als 14 000 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte täglich zwischen Stadt und Landkreis sowie der Landeshauptstadt München pendeln. Eine starke Pendlerverflechtung gebe es zudem zwischen der Stadt und dem Landkreis Rosenheim. Etwa 17 300 fahren jeden Tag vom Landkreis in die Stadt und rund 8 500 aus der Stadt in den Landkreis.

„Die verkehrliche Sinnhaftigkeit für einen MVV-Beitritt für Stadt und Landkreis Rosenheim ist deshalb eindeutig gegeben“, sagte Rosenbusch. Allerdings nur dann, wenn sowohl die Stadt als auch der Landkreis für einen Beitritt stimmen würden. „Alles andere wäre aufgrund der ausgeprägten Verkehrsbeziehungen zwischen Stadt und Landkreis nicht zielführend“, sagte Rosenbusch.

Einheitlich durchgängiger Tarif

Er klickte durch die Powerpoint-Präsentation, erläuterte die konkreten Vorteile für die Rosenheimer, die ein MVV-Beitritt mit sich bringen würde. Neben eines einheitlich durchgängigen Tarifs, sowohl im ÖPNV als auch im Schienenpersonennahverkehr (SPNV) und günstigeren Fahrkarten würde der Beitritt auch eine deutliche Verkehrsentlastung der städtischen Straßen mit sich bringen.

„In anderen Regionen gab es bis zu 15 Prozent mehr Fahrgäste im ÖPNV durch die Tarifvereinheitlichung“, sagte Rosenbusch. Zudem zeigte er sich davon überzeugt, dass es durch den Beitritt gelingen könnte, dass eine Million Autofahrten in Stadt und Landkreis eingespart werden könnten.

Zehn verschiedene Busunternehmen

Der MVV-Beitritt scheint verkehrlich also durchaus sinnvoll zu sein. Zumal in Stadt und Landkreis im Moment zehn verschiedene Busunternehmer im ÖPNV tätig sind, was für die Fahrgäste bedeutet, dass sie einen Überblick über neun verschiedene Bustarife und ein Deutsche-Bahn-Tarif haben müssen. Nach einem möglichen Beitritt zum MVV würde es lediglich einen MVV-Tarif geben.

Großteil der Kosten durch Gesellschafter gestemmt

Doch eben dieser Beitritt ist auch mit Kosten verbunden. Und genau die waren es auch, die bei dem ein oder anderen Stadtrat für Bedenken gesorgt haben. Zwar wird laut Rosenbusch ein Großteil der Kosten durch die beiden Gesellschafter – den Freistaat Bayern und die Landeshauptstadt München – getragen, tiefer als bisher in die Tasche greifen müsste Rosenheim dennoch.

Mindereinnahmen im Stadtverkehr

So kommen auf die Stadt unter anderem Initialkosten – ohne Förderung – in Höhe von rund 200 000 Euro zu. Dieses Geld soll unter anderem in die Umprogrammierung der Bordrechner, die Umrüstung der Bushaltestellen, die Aufrüstung der Bahnhöfe sowie Marketing- und Werbemaßnahmen fließen. Hinzu kommen jährliche Regiekosten in Höhe von rund 260 000 Euro sowie Mindereinnahmen im Stadtverkehr zwischen 100 000 und 200 000 Euro, weil die Tickets günstiger werden.

Verkehrsverbund trotz Ticket für 69 Euro?

„Es stellt sich natürlich die Frage, wofür wir einen Verkehrsverbund brauchen, wenn bereits über einen Nachfolger des Neun-Euro-Tickets nachgedacht wird“, hinterfragte Oberbürgermeister Andreas März (CSU).

Rosenbusch erinnerte daran, dass es zwar im Raum stehe, ein Ticket für 69 Euro im Monat anzubieten, dieses in der Regel aber eher für Pendler sei. Für alle anderen würde ein einheitlicher MVV-Tarif vieles vereinfachen.

Sorge um Reaktionen aus Region 18

Dr. Wolfgang Bergmüller (CSU) kritisierte, dass nicht die gesamte Region 18 Teil des Verbunds ist. So seien weder Traunstein noch Berchtesgader Land beim MVV. Beide wollen, so Rosenbusch, in den Salzburger Verkehrsverbund. Wie sehr sich diese Tatsache auf die Entscheidung der Rosenheimer Stadträte auswirkt, dem MVV beizutreten, wird sich zeigen. Auch mit Blick auf die Finanzen gibt es noch einige offene Fragen. So forderte unter anderem Alexandra Linordner (CSU), dass ihr genau mitgeteilt wird, wie viel die Stadt bei einem möglichen Beitritt zahlen muss.

Beitritt für Dezember 2023 geplant

Genaue Auskünfte darüber soll es, laut Rosenbusch, im kommenden Monat geben. Spätestens dann müssen sich die Rosenheimer Politiker auch entscheiden, ob die Stadt Teil des MVVs sein möchte – denn der Beitritt wäre schon für Dezember 2023 geplant.

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