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Nach Sturz aus dem Fenster

Tragischer Tod eines kleinen Buben in Rosenheim: „Das Schlimmste für Eltern“

In dieser Siedlung im Rosenheimer Stadtteil Fürstätt starb ein einjähriger Bub nach einem Sturz aus dem Fenster.
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In dieser Siedlung im Rosenheimer Stadtteil Fürstätt starb ein einjähriger Bub nach einem Sturz aus dem Fenster.
  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
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Nach dem tödlichen Sturz eines einjährigen Buben im Rosenheimer Stadtteil Fürstätt herrscht Bestürzung. Welchen Schock eine solche Tragödie auslöst, wissen Betroffene vom Verein „Verwaiste Eltern“.

Rosenheim – „Ein tragischer, schlimmer Unfall“: Darauf deute alles hin, sagte Stefan Sonntag, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern, gestern auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen. Der tödliche Sturz eines Kleinkindes aus dem dritten Stock eines Mehrfamilienhauses im Rosenheimer Stadtteil Fürstätt sei demnach nicht auf Fremdverschulden zurückzuführen. Der einjährige Bub war wie berichtet am Mittwochvormittag aus einem Fenster gestürzt und später im Klinikum seinen Verletzungen erlegen.

Wie tragisch, wie schlimm dieser Unfall ist, kann Dirk Scholz ermessen. Seine Tochter starb ebenfalls bei einem Unfall. Später gründete er gemeinsam mit seiner Frau „Verwaiste Eltern Rosenheim“, eine Selbsthilfegruppe für Eltern, die ein Kind verloren haben. „Wir wissen, was sich da abspielt“, sagt Scholz. „Der Tod des Kindes ist das Schlimmste, was Eltern widerfahren kann.“

„Eltern landen oft bei sich selber“

So unglücklich die Verkettung der Umstände auch sein mögen, für die Eltern macht das nichts einfacher, sagt Scholz. „Wenn niemand da ist, der als Schuldiger ausgemacht werden kann, dann landen Eltern sehr oft bei sich selber.“ Der Versuch, eine Erklärung für das Unfassbare zu finden, führe oft zu Schuldgefühlen.

In Fürstätt sprach sich das Unglück schnell herum. Es dürfe nun nicht sein, dass die Familie isoliert bleibe, sagt Hannelore Maurer, Gemeindereferentin der Stadtteilkirche Rosenheim-Inn mit Schwerpunkt Trauerbegleitung. Man dürfe die Eltern nicht sich selbst überlassen, „nur weil man Angst hat, nicht die richtigen Worte zu finden.“

Eltern in Trauer: Einfach da sein und zuhören

Auch Dirk Scholz rät, für die Eltern da zu sein. Nicht, um Ratschläge zu geben, erst recht nicht, um etwas lösen zu wollen – „denn das kann man nicht lösen“. Aber zuhören solle man. Und auch praktische Hilfe leisten. Schon wegen der Beerdigung und der Trauerfeier stürme auf die Eltern, noch bevor sie ihren Schock verdaut haben, eine Menge an Herausforderungen zu.

Der gut gemeinte Abschiedsgruß „sag mir bescheid, wenn du was brauchst“ helfe den Eltern nicht. „Die andern, die Menschen in der Umgebung, müssen aus ihrem Schneckenhaus kommen“, sagt Dirk Scholz. „Den Eltern fehlt die Kraft dazu.“ Die Hilfe könnte längere Zeit nötig sein, weiß Hannelore Maurer. „Man muss schnell funktionieren“, das erwarte die Gesellschaft so. „In Wirklichkeit aber kann man das nicht.“

Eltern von 180 Kindern in ihrer Trauer beigestanden

Dirk Scholz und seine Frau Sigrid verloren ihre Tochter 1989, sie war acht Jahre alt, als sie an der Kappe eines Filzstiftes erstickte. Sie besuchten über zwei Jahre lang eine Selbsthilfegruppe, bevor sie vor 20 Jahren die „Verwaisten Eltern Rosenheim“ gründeten. Eltern von gut 180 verstorbenen Kindern haben sie seitdem beigestanden, ihnen zugehört und nach Möglichkeit Halt gegeben.

Die Katastrophe, die das Leben der Eltern in ein Davor und ein Danach teilt, kennen sie aus vielen Erzählungen. Die Zeit heile keine Wunden, sie lehre nur, besser mit der Tragödie umzugehen. „Eine Resttrauer bleibt, und das ist eigentlich auch gut so“, meint Scholz. „Es ist das, was uns mit unsern Kindern noch verbindet.“

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