Schüsse, Verwüstungen und vier Tote

Sturm auf US-Kapitol: Amerikaner aus Region erzählen, wie sie das Chaos in Washington empfinden

Bilder, die für Entsetzen sorgen: Anhänger des abgewählten US-Präsidenten Donald Trump sind am Mittwoch ins Kapitol eingedrungen. dpa/Schroeder/Schlecker
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Bilder, die für Entsetzen sorgen: Anhänger des abgewählten US-Präsidenten Donald Trump sind am Mittwoch ins Kapitol eingedrungen. dpa/Schroeder/Schlecker
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Schüsse, Verwüstungen und vier Tote: Anhänger des abgewählten US-Präsidenten Donald Trump haben am Mittwoch das Kapitol in Washington gestürmt und dort die Sitzung zur Bestätigung von Joe Bidens Wahlsieg unterbrochen. Drei Amerikaner aus der Region erzählen, wie sie das Chaos in Washington erlebt haben.

Maxx Currey

Maxx Currey, Computer-Programmierer aus Kolbermoor: „US-Präsident Donald Trump hinterlässt ein tief zersplittertes Land. Bis um 2.30 Uhr saß ich in der Nacht vor dem Fernseher und habe die Szenen in Washington mitverfolgt. Was dort passiert ist, hat mich zutiefst schockiert.

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Das war keine Demonstration, es war ein Angriff. Ich habe mich immer gefragt, wo ist die Polizei? Gleich am nächsten Tag habe ich mit vielen Freunden, die in den USA leben, Whatsapp geschrieben. Auch sie sind fassungslos und erschüttert. Ich glaube, dass das alles noch nicht vorbei ist. Die Angriffe werden weitergehen. Vielleicht wird die Stadt Washington komplett bis zur Amtseinführung von Joe Biden abgeriegelt. Natürlich wäre diese Maßnahme schwierig umzusetzen und sehr teuer.

„Ereignisse stundenlang im Fernsehen verfolgt“

Jguwon Hogges

Jguwon Hogges, Basketballspieler für die „Spartans“ aus Rosenheim: „Ich habe die Ereignisse stundenlang im Fernsehen verfolgt. Das Verhalten macht mich sehr traurig. Ich finde es peinlich, wie einige meiner Landsleute am Mittwoch aufgetreten sind. Was mich aber am meisten stört, ist die Doppelmoral. Für die weißen Menschen, die am Mittwoch das Kapitol gestürmt haben, hat es fast keine Konsequenzen gegeben. Im Gegenteil, sie sind nach Hause gekommen und haben sich wahrscheinlich wie Helden gefühlt.

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Wenn man daran denkt, wie die Polizisten vor einigen Monaten mit den Demonstranten der „Black Lives Matter“-Bewegung umgegangen sind, frage ich mich schon, ob das ganze auch so verlaufen wäre, wenn es Schwarze gewesen wären, die das Kapitol gestürmt hätten. Ich denke, es zeigt, warum so viele Afroamerikaner das Gefühl haben, auf die Straße zu gehen, um für ihre Rechte zu protestieren. Und auch ich stelle mir die Frage, ob ich mir bestimmte Dinge eher erlauben dürfte, wenn ich eine andere Hautfarbe hätte.“

„Ich habe gleich meine Verwandtschaft in Texas angerufen“

Georgia Brodka und ihr Mann Eric.

Georgia Brodka, Pächterin des Wirtshauses „Zum Augustiner“ aus Rosenheim: „Ich bin wirklich fassungslos und sprachlos. Als ich das die Ereignisse in Washington im Fernsehen gesehen habe, habe ich gleich meine Verwandtschaft in Texas angerufen, für die war es noch schlimmer. Mich macht das, was passiert ist, einfach wahnsinnig traurig.

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Ich fühle mich erstrangig nicht als Amerikanerin, aber inzwischen würde ich manchmal am liebsten meinen US-amerikanischen Pass in die Isar schmeißen. Man kann nur hoffen, dass Präsident Donald Trump so schnell wie möglich entmachtet wird – wer weiß, was dem noch einfällt. Er hat das am Mittwoch angefacht, er gehört ins Gefängnis. Das wird kein Spaziergang für Joe Biden und Kamala Harris, was von Trump übrig bleibt ist ein Desaster.“

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