48-Jähriger vom Vorwurf der Körperverletzung freigesprochen

Tatverlauf blieb unklar

Rosenheim - Ist ein 64-jähriger Rosenheimer Rentner in seiner Wohnung gestürzt oder wurde er von einem befreundeten 48-Jährigen zusammengeschlagen? Der Geschädigte konnte sich nicht mehr erinnern.

Die stark abweichenden Zeugenaussagen führten nun zu einem Freispruch für den Angeklagten.

Was genau im Januar vergangenen Jahres in der Wohnung des Rentners geschah, konnte vom Amtsgericht nicht zweifelsfrei geklärt werden. Fest stand nur, dass der Freund den 64-Jährigen am Spätnachmittag besucht hatte und Alkohol getrunken wurde. Über die weiteren Geschehnisse gab es recht unterschiedliche Darstellungen. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft hat der Angeklagte den Geschädigten bei seinem Aufenthalt mindestens dreimal ins Gesicht geschlagen und anschließend auf den am Boden liegenden Mann eingetreten, der sich dadurch eine Rippenserienfraktur von der vierten bis zur neunten Rippe sowie eine Prellung des Oberkörpers und eine offene Fraktur des Daumengelenks zugezogen hatte und deshalb mehrere Wochen im Krankenhaus behandelt werden musste.

Die Anklage basierte vor allem auf den Aussagen des Geschädigten und eines weiteren Bekannten, der die Tat beobachtet haben wollte. Kurioserweise hatte der Geschädigte aber keine eigene Erinnerung an den Vorfall, und vor Gericht stellte sich heraus, dass er bei seinen bisherigen Aussagen nur wiedergegeben hatte, was ihm sein Bekannter über das vermeintliche Tatgeschehen erzählt hatte. Die Wahrnehmungen des 59-jährigen Zeugen variierten vor Gericht aber deutlich gegenüber den beiden polizeilichen Zeugenvernehmungen. Schließlich blieb unklar, ob er am Tattag oder möglicherweise auch schon Tage vorher Schläge beobachtet hatte, oder wer den Rettungsdienst verständigt hatte.

Der Angeklagte, der bereits erhebliche Vorstrafen aufzuweisen und wegen mehrerer Körperverletzungsdelikte auch schon im Gefängnis saß, bestritt den Tatvorwurf vehement. Er sagte aus, dass der Besuch freundschaftlich verlaufen sei. Zuerst habe man gemeinsam ein paar Bier und einen Liter Wein getrunken und anschließend habe er sich auf die Couch gelegt. Der Geschädigte sei auf der zweiten Couch eingeschlafen. Als der gehbehinderte Mann später zur Toilette gehen wollte, sei er gestürzt und mit dem Oberkörper auf einen massiven Sessel gefallen. Der Freund habe über große Schmerzen geklagt, sich aber geweigert, den Notarzt rufen zu lassen. Stattdessen habe man versucht, den Schmerz mit Wein zu betäuben. Als das nicht gelungen sei, habe er am Morgen den Notarzt verständigt.

Richter Christian Baier schloss sich dem Antrag der Staatsanwaltschaft an, den Angeklagten freizusprechen. Die Hauptverhandlung habe ergeben, dass der Geschädigte seine Wahrnehmungen nur nacherzählt habe. Zudem habe es erhebliche Abweichungen zu früher gemachten Zeugenaussagen gegeben. Auf dieser Grundlage sei keine Verurteilung wegen vorsätzlicher Körperverletzung möglich, hieß es in der Urteilsbegründung. ca

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