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WÄHREND DER CORONA-PANDEMIE

Trinken aus Langeweile und Frust: Experten sehen noch kein Suchtverhalten bei Jugendlichen in Rosenheim

Der Alkoholkonsum unter Jugendlichen ist während der Corona-Pandemie gestiegen. Von einem Suchtverhalten sprechen Experten jedoch noch nicht.
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Der Alkoholkonsum unter Jugendlichen ist während der Corona-Pandemie gestiegen. Von einem Suchtverhalten sprechen Experten jedoch noch nicht.

Der Alkoholkonsum unter Jugendlichen ist während der Corona-Pandemie gestiegen. Dennoch sehen Fachleute noch keine konkrete Suchtgefahr bei den Heranwachsenden. Für die Mitglieder hiesiger Hilfsangebote gilt: Aufklärung tut dennoch Not, damit eine Abhängigkeit erst gar nicht entsteht.

Rosenheim – Jugendliche greifen während der Corona-Pandemie vermehrt zu Alkohol. Nicht als Genussmittel, sondern, um ihre Probleme zu bewältigen. Kontaktbeschränkungen und Ausgangssperre verstärken das Konsumverhalten. Das zeigt eine Studie der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH). Jeder achte junge Erwachsene im Alter zwischen 16 und 29 Jahren trinkt in Deutschland seit Beginn der Pandemie mehr Alkohol. Das Konsumverhalten hat sich geändert. Von einem veränderten Suchtverhalten sprechen Experten aus der Region Rosenheim indes noch nicht.

Besondere Gelegenheiten fehlen

„Langeweile.“, „Weil es mir schlecht geht.“ und „Weil ich das nicht mehr packe!“: Diese Antworten bekommt Monika Schindler von der Fachambulanz für Suchterkrankungen der Diakonie Rosenheim in ihren Gesprächen mit den Rosenheimer Jugendlichen immer häufiger zu hören. „Da besondere Gelegenheiten seit Corona fehlen, greifen junge Menschen nun häufiger zu Bier, Sekt und Co – offenbar auch aus Langeweile, Frust und Perspektivlosigkeit“, sagt der KKH-Suchtexperte Michael Falkenstein.

Alleine trinken – ohne Freunde

Einen Trend, den Monika Schindler auch in Rosenheim sieht. Sie arbeitet für die Fachambulanz für Suchterkrankungen im Diakonischen Werk Rosenheim. Jugendliche, die früher am Wochenende ab und an mit ihren Freunden getrunken hätten, griffen nun teilweise auch unter der Woche und allein zu Hause zum Alkohol.

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Einige Jugendliche berichteten der Suchtberaterin, sie hätten mitunter bereits mittags angefangen, Alkohol zu trinken – der fehlenden Tagesstruktur geschuldet. „Die Jugendlichen betreiben hier kein sogenanntes Binge Drinking (Komasaufen Anm. d. Red). Es handelt sich eher um einen regelmäßigen, meist dosierten Konsum“, berichtet Schindler.

Mehr Alkohol bedeutet noch kein Suchtverhalten

Auch wenn der Alkoholkonsum steigt, sprechen Experten nicht von einem erhöhten Suchtverhalten. Ludwig Binder, Geschäftsführer der Prävention und Suchthilfe „Neon“ in Rosenheim schildert: „Alkohol ist ein Genussmittel, das normalerweise in Gemeinschaft konsumiert wird. Das ist derzeit nicht möglich.“ Durch die Beschränkungen der Corona-Pandemie seien die Jugendlichen gefrustet. Werde Alkohol als Selbstmedikation für Probleme eingesetzt, verstärkten sich diese. „Jugendliche haben schon immer phasenweise exzessiv Alkohol oder andere Genussmittel konsumiert, das ist nicht gleich eine Sucht“, meint Binder.

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Und tatsächlich: Die Anzahl der Beratungen bei der Fachambulanz für Suchterkrankungen oder bei „Neon“ seien bislang nicht angestiegen. Fachambulanz-Mitarbeiterin Schindler weist aber auf eine mögliche zeitliche Verzögerung hin. Bis ein Jugendlicher den Alkoholkonsum als problematisch empfinde und etwas verändern möchte, vergehe ein bisschen Zeit. Umso wichtiger sei: Wenn es zu einer Alkoholvergiftung kommt, muss gehandelt werden.

Bei Vergiftung Notruf wählen

Abhängig von der konsumierten Menge Alkohol oder Drogen könne der Bewusstseinszustand Jugendlicher deutlich beeinträchtigt werden, erklärt der Arzt Dr. Torsten Uhlig vom RoMed-Klinikum Rosenheim. Deswegen sei wichtig, den Notruf zu wählen, wenn ein Freund oder eine Freundin zu viel getrunken habe – auch wenn der Rausch vielleicht unter Missachtung der geltenden Abstandsregeln oder der Ausgangssperre zustande kam. Schindler erinnert daran: Das Personal des Rettungsdienstes und der Klinik unterliegt einer Schweigepflicht.

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Anders gesagt: „Wer die 112 wählt, muss nicht mit der Polizei rechnen.“ Verständnis für die schwierige Lage der Jugendlichen zeigt „Neon“-Geschäftsführer Ludwig Binder: Die Jugendlichen litten unter einer doppelten Belastung. „Sie können nicht in die Schule, und sie können ihre Freunde nicht treffen.“ Das Ziel seines Zentrums wie auch der Fachambulanz für Suchterkrankung: Aufklärung in Sachen Alkoholkonsum. Damit ein problematisches Konsumverhalten langfristig nicht in einer Sucht endet.

Ludwig Binder
Dr. Torsten Uhlig
Monika Schindler

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