Studie zum Brenner-Nordzulauf: Ist der Bahnhalt an der Rosenheimer Hochschule in Gefahr?

Bahnhalt „Hochschule“:Wenn es nach den Vieregg-Plänen geht, droht ihm möglicherweise das Aus. Schlecker

Kaum ein Thema bewegt die Region derzeit so wie der geplante Nordzulauf zum Brennerbasistunnel (BBT). Auch in der jüngsten Sitzung des Rosenheimer Stadtrats sorgte der Zulauf für viel Aufregung. Der Grund: die Vieregg-Rössler-Studie, deren Umsetzung einschneidende Folgen für Rosenheim hätte.

Von Anna Heise

Rosenheim – Empörung, Verärgerung, Unverständnis: Als der städtische Baudezernent Helmut Cybulska den Mitgliedern des Stadtrats den aktuellen Planungsstand zum Brenner-Nordzulauf vorstellte, gingen die Emotionen hoch.

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Cybulska berief sich dabei auf eine Studie des Verkehrsplaners Dr. Martin Vieregg vom Verkehrsberatungsunternehmen Vieregg-Rössler GmbH. Das Unternehmen wurde von Bürgerinitiativen und Kommunalpolitikern beauftragt, eine eigene Studie zu erstellen, die das Zukunftspotenzial der Bestandsstrecke erfassen sollte. Ende Februar erhielt die Stadt Rosenheim einen ersten Entwurf eben dieser Studie und stellte sie jetzt im Stadtrat vor. „Es geht um erhebliche Veränderungen“, kündigte Herbert Hoch, Dezernat für Recht, Sicherheit und Ordnung der Stadt Rosenheim, an.

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Denn: Vieregg bringt eine neue, eine sechste Variante, ins Spiel. Diese soll direkt durch den Rosenheimer Norden führen. Vorgeschlagen wird eine Strecke, die in der Nähe von Bebauung und im Wald teilweise im Tunnel verlaufe. Im Gegenzug würde laut Vieregg die mitten durch Wohnbebauung verlaufende bestehende Bahntrasse durch den Rosenheimer Westen, unter anderem im Egarten, vollständig verschwinden.

Geht es nach ihm, will er zudem den Bahnknoten Rosenheim grundlegend umgestalten. „Der gesamte Bahnhof müsste umgebaut werden. Von den ursprünglichen Gleisanlagen würde nicht mehr viel übrig bleiben“, sagt er.

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„Die Bahnsteige in Rosenheim müssten auseinandergezogen und sieben bis zehn Meter breiter werden“, erklärte auch Cybulska. Demnach müsste auch die Bahnhofsunterführung komplett neu gebaut werden. Zudem könne es passieren, dass der Bahnhalt „Hochschule“ mit dem Neubau der Trasse wegfällt, weil die Mühldorf-Strecke komplett neu geplant werden müsste. „Das kann, muss aber nicht sein“, sagt Vieregg. Er selbst sei überrascht gewesen, dass im Stadtrat bereits über seine „noch nicht fertige Studie“ diskutiert wurde. Zumal diese erst offiziell am kommenden Dienstag um 14 Uhr im Mail-Keller in Rosenheim vorgestellt werden soll.

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Und auch im Stadtrat gingen die Meinungen auseinander. Dr. Wolfgang Bergmüller (CSU) versteht nicht, warum man „so eine Spinnerei“ verbreiten muss. Der Vorschlag sei „nicht akzeptabel“ und für „Fürstätt undenkbar“. Ähnlich äußerte sich sein Fraktionskollege Daniel Artmann (CSU). „Im Westen der Stadt sehen die Planungen genau jene massiven Eingriffe in Natur und Landschaft vor, die der Stephanskirchener Bürgermeister für seine Gemeinde verhindern will. Schöner kann man St.-Florians-Politik nicht betreiben“, schob Artmann in einer Pressemitteilung nach. Auch die für Großkarolinenfeld vorgesehene Planung lehnt die CSU in ihrer Pressemitteilung ab: „Ein Bahnhof weit außerhalb des Ortskerns erzeugt zusätzlichen Autoverkehr“, sagte Fraktionssprecher Herbert Borrmann unter anderem. „Für keine akzeptable Lösung“ befand die Studie auch Robert Multrus (Freie Wähler/UP). Trotzdem finde er es wichtig, informiert zu werden.

Absicht der Verwaltung hinterfragt

Andreas Lakowski (SPD) hinterfragte die Absicht der Verwaltung, die Studie im Stadtrat vorzustellen. „Es ist befremdlich, wie dieser Punkt auf die Tagesordnung kommt“, sagte er. Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer (CSU) sagte, sie halte es für wichtig „zu wissen, was Tatsache ist“. Jeder könne „seine eigenen Schlüsse ziehen“. Oberbürgermeisterkandidat Andreas März (CSU) befand den Vorschlag für „absurd“.

Auch die Bahn zeigt sich überrascht

Franz Lukas (Grüne) reagierte gelassener. Er wolle das Papier lediglich „zur Kenntnis nehmen“. „Ob es sinnvoll ist, ist eine andere Frage, die wir abwägen müssen“, sagt Lukas.

Überraschend kam der Vorschlag einer sechsten Variante auch für die Bahn: „Für uns ist das eine neue Erkenntnis. Wir werden uns das am 10. März genauer ansehen.“ Indessen betont Vieregg, dass die Bahn noch nicht erklärt habe, was für den Deutschland-Takt und die Anbindung der Strecke Rosenheim-Mühldorf an den Brenner-Zulauf im Bereich Bahnknoten Rosenheim zusätzlich zur geplanten Umfahrungsstrecke alles umgebaut werden muss: „Meines Erachtens wäre auch bei einem Bau einer Umfahrung ein erheblicher Teil der Umbaumaßnahmen ohnehin erforderlich.“

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