Richtfest für Neubau des Tierheims Rosenheim - Tierschutzverein appelliert an Kommunen

Der Rohbau des neuen Tierheims – hier das Hauptgebäude – steht. In einem jahr soll es bezogen sein.Rupreht (2)7Maier
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Der Rohbau des neuen Tierheims – hier das Hauptgebäude – steht. In einem jahr soll es bezogen sein.Rupreht (2)7Maier
  • vonFranz Ruprecht
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Wohl selten standen der Fortbestand und die Zukunft eines Projektes so in den Sternen wie beim Tierheim Rosenheim. Nur durch den Nachlass einer anonymen Spenderin konnte der Neubau eines Tierheimes Realität werden. Am Rohbau an der Grenze zwischen Rosenheim und Kolbermoor fand jetzt das Richtfest statt.

Rosenheim –  Festgäste, Ansprachen, Glückwünsche begleitet von mehrstimmigem Hundegebell im Hintergrund – unverkennbar: es kann sich nur um das Wohl der Tiere handeln. Das Richtfest am Freitag, 11. September, war ein besonderer Anlass, den sich die Verantwortlichen des Tierheims Rosenheim vor einigen Jahren nicht einmal im Traum hätten vorstellen können. Der jetzt aber wahr wird.

Andrea Thomas, die Vorsitzende des Tierschutzvereins Rosenheim, und Oberbürgermeister Andreas März.

Unwürdig für Tiere und Menschen

„Das Richtfest unseres Neubaus ist ein Meilenstein. Seit vielen Jahren mussten die tierischen Schützlinge des Tierheims in erbarmungswürdigen Behausungen leben, die Anfang der 70er Jahre errichtet und nie renoviert wurden“, brachte es Andrea Thomas, Vorsitzende vom Tierschutzverein Rosenheim e.V., auf den Punkt.

„Unsere Mitarbeiter mussten dort unter schwierigsten und unwürdigen Bedingungen arbeiten, ein Zustand, der auch aufgrund der extremen baulichen Mängel und Schäden nicht mehr länger zu dulden gewesen wäre“, bedankt sie sich bei den Mitarbeitern, die trotz der misslichen Situation nie aufgaben.

Oberbürgermeister: Tierheim ist gesichert

„Das Richtfest ist nicht nur ein Symbol, dass es mit dem Neubau vorangeht. Es zeigt vielmehr, dass der Fortbestand des Tierheims Rosenheim an diesem Standort gesichert ist und das Tierwohl zukunftsorientiert auf eine ganz neue Ebene gehoben werden kann“, zollte Rosenheims Oberbürgermeister Andreas März, der auch im Namen von Landrat Otto Lederer sprach, tiefen Respekt. Mit Blick auf die zahlreichen Amtsträger, die dem Richtfest ihre Aufwartung machten, fasste er viele Grußworte zusammen.

Marode Bausubstanz

„Wären ihre Aufgaben für sich nicht schon herausfordernd genug, mussten sie wegen der absolut maroden Bausubstanz im Bestand noch eine weitere Mammutaufgabe bewältigen: Das Projekt „Tierheimneubau“ mit allen damit zusammenhängenden Fragen.

Über viele Jahre haben sie um die Zukunft des Rosenheimer Tierheims gekämpft – und manchmal sah es so aus, als ob es keine Zukunft gibt. Aber sie haben nicht aufgegeben. Und es hat sich gelohnt. Und nun sind in jeder Phase der Umsetzung neue Herausforderungen erwachsen, die im Ehrenamt erst einmal gestemmt werden müssen“, sprach er seine Hochachtung aus.

Glücksbringer vom Zimmerer

Wie es in einem Richtfest der Brauch ist, stiegen Georg Lindauer, Geschäftsführer der Lindauer Holzbau GmbH Griesstätt, und sein Mitarbeiter Matthias Obermayer mit einer Flasche Sekt auf das Baugerüst. Vor den Augen der Festgäste und Hund „Rocki“ gab Lindauer den Richtspruch zum Besten, ehe er ein volles Glas als Glücksbringer zerschellen ließ.

Zähe Planung, zügiger Bau

Bevor die Gäste in kleinen Gruppen mit Maskenschutz und Abstandsregelungen den Corona Vorschriften entsprechend auf einen Rundgang gingen, gaben Architekt Frank Wimmer und Projektleiter Hartmut Uttscheid einen Bestandsbericht, bei dem die zähe Planungsphase über zweieinhalb Jahre und dann der zügige Baufortschritt von fünf Monaten herausstachen.

Landrat Otto Lederer (Mitte) machte sich selbst ein Bild vom Baufortschritt.

2019 kamen 554 Tiere im Heim an

„Nun wundern Sie sich vielleicht über die Ausmaße der Gebäude. Bei der Planung haben wir uns an den bisherigen Aufnahmezahlen orientiert. 2019 haben wir 554 Tiere aufnehmen müssen. Daran wird sich nichts ändern“ erläuterte Thomas.

Nur Drittel der Ausgaben gedeckt

Die Planungen begannen 2017, die Kosten sind mit zirka fünf Millionen Euro netto veranschlagt. Mit der Fertigstellung ist im Mai/Juni 2021 zu rechnen.

Der Betrieb des Tierheims muss momentan zu 90 Prozent aus privaten Spenden und Erbschaften gedeckt werden, rund zehn Prozent zahlen die Kommunen. 2019 hätten die Ausgaben bereits 600 000 Euro überschritten.

„Auf Dauer wird es so nicht möglich sein, den Tierheimbetrieb für die Zukunft sicher zu erhalten, denn der Spendeneingang beträgt jährlich etwa 200 00 Euro. Aus diesem Grund möchte ich auch nochmals an alle anwesenden Vertreter der Kommunen appellieren, über den Abschluss einer fairen Fundtiervereinbarung oder die Erhöhung von Pauschalen nachzudenken.“

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