Thomas Eiwen aus Rosenheim räumt beim Poetry Slam der Stadtbibliothek ab

Thomas Eiwen aus Rosenheim hat den Poetry Slam der Stadtbibliothek Rosenheim gewonnen. Der 23-Jährige kommt eigentlich aus dem Theaterspiel und wirkt seit 2013 bei Produktionen der Rosenheimer Theaterinsel mit.
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Thomas Eiwen aus Rosenheim hat den Poetry Slam der Stadtbibliothek Rosenheim gewonnen. Der 23-Jährige kommt eigentlich aus dem Theaterspiel und wirkt seit 2013 bei Produktionen der Rosenheimer Theaterinsel mit.

Den Mut, sich auf eine Bühne vor fremden Menschen stellen und einen selbst geschriebenen Text vorzutragen, hatten sechs Männer und zwei Frauen aus Rosenheim, München und Umgebung. Sie traten beim Poetry Slam der Stadtbibliothek Rosenheim am Salzstadel auf. Ein Besuch.

Von Alexandra Schöne

Rosenheim – Es ist warm, die Getränke sind kalt und die Stimmung gut. Die Besucher des Poetry Slams am Salzstadel sitzen auf ihren Bierbänken vor der kleinen Bühne vorm Eingang der Stadtbibliothek und warten auf den ersten Teilnehmer.

Bei rund 40 Poetry Slams aufgetreten

Einige der „Slammer“ sitzen in einer Gruppe links neben der Bühne. Die anderen mit ihren Freunden und Eltern unter den Zuschauern. Einer von ihnen: Thomas Eiwen (23) aus Rosenheim. Er trägt ein schwarzes T-Shirt und eine graue Hose, hat seine schwarzen Haare im Nacken zusammengefasst.

Eiwen ist kein unbeschriebenes Blatt, wenn es um Poetry Slams geht. Seit eineinhalb Jahren steht er auf Bühnen und trägt Texte vor. Bei rund 40 Poetry Slams hat er schon mitgemacht. Man merkt, dass er Erfahrung hat. Er komme ursprünglich aus dem Theaterspielen, erzählt er, wirke seit 2013 in Aufführungen der Theaterinsel mit.

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Sein erster Text auf der Bühne am Salzstadel handelt von der Existenz von Gott. „Ich glaube gar nicht daran. Ich glaube an die Wissenschaft.“ Vor seinem Auftritt warnt er die Zuschauer deshalb erst einmal vor. Wenn irgendwelche „christlichen Fanatiker“ im Publikum seien, sollten diese sich jetzt erst einmal was zu trinken holen. Zuerst spricht er in normaler Lautstärke. Irgendwann wird er lauter, redet sich in Rage, schreit ins Mikrofon. Er gestikuliert. Sein Text ist nicht nur voller Ernst, sondern auch witzig und ironisch. Die Zuschauer lachen, manche johlen laut. Der Text gefällt ihnen.

Aber ob ein Text beim Publikum ankommt oder nicht, das ist laut Thomas Eiwen immer unterschiedlich. Man bewerte etwas, das man nicht bewerten könne. „Es hätte wirklich jeder den Poetry Slam gewinnen können.“

Klimawandel, innerer Schweinehund und Tagebuch

Es folgen Auftritte von Meike Harms, Max Osswald und Siegfried Sperber. Harms spricht über den Klimawandel, Sperber über den inneren Schweinehund und Osswald liest Einträge aus seinem Tagebuch vor. Die Jury vergibt Punkte. Mal gibt es sechs, mal neun. Eiwen zieht mit insgesamt 37,7 Punkten ins Finale ein. Sein Gegner: Max Oswald, ein bekannter Slammer in der Szene. Nach 12 Minuten entscheidet das Publikum per Applaus über den Sieger. Gewonnen hat am Ende Thomas Eiwen.

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Ums Gewinnen geht es ihm aber überhaupt nicht. „Das ist zweitrangig.“ In der Poetry Slam-Szene gehe es ums Miteinander, um das Wiedersehen der Slam-Kollegen und um den Spaß, sagt er. Das merkt man auch an der Art, wie die Slammer während der Veranstaltung miteinander umgehen. Sie sitzen zusammen in Gruppen, lachen, tauschen sich aus. Sie kennen sich untereinander, geben sich Tipps.

Die Gemeinschaft fasziniert Eiwen

Das ist auch das, was ihn an der Poetry Slam-Szene so fasziniert: die Gemeinschaft dahinter. „Man lernt immer tolle Menschen aus ganz Deutschland auf solchen Veranstaltungen kennen“, sagt er. Die Vielfalt in der Szene reizt ihn. „Es gibt so viele verschiedene Arten, eine Botschaft zu vermitteln. Wobei man auch nicht immer eine haben muss, das ist ganz egal.“ Bei seinem Text im Finale hat der 23-Jährige, der an der LMU München griechische Philologie und Latinistik studiert, eine Botschaft.

Es geht ihm um Freiheit und Demokratie, um Zusammenhalt. Der Text war eine Reaktion auf den 29. August, als in Berlin Tausende Demonstranten gegen die Corona-Beschränkungen protestierten. An dem Tag, an dem für Eiwen viele „Idioten“ für Freiheit demonstriert haben. Das sei kein Zusammenhalt für ihn gewesen. Seine Meinung hat er mit den Menschen auf dem Salzstadel an diesem Tag geteilt. Auf seine ganz eigene Art und Weise.

Die Regeln beim Poetry Slam:

Ein Poetry Slam ist ein Dichterwettstreit. Die Regeln sind einfach. Die Texte müssen selbst geschrieben sein, das Zeitlimit für den Vortrag beträgt sechs Minuten und die Slammer dürfen keine Hilfsmittel wie Musikinstrumente verwenden.

Sie treten in zwei Gruppen gegeneinander an. Die Publikumsjury vergibt für jeden Text Noten. Der beste Slammer aus jeder Gruppe kommt ins Finale. Hier entscheidet dann wieder das Publikum über den Gewinner– durch Applaus.

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