Teillösung gefunden: So soll der südliche Teil der Kufsteiner Straße in Rosenheim aussehen

Kritisches Nadelöhrist die Eisenbahnunterführung in der Kufsteiner Straße. Auch wie und wann es mit dem Ausbau weitergehen wird, ist noch offen.
  • Anna Heise
    vonAnna Heise
    schließen

Der Ausbau der Kufsteiner Straße in Rosenheim hat auch im jüngsten Verkehrsausschuss für hitzige Diskussionen gesorgt. Jetzt scheint eine Lösung gefunden zu sein. Jedenfalls für den Teil wischen Mangfallbrücke und Panorama-Kreuzung.

Rosenheim - Es ist ein Thema, das Rosenheim seit fast 30 Jahren beschäftigt: Die Frage, ob die Kufsteiner Straße drei- oder vierspurig ausgebaut werden soll. Eine erste Entscheidung dazu fiel im jüngsten Ausschuss für Verkehrsfragen und Öffentlichen Personen Nahverkehr (ÖPNV). Einstimmig einigten sich die Stadträte auf einen dreispurigen Ausbau zwischen Mangfallbrücke und Panorama-Kreuzung. Eine Lösung für den nördlichen Teil gibt es weiterhin nicht.

Katastrophale Situation

„Katastrophal“: Mit diesem Wort beschreibt Oberbürgermeister Andreas März (CSU) die Situation der Kufsteiner Straße. Er sprach von einem „gefährlichen Pflaster“, einer Situation die „dringenden Handlungsbedarf“ erfordere.

Es ist eine Situation, die nicht neu ist. Bereits im Jahr 1990 hatten sich die damaligen Stadträte auf einen vierspurigen Ausbau verständigt. Denn die Kufsteiner Straße galt bereits vor 30 Jahren als eine der Staufallen an den Eingängen zur Stadt. Hinzu kamen schon damals die zahlreichen Unfälle – vor allem mit Radfahrern. Ein vierspuriger Ausbau sollte Abhilfe schaffen. Doch umso mehr diese Alternative in den Vordergrund rückte, umso größer wurden die Proteste. Etliche Anwohner schlossen sich zu der Bürgerinitiative „Kufsteiner Straße“ zusammen, schrieben einen offenen Brief und forderten die damalige Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer (CSU) sowie das Baudezernat der Stadt auf, einen dreispurigen Ausbau in Betracht zu ziehen – „mit wechselnden Linksabbiegespuren, sicheren Radwegen und Fußwegen sowie Bushaltestellen“.

Christoph Doll stellte Ergebnisse vor

2017 kam die Stadtverwaltung diesem Wunsch nach. Zwar wurde der vierspurige Ausbau als „Planungsgrundlage bestätigt“, gleichzeitig beschloss man aber auch, dass eine „dreistreifige Variante überprüft werden soll“.

+++

Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren!

+++

Die Ergebnisse dieser Überprüfung stellte Christoph Doll, der beratende Ingenieur für Verkehrswesen, vom Verkehrsbüro TSC jetzt, drei Jahre später, im Verkehrsauschuss vor. Für den nördlichen Teil der Kufsteiner Straße, von der Briançonstraße bis zur Klepperstraße, sei ein vierspuriger Ausbau erforderlich, sagte Doll: „Dieser Abschnitt ist momentan einfach nicht leistungsfähig.“ Er bewertete die Situation an den Einmündungen zur Klepperstraße und zur Gießereistraße als „nicht mehr zumutbar“ und beschrieb sie als „typische Überlastungsbereiche“. Mit einem vierspurigen Ausbau könnten, laut Doll, diese Probleme behoben werden.

Vierspurigen Ausbau im Süden mache keinen Sinn

Anders schätzt er die Situation im südlichen Bereich ein. Hier genüge ein dreispuriger Ausbau mit einem durchgehenden Fahrstreifen je Richtung und einem Streifen zum Linksabbiegen. Ein vierspuriger Ausbau sei hier nicht erforderlich, weil die „Leistungsfähigkeit der Straße durch die Leistungsfähigkeit der Kreuzungen“ bestimmt werde.

Lesen Sie auch: Rosenheim: Stadt lässt an sieben gefährlichen Kreuzungen Trixi-Spiegel montieren

Weil ein Ausbau des Knotenpunktes Kufsteiner Straße und Klepperstraße „durch die angrenzende Bebauung“ begrenzt ist, würde ein vierspuriger Ausbau nach Ansicht des Experten keinen Sinn machen. Außerdem könnte man dadurch Eingriffe in die Grundstücke und eine schlechtere Erreichbarkeit für die Anwohner zu ihren Häusern vermeiden.

Kein Verständnis für den Vorschlag im Norden

Während sich die Mitglieder des Verkehrsausschusses für eben diesen Vorschlag begeistern konnte, hatten sie für den Vorschlag, den nördlichen Teil vierspurig auszubauen, nur ein Kopfschütteln übrig. Auch weil offenblieb, ob ÖPNV, Fahrradfahrer und Fußgänger von diesem Ausbau tatsächlich profitieren würden.

Nahverkehrsplan und Radentscheid sollten beachtet werden

Stadträtin Verena Weindl (Grüne) erinnerte an den Nahverkehrsplan und den Radentscheid. Es sei „nicht logisch“, dass bei einer Studie zwei von drei Faktoren nicht berücksichtigt worden seien, meinte sie. Daniela Dieckhoff (Grüne) gab zu Bedenken, ob ein vierspuriger Ausbau wirklich zeitgemäß sei. Sie plädierte dafür, „mehr ins Rad zu investieren“. Ebenfalls klar gegen einen vierspurigen Ausbau positionierte sich Franz Opperer (Grüne). Es sei ein „Signal in die falsche Richtung“. Er befürchte „noch mehr Verkehr in der Stadt“. Ziel sollte es dagegen sein, „möglichst viele Menschen auf Rad und Bus“ zu verlagern.

Ausbau komme ÖPNV zugute

Oberbürgermeister Andreas März gab zu Bedenken, dass der Ausbau auch dem ÖPNV zu Gute kommen würde. Zudem sei Rosenheim ein Wirtschaftszentrum, viele Pendler müssten weiterhin an ihren Arbeitsplatz kommen – ohne vorher stundenlang im Stau zu stehen.

Der Fraktionsvorsitzende der CSU, Herbert Borrmann, kritisierte, dass noch nicht geklärt sei, wie der Busverkehr auf einer vierspurigen Straße funktionieren könnte. Ebenfalls vermisste er eine Verkehrssimulation, um eine bessere Vorstellung zu bekommen.

Offene Fragen zur Unterführung

„Es ist wichtig, dass wir die Kufsteiner Straße zeitnah in einen Zustand bringen, der den Namen Straße verdient“, sagte März. Er bat seine Kollegen darum, sich wenigstens für einen Teil der Planungen auszusprechen.

Lesen Sie auch: Zoff um Neutralitätspflicht im OB-Wahlkampf: Stadt Rosenheim weist Vorwürfe zurück

Einstimmig entschieden sich die Stadträte daraufhin für einen dreispurigen Ausbau zwischen Mangfallbrücke und Panorama-Kreuzung. Der wesentliche Teil im Norden, zwischen der Brianconstraße und der Klepperstraße, wurde vertagt. Ebenso auf einen späteren Zeitpunkt verschoben ist die Diskussion über das Ergebnis der Machbarkeitsstudie für die Eisenbahnunterführung.

Kommentare