Hü und hott auf Panger Feldern: Stadt sperrt sich gegen Pferdestall vor Toren Rosenheims

Will auf den Panger Feldern eine Reithalle bauen lassen: Josef Gilg betreibt eine Landwirtschaft in Westerndorf am Wasen
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Will auf den Panger Feldern eine Reithalle bauen lassen: Josef Gilg betreibt eine Landwirtschaft in Westerndorf am Wasen
  • Anna Heise
    vonAnna Heise
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Eine Reit- und Longierhalle, ein Stall für Pensionspferde und ein Reitplatz: Josef Gilg hat große Pläne für die Zukunft. Verwirklichen will er sie auf seinem Grundstück auf den Panger Feldern. In den Ausschüssen des Rosenheimer Stadtrates gab es für seinen Vorschlag vor allem eines: Kritik.

Rosenheim – Dort wo jetzt Felder und Wiesen sind, sollen in Zukunft drei Gebäude stehen. Jedenfalls wenn es nach Josef Gilg geht. Der 47-Jährige betreibt seit 15 Jahren den landwirtschaftlichen Betrieb in Westerndorf am Wasen. „Es ist eine Menge Arbeit.“ Er muss sich um seine 50 Milchkühe kümmern, die Aufzucht der Kälber. Hinzu komme der Ackerbau sowie die Bewirtschaftung der Wiesen und Weiden.

Mit Blick in die Zukunft

Der Betrieb laufe gut. Trotzdem will Gilg ausbauen, auch um seinen Betrieb zukunftsfähiger zu machen. „Weil auf meinem Hof dafür kein Platz ist, muss ich auf die Panger Felder ausweichen“, sagt er.

Bereits vor vier Jahren spielte er mit der Idee, sich weitere 50 Milchkühe anschaffen. Den Platz dazu hat er: Ein Teil der Panger Felder gehört zum Betrieb.

Vor drei Jahren wollte Gilg Rinderstall bauen

Vor drei Jahren beantragte er, auf einem Teil dieser Fläche einen Rinderstall mit Güllegrube und Mistplatz zu errichten. Die Mitglieder des Bauausschusses sprachen sich damals für das Vorhaben aus.

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Gebaut hat Gilg nie, auch weil er mittlerweile andere Pläne hat. Er will einen Reitplatz bauen lassen, dazu einen Stall für Pensionspferde sowie einer Reit- und Longierhalle. „Pferdehaltung hat Zukunft“, sagt er. Geht es nach ihm, soll in dem 20 auf 66 Meter großen Stall Platz für 31 Pferde sein. Gemeinsam mit seinen drei Töchtern und seiner Frau will er sich um die Versorgung sowie die Unterbringung kümmern.

Ausstieg aus Rinderhaltung sei eine Option

Die Milchkühe will Gilg auch weiterhin behalten, nur die Aufzucht der Kälber würde er aufgeben. Der fehlenden Zeit wegen.

Der Plan für die Zukunft steht. Auch das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) hat dem Vorhaben zugestimmt. So stünden für die 31 Pferde genug Auslauf- und Weideflächen zur Verfügung. Außerdem könne das Futter für die Pferde und Rinder zum größten Teil von den landwirtschaftlichen Flächen gewonnen werden.

Deutlicher Einkommensbeitrag

Laut AELF würde die Pferdepension zu einem „deutlichen Einkommensbeitrag“ führen. Das Vorhaben fällt somit in den Bereich des privilegierten Bauens.

Demnach muss ein landwirtschaftliches Bauvorhaben im Außenbereich grundsätzlich genehmigt werden, wenn die Erschließung gesichert ist und es dem landwirtschaftlichen Betrieb dient. Eine Diskussion im Stadtentwicklungs- und Baugenehmigungsausschuss gab es trotzdem – trotz eines Ortstermins.

Wichtig, an nächsten Generationen zu denken

„Unser Grund und Boden wächst nicht nach“, sagte Stadträtin Anna Rutz (Grüne). Es sei wichtig, auch an die nächsten Generationen zu denken, man könne nicht alles versiegeln. Sie regte an, zu überprüfen, ob es eine Möglichkeit gebe, den Neubau an die bereits vorhandene Bebauung anzuschließen.

Ähnlich schätzt der Fraktionsvorsitzende der SPD, Abuzar Erdogan, die Situation ein. Auch er sehe die Entwicklung der Panger Felder kritisch. Er sei wichtig, einen neuen Flächennutzungsplan zu entwerfen. Man solle genau definieren, wo es keine landwirtschaftliche Bebauung geben soll.

OB März ist für das Vorhaben

Oberbürgermeister Andreas März (CSU) sprach sich für das Vorhaben aus, sagte, es gebe keine „städtebaulichen Gründe“, warum das Vorhaben nicht genehmigt werden könnte. Ähnlich schätzte Baudezernent Helmut Cybulska die Situation ein.

Er erinnerte daran, dass das Gremium dem Vorhaben vor drei Jahren bereits zugestimmt habe. Damals habe es sich um ein „Stallgebäude in ähnlicher Größe“ gehandelt. „Das es jetzt nicht genehmigt werden soll, ist schwer nachvollziehbar.“

Borrmann will Antrag zurückstellen lassen

Laut dem CSU-Fraktionsvorsitzenden Herbert Borrmann hat eine Reithalle nichts mit einer landwirtschaftlichen Nutzung zu tun. Er schlug vor, den Antrag zurückzustellen.

Stadtrat Franz Lukas (Grüne) glaubt, dass man sich mit einer Genehmigung einen „Rattenschwanz an Folgen aufhalse“. Er befürchte, dass es nicht nur bei der Reithalle bleiben werde, sprach von Getränkeautomaten, Aufenthaltshallen und möglichen Ferienwohnungen.

Antrag vorerst zurückgestellt

Cybulska schlug vor, nochmals das Gespräch mit Gilg zu suchen. Diskutiert werden soll die Eingrünung, aber auch die Möglichkeit, die Reithalle weiter nach Westen zu verschieben. Ohne Gegenstimme einigten sich die Stadträte darauf, den Antrag zurückzustellen.

Verständnis dafür hat Gilg nicht. Seinen Vorschlag überarbeiten will er trotzdem. Damit dort, wo jetzt Felder und Wiesen sind, in Zukunft drei Gebäude stehen – eine Reit- und Longierhalle, ein Stall für Pensionspferde und ein Reitplatz.

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