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„Ein sichtbares Zeichen der Erinnerung ist überfällig“

Stolperstein vor der Rosenheimer Mädchenrealschule? Familie Block schreibt Brief an OB März

Gunter Demnig bei der Verlegung des allerersten Stolpersteins, der sich in Rosenheim findet – wenn auch auf Privatgrund vor dem Gewerkschaftshaus in der Brixstraße 2. Er erinnert an den Gewerkschaftler Ewald Thunig.
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Gunter Demnig bei der Verlegung des allerersten Stolpersteins, der sich in Rosenheim findet – wenn auch auf Privatgrund vor dem Gewerkschaftshaus in der Brixstraße 2. Er erinnert an den Gewerkschaftler Ewald Thunig.
  • Anna Heise
    VonAnna Heise
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Das Thema Stolpersteine spaltet die Gesellschaft. Während sich die Initiative „Erinnerungskultur – Stolpersteine für Rosenheim“ für die kleinen Gedenktafeln einsetzt, steht die Stadt dieser Form der Erinnerung skeptisch gegenüber. Jetzt hat die Familie Block einen Brief an Oberbürgermeister März geschrieben.

Rosenheim – Thomas Nowotny ist keiner, der schnell aufgibt. Schon seit Jahren kämpft er für die Verlegung von Stolpersteinen in der Stadt, um an die Rosenheimer Opfer des Nationalsozialismus zu erinnern. Nicht immer mit Erfolg. „Es gibt in der Stadt immer wieder die gleichen Begründungen, warum keine Stolpersteine verlegt werden können“, sagte er bereits in der Vergangenheit.

Sieben Stolpersteine auf privatem Grund

Weil er trotzdem handeln wollte, hat er im Juli 2021, gemeinsam mit den Mitgliedern der Initiative „Erinnerungskultur – Stolpersteine für Rosenheim“ und dem Berliner Künstler Gunter Demnig, sieben Stolpersteine auf privatem Grund verlegt. Erinnert wird an Isidor Camnitzer, Franz Gory Kaufmann, Katharina Reichner, Ewald Thunig sowie Alexander, Charlotte und Frieda Wiener. Weitere Stolpersteine sollen folgen. Zumindest wenn es nach Thomas Nowotny und der Familie Block geht.

Ein angemessenes Gedenken

Stellvertretend für die Familie Block hat nun Amnon Rimon – ein Verwandter – einen offenen Brief an Oberbürgermeister Andreas März und die Rosenheimer Stadträte geschrieben. „Wir verfolgen die Bemühungen der Stadt Rosenheim um ein angemessenes Gedenken für die von den Nationalsozialisten vertriebenen und ermordeten Juden aufmerksam“, heißt es in dem Schreiben und weiter: „Nach unserer Meinung ist ein im Stadtbild sichtbares Zeichen der Erinnerung überfällig.“

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Aus diesem Grund fordern sie in ihrem offenen Brief, dass vor der Schule, von der Elisabeth „Lisi“ Block im November 1938 ausgeschlossen wurde – der heutigen Mädchenrealschule an der Ebersberger Straße – ein Stolperstein an sie erinnert.

Stolperstein in ihrem Geburtsort

Wie berichtet wurde Lisi Block am 21. April 1941 von den Nazis ermordet. Seit einigen Jahren erinnern nicht nur eine Straße und ein Stolperstein in ihrem Geburtsort Niedernburg an sie, sondern auch ein Fenster in der Stadtpfarrkirche St. Nikolaus. Was fehlt, ist – zumindest in den Augen der Angehörigen und der Rosenheimer Initiative – ein Stolperstein in Rosenheim.

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„Wir schätzen diese Form des Gedenkens sehr, weil sie die Namen der Opfer an den Ort zurückbringt, von dem sie vertrieben wurden“, schreibt Rimon. Er und seine Familie fühlen sich mit der Stadt sehr verbunden und hätten deshalb bereits vor einigen Jahren die Originale von Lisis Tagebüchern dem Stadtarchiv übergeben, ebenso wie kürzlich die Zither von Lisis Schwester Trudi.

Mehrwöchige Sonderausstellung

Besagte Zither sowie ein Notenbuch sollen, wie berichtet, für zwei Wochen im Rosenheimer Rathaus ausgestellt werden. Geplant sei zudem eine mehrwöchige Sonderausstellung in der Städtischen Realschule für Mädchen. Nach der Ausstellung sollen Zither und Notenbuch dauerhaft im Städtischen Museum verwahrt werden. Wann die Ausstellung beginnt, ist im Moment noch ungewiss. „Derzeit läuft die wissenschaftliche Aufarbeitung der Ausstellung zwischen dem städtischen Kulturamt, Historikern und der Mädchenrealschule“, heißt es aus dem Rathaus.

Elternbeiratssitzung am Donnerstag

Der Wunsch der Familie nach einem, bleibenden Erinnerungszeichen aber bleibt. Das wird auch in dem offenen Brief deutlich.

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In der Mädchenrealschule findet am Donnerstag (18 eine Elternbeiratssitzung statt, während der Direktorin Magdalena Singer „das Meinungsbild erfragen will“. Sie selbst hätte kein Problem damit, wenn vor der Städtischen Mädchenrealschule ein Stolperstein an Lisi Block erinnert. Weil sich die Schule aber auf städtischem Grund befindet, liege die endgültige Entscheidung bei der Verwaltung. „Der Stadt ist es ein Anliegen, den von den Nationalsozialisten verfolgten und ermordeten Mitbürgern ein angemessenes und sichtbares Zeichen des Gedenkens und Erinnerns im öffentlichen Raum zu ermöglichen. Die Überlegungen zur passenden Form dieses Gedenkens sind noch nicht abgeschlossen“, teilt die Verwaltung mit.

Ein unwürdiges Gedenken?

Ob der Stolperstein für die Stadt eine „passende Form des Gedenkens“ ist, bleibt abzuwarten. In den vergangenen Jahren wurde immer wieder darüber diskutiert. Ähnlich wie in München. Auch hier wurde diese Art der Erinnerungsform auf öffentlichem Boden – anders als in 90 andern bayerischen Städten und Gemeinden – immer wieder abgelehnt.

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Der Münchener Stadtrat hatte sich dabei Medienberichten zufolge auf die Ablehnung von Charlotte Knobloch, Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde München, gestützt. Sie halte Stolpersteine für ein „unwürdiges Gedenken“, bei dem die „Namen jüdischer Opfer mit Füßen getreten würden“.

„Ein kurzes Erschrecken“

Eine Einschätzung die weder die Familie Block noch Thomas Nowotny teilen. „Oft es ist eher so, dass man aus Versehen fast auf die Stolpersteine tritt und sich kurz erschreckt. Und ich denke, dieser Effekt geht in die richtige Richtung“, sagt Nowotny.

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