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Tiere werden Social-Media-Stars

Rinderherde statt Prada-Tasche: Warum eine Rosenheimerin Kälber vor dem Schlachter rettet

Wie aus dem Bilderbuch: Olivia von Heybowitz mit ihren Kühen.
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Wie aus dem Bilderbuch: Olivia von Heybowitz mit ihren geretteten Kühen.
  • Paula L. Trautmann
    VonPaula L. Trautmann
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Die Rosenheimer Flugbegleiterin Olivia von Heybowitz hat sieben Rinder. Wie sie statt einer Prada-Tasche aus Kalbsleder zu den Tieren kam, die ihr Leben verändert und nun Tausende Fans auf Instagram haben.

Törwang/Rosenheim – Mit ihren roten Gummistiefeln sticht Olivia von Heybowitz auf der Wiese heraus. Am Morgen war sie noch auf Kreta, nun steht sie auf einer Weide am Samerberg. Sie trägt Leggings und ein Sweatshirt mit dem Logo ihres Instagram-Accounts – Ochse Helmut als Comicfigur. Die Rinder traben auf die 29-Jährige zu, springen den Hügel hinauf. Sie streichelt die Tiere, lässt sich voll sabbern und klopft ihnen auf den Rücken.

Fridolin ist der Dominante

Sie setzt sich auf den Jägerstand. So kann sie die Tiere beobachten und die Ruhe genießen. Doch die hält nicht lange. Fridolin reibt sein Horn an ihren Gummistiefeln. „Fridolin ist der Chef“, sagt von Heybowitz und streicht dem Ochsen über sein Maul. Er sei der Zweitälteste und der Dominanteste in der Gruppe. Wenn er gestreichelt werden will, dränge er sich vor. „Er haut die anderen auch mal weg.“ Die anderen, das sind Idefix und Helmut mit dem kleinen Hörnchen.

Für die Kälber der Tierliebhaberin gibt es nur Bio-Heu. Das schwarze Kälbchen gehört von Heybowitz nicht, es ist mit ihrem Tieren untergebracht.

Mit Helmut hat alles angefangen. Von Heybowitz hat das Kälbchen auf einer Verkaufsplattform entdeckt. Sie habe nach einer limitierten Kalbsledertasche der Luxus-Marke Prada gesucht. Zwischen Hunderten Taschen sei sie auf ein Foto von Helmut gestoßen. „Suche ein tierliebes Zuhause“, sei in der Anzeige gestanden. In einem Milchbetrieb sind männliche Jungrinder der Rosenheimerin zufolge ein „Abfallprodukt“. Sie geben keine Milch.

300 Euro für ein Kälbchen

Wenige Nachrichten und einen Tag später stand Olivia von Heybowitz auf dem Hof. „Der Bauer hat schon geahnt, dass es nicht bei Helmut bleibt“, sagt sie. 300 Euro hat sie für ihn hingeblättert. „Ich wollte, dass er da rauskommt“, sagt die 29-Jährige. Später hat sie auch die beiden anderen Kälber abgeholt.

Sie habe viele Lebenshöfe angeschrieben. Das sind Betriebe, in denen Tiere bis zu ihrem natürlichen Tod bleiben. Ein „schlachtfreies Zuhause“ nennt von Heybowitz das. Zuerst fanden die Rinder ihre neue Heimat am Ammersee. 120 Euro pro Monat und pro Tier habe sie für die Versorgung bezahlt. Damals habe sie das erste Mal Patenschaften angeboten und Werbung auf Facebook gemacht.

Kosten von 120 auf 180 Euro pro Monat und Tier gestiegen

Mittlerweile folgen den Tieren über 13.000 Menschen auf Instagram. In Videos und Fotos zeigt von Heybowitz ihren Alltag mit den Rindern und bittet um Spenden. Ohne die könne die Flugbegleiterin die Verpflegung nicht finanzieren. Die Kosten für die Verpflegung seien von 120 auf 180 Euro pro Tier im Monat gestiegen. Bei sieben Rindern sind das 15.120 Euro im Jahr.

Jede Spende hilft den Rindern

Das sei ein Problem, denn wegen der Inflation könnten sich viele Fans selbst eine Spende von fünf Euro nicht mehr leisten. „Dabei hilft jeder Euro.“ Was die Herde rette: der Verkauf von Advents- und Jahreskalendern. Auch Pullover in fünf Farben mit Helmut als Logo verkauft die Tierliebhaberin. Dennoch finanziere von Heybowitz 180 Euro im Monat selbst.

Obwohl sie für die Verpflegung zahlt, kümmert sie sich viel selbst um die Tiere. Drei Mal die Woche sei sie von München an den Ammersee gefahren, habe die Rinder gefüttert und ausgemistet. Dann ist sie nach Rosenheim gezogen. „Es war klar, dass ich die Tiere mitnehme“, sagt von Heybowitz. Sie hat ein neues Zuhause für ihre Tiere gesucht und es bei Sandra und Meli Höß gefunden. Auf dem Hof der Schwestern lebten bereits gerettete Hühner und Ziegen. „Das war der Sechser im Lotto.“

Ein Kalb im Kofferraum

Früher habe sie die Kälber in einem kleinen Pferdeanhänger transportieren können. „Da waren sie klein und haben noch reingepasst“, erinnert sich von Heybowitz. Kasimir habe sie sogar im Kofferraum eines Jeeps herumgefahren.

Als die Tiere noch klein waren, hat von Heybowitz sie im Jeep ihres Freundes oder im Pferdeanhänger transportiert.

Denn bei Helmut, Fridolin und Idefix blieb es nicht. Kasimir und Calimero seien noch auf einem Hof am Ammersee und dort in eine Herde integriert. Die Tierliebhaberin wollte sie nicht von den anderen Rindern trennen. Die Kälbchen Nepumuk-Fidelius und Pumuckl stehen auf einer Weide in Rohrdorf.

Olivia von Heybowitz hat sieben Tieren das Leben gerettet. „Ich hätte im Leben nicht gedacht, dass es so weit kommt. Ich bin ein typisches Münchner Kindl“, sagt sie. Mit Rindern habe sie in Ihrer Geburtsstadt nie etwas zu tun gehabt. Aber sie sei mit Tieren aufgewachsen und schon immer sehr tierlieb gewesen – ob Katze, Hund oder Kuh. „Wenn ich ein Kälbchen sehe, kann ich das nicht schlachten lassen.“

Ausgebüxt an die Aussichtskapelle

Idefix knabbert an ihren roten Gummistiefeln und reißt die Schnalle ab. Von Heybowitz streckt ihm ihren anderen Fuß entgegen und sagt: „Jetzt kannst du den auch noch abreißen.“ Das lässt er sich nicht zwei Mal sagen. Die Tiere treiben immer wieder solchen Unsinn. Ein Mal seien sie mitten in der Nacht bis zur Aussichtskapelle am Samerberg ausgebüxt.

Anstatt an den Aussichtspunkt geht es für die Rinder bald in den Stall. Ende November bis Anfang April überwintern sie dort. „Wenn wir sie abholen, kommen sie angerannt und freuen sich richtig auf die Vollverpflegung“, sagt von Heybowitz. Im Frühjahr seien sie unruhig und wollen wieder auf die Weide – nur das Beste für die Bande.

Die Tierliebhaberin kauft kein Leder mehr

Die Tiere sind der Wahl-Rosenheimerin ans Herz gewachsen. Die Prada-Tasche habe sie hingegen aus den Augen verloren. Leder kaufe sie ohnehin nicht mehr. „Ich kann sie nicht streicheln und dann ihre Haut tragen.“ Deshalb esse sie auch kein Fleisch.

Statt mit einer Luxus-Tasche herumzulaufen, ist sie nun beinahe jeden Tag bei der Rinderherde. Es sei Entspannung für sie, sich an die Tiere zu kuscheln, sie zu streicheln. „Ich brauche das als Ausgleich“, sagt von Heybowitz. Morgen fliegt sie wieder – vom Weide-Paradies in den Süden.

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