Streit um "gesichtslose Budget-Billig-Hotels" in Rosenheim: Wie viele braucht die Stadt?

Masse oder Klasse, wo besteht bei der Entwicklung der Rosenheimer Hotellerie mehr Bedarf?
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Masse oder Klasse, wo besteht bei der Entwicklung der Rosenheimer Hotellerie mehr Bedarf?
  • Sylvia Hampel
    vonSylvia Hampel
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Hat Rosenheim genug Hotelbetten oder sind es zu wenig? Thomas Bugl, Wirtschaftsdezernent der Stadt, und Klaus Stöttner, Tourismus-Experte der CSU, sind sich einig, dass Rosenheim noch nicht genug Betten hat. Experten des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands zweifeln das an.

Rosenheim – Derzeit wird an der Gießereistraße ein Hotel mit 166 Zimmern gebaut. Das „Holiday Inn Express“ wird damit zu den „Top 4“ in Deutschland gehören. Nicht der besten, sondern der größten Hotels, denn laut Theresa Albrecht, Dehoga-Kreisvorsitzende, haben nur vier Prozent aller Hotels in Deutschland 100 oder mehr Zimmer. Diese 166 Zimmer werden auch gebraucht, ist Thomas Bugl sicher. Und nicht nur diese. Es seien „noch ein, zwei Projekte in der Pipeline“. Werden die realisiert, „dann ist es genug“, so der Wirtschaftsdezernent.

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Dann seien auch mehrtägige große Kongresse im Kultur- und Kongresszentrum (Kuko) möglich, weil genug Betten zur Verfügung stünden. „Bisher ist es ein logistischer Alptraum, genug Betten in erforderlicher Qualität anbieten zu können“, so Bugl mit Verweis auf Sparkassen- oder IFT-Fenstertage, bei denen mehrerer hundert Teilnehmer unterzubringen sind. Derzeit gibt es in Rosenheim 1337 Betten in Häusern mit mehr als zehn Betten, von der Pension bis zum Vier-Sterne-Haus.

Größere Kongresse in der Stadt?

„Wenn Rosenheim eine Tagungsstadt werden will, dann müssen Betten her“, sagt Klaus Stöttner, Tourismusexperte der CSU-Fraktion im Landtag. Mit der Stadthalle bestünden dafür durchaus Chancen, aber „zur Zeit sind keine 500 Betten für Kongresse vorhanden“.

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„Das Kuko ist doch für größere Kongresse gar nicht geeignet“, hält Theresa Albrecht dagegen. Sie werde die Stadt daran messen, ob denn künftig wirklich gute, große Kongresse in Rosenheim stattfinden, so die Dehoga-Kreisvorsitzende. Wann wieder große Kongresse stattfinden können, so Christina Pfaffinger vom CAT, sei derzeit noch gar nicht abzusehen und wann sich dann die Lage in Sachen Messe und Kongresse in Nach-Corona-Zeiten wieder normalisiere auch nicht.

Erschwerend komme hinzu, so Dr. Thomas Geppert, Dehoga-Landesgeschäftsführer, dass nicht nur in Rosenheim in den letzten Jahren viele Hotelbetten entstanden. Viele Institutionen hätten Hotels als gute Geldanlage gesehen, so Geppert, also sei kräftig investiert worden. 

Auch und gerade in München, wo es mittlerweile Überkapazitäten gebe. Innerhalb von zehn Jahren wuchs in München die Bettenzahl von knapp 54 000 auf gut 84 000. „Weitere Hotels wurden gerade eröffnet oder stehen vor der Eröffnung“, fügt Albrecht an. Den „Überlauf“ aus der Landeshauptstadt, der bei den großen Messen oder beim Oktoberfest in der ganzen Region die Hotels und Pensionen füllte, den wird es nach Ansicht des Dehoga so künftig nicht mehr geben. Auch wenn die Corona-Pandemie vorbei ist nicht.

Vor zehn Jahren einen Masterplan erstellt

Dass vor zehn Jahren, als ein Masterplan für die Hotellerie in und um Rosenheim aufgestellt wurde, es in der Stadt einen Nachholbedarf an qualitativ vernünftigen Betten gegeben habe, darin sind sich die Fachleute weitgehend einig. „Den Bedarf hat die Stadt mittelfristig abgearbeitet“, so Christina Pfaffinger. Mit dazu beigetragen haben, da sind sich Theresa Albrecht, Christina Pfaffinger, Bugl und Stöttner einig, auch etliche inhabergeführte Häuser, die in den vergangenen Jahren viel taten, um ihren Standard zu heben.

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Gerade denen tue aber die Entwicklung hin zu den vielen Budget-Hotels besonders weh, so Albrecht, Betriebswirtin und selbst Chefin eines Familienbetriebes. Denn die Budget-Hotels kämen mit weniger Personal aus, seien oft Teil großer Ketten und in der Lage, die Preise immer weiter nach unten zu treiben. „Familienbetriebe und Traditionsbetriebe haben das Nachsehen“ befürchtet Albrecht. Was Stöttner gar nicht recht wäre, denn „mir ist ein familiengeführtes Haus lieber als eine Hotelkette“.

Stöttner legt Wert darauf, dass die Tagungshotels nur die eine Seite der Medaille sind. Er sieht generellen Bedarf bei der Entwicklung der Hotellandschaft in der Stadt. Da sei Rosenheim nicht ideal aufgestellt. Themen- oder Boutiquehotels fehlten, es gebe kein Haus mit einem schönen Spa- oder Wellnessbereich, kein Hotel, das abends dank Restaurant und/oder Bar Treffpunkt der Rosenheimer sei. „Und wir brauchen eine Perle, einen Leuchtturm“, ein Haus mit vier oder mehr Sternen, so der CSU-Tourismusexperte.

Keine „gesichtlosen“ Billig-Anbieter

Da stößt er bei Theresa Albrecht auf Zustimmung: „Statt nur auf austauschbare, gesichtslose Budget-Billig-Hotels zu setzen, hätte die Stadt auf nachhaltige Qualitätshotellerie setzen sollen“. Bugls Ansicht: „Jeder Investor muss selber entscheiden, ob sich sein Projekt trägt oder nicht. Wir leben schließlich in einer sozialen Marktwirtschaft.“

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