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Mittwochabend Entscheidung im Stadtrat Rosenheim

Stolperstein-Debatte: Jetzt schaltet sich der Präsident des Zentralrats der Juden ein - Botschaft an OB März

Zentralratspräsident Josef Schuster
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Zentralratspräsident Josef Schuster.
  • Anna Heise
    VonAnna Heise
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Mit Spannung wird am Mittwoch, 23. Februar, die Entscheidung des Rosenheimer Stadtrats zum Thema Stolpersteine erwartet. Jetzt schaltet sich der der Präsident des Zentralrates der Juden, Dr. Josef Schuster, ein: mit einem Schreiben an Oberbürgermeister Andreas März. Darin enthalten: eine klare Botschaft.

Rosenheim - Der Rosenheimer Stadtrat entscheidet am Mittwoch, 23. Februar, in den Abendstunden über die Verlegung von Stolpersteinen auf öffentlichem Grund. Kurz vor der Entscheidung hat sich der Präsident des Zentralrates der Juden, Dr. Josef Schuster, in einem Schreiben an Oberbürgermeister Andreas März (CSU) gewandt. Das Schreiben liegt der OVB-Redaktion vor.

Das Schreiben im Wortlaut:

„Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

ich melde mich heute mit einem herzlichen Gruß bei Ihnen. Vom Sprecher der Initiative „Erinnerungskultur - Stolpersteine für Rosenheim“, Herrn Dr. Thomas Nowotny, weiß ich, dass die Stadt Rosenheim mit einer Entscheidung ringt, ob Stolpersteine in Gedenken an die Opfer der NS-Zeit in Rosenheim verlegt werden sollen. Gerne möchte ich Ihnen meine Position und die des Zentralrats der Juden in Deutschland darlegen.

Würdige Art des Gedenkens

Bezüglich der Stolpersteine gibt es in den Gremien des Zentralrats der Juden in Deutschland eine sehr positive Meinung. Ich persönlich halte Stolpersteine für eine sehr gute und würdige Art des Gedenkens an die Opfer der Schoa - insbesondere in Zeiten wie diesen, in denen wir vermehrt Stimmen vernehmen müssen, die eine „erinnerungspolitische Wende um 180 Grad“ unterstützen oder gar einen Schlussstrich fordern.

Unsäglich sind für mich auch die Bilder von Corona-Leugnern oder radikalen Impfgegnern, die sog. Judensterne mit der Aufschrift „Ungeimpft“ tragen oder sich mit Schoa-Opfern wie Anne Frank vergleichen. Derartigen populistischen und geschichtsrevisionistischen Tendenzen müssen wir durch ein würdiges Erinnern sowie eine resolute Bekämpfung von Antisemitismus und Intoleranz entgegentreten.

Kerzen stehen an Stolpersteinen vor der Talmud-Thora-Schule im Hamburger Grindel-Viertel.

Die Stolpersteine leisten dazu einen maßgeblichen Beitrag. Durch diese kleinen Messingplatten im Boden kommen die Menschen im Alltag mit der Schoa unvorhergesehen in Berührung. Stolpersteine verdeutlichen somit, dass jene Menschen, die grausam ermordet wurden, mitten unter uns gelebt haben und dass ihre Entrechtung und Verfolgung vor aller Augen passiert ist. Durch das Lesen der Messingsteine verbeugen wir uns wortwörtlich vor den Menschen, die den Nationalsozialisten zum Opfer fielen.

Junge Menschen pflegen die Steine

Stolpersteine regen zum Nachdenken und Nachfragen an. Dass gerade viele junge Menschen sich dem Projekt in Form von Patenschaften annehmen, die dazugehörigen Biographien recherchieren und sich der Pflege der Steine widmen, halte ich für besonders lobenswert und für einen wichtigen Beitrag zur Gedenkkultur.

Ich hoffe, Ihnen mit der Darlegung meiner Position weitergeholfen zu haben. Ich bin hoffnungsvoll, dass der Stadtrat eine Entscheidung treffen wird, die unsere Position berücksichtigt und der Wünsche der Angehörigen und Nachkommen der Rosenheimer Schoa-Opfer Rechnung trägt. Für Ihr engagiertes Eintreten gegen das Vergessen danke ich Ihnen und wäre Ihnen dankbar, wenn Sie mich über die Entscheidung des Stadtrates informiert halten könnten.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Dr. Josef Schuster“.

Ob und wie das Schreiben die Abstimmung im Stadtrat beeinflussen wird, bleibt abzuwarten.

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