Stichwahl in Rosenheim ist notwendig: Andreas März (CSU) und Franz Opperer (Grüne) müssen nochmal ran

Zufrieden mit dem vorläufigen Endergebnis: (von links) Oberbürgermeisterkandidat der Grünen Franz Opperer zusammen mit dem CSU-Oberbürgermeisterkandidaten Andreas März und Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer (CSU). Schlecker

Die Sensation ist perfekt. Nach fast 50 Jahren absoluter Mehrheit im Rosenheimer Rathaus ist die Vorherrschaft der CSU ins Wanken geraten: Oberbürgermeisterkandidat Andreas März muss mit einem vorläufigen Endergebnis von 45,6 Prozent der abgegebenen Stimmen in die Stichwahl. Sein Herausforderer wird mit 22,5 Prozent Franz Opperer von den Grünen sein. Die Wahlbeteiligung lag mit 47,5 Prozent deutlich über der von vor sechs Jahren (40,8 Prozent).

von Ilsabe Weinfurtner und Anna Heise

Rosenheim– Der Wahlabend war ein besonderer: Er geht mit einem beinahe schon historischen Ereignis zu Ende. Die Christsozialen schaffen, zum ersten Mal seit 1971, den Einzug ins Rathaus nicht im ersten Wahlgang. Und zugleich war es ein Abend, der geprägt und überschattet war von den Ereignissen rund um das Coronavirus.

Zwar hatten sich Andreas März und Franz Opperer kurz vor 18 Uhr noch die Hände geschüttelt, als sie beide beinahe zeitgleich und in Begleitung ihrer Ehefrauen am Rathaus angekommen waren. Drinnen allerdings, im großen Sitzungssaal, zeigte sich deutlich, wie sehr die Pandemie das gesellschaftliche Leben der Stadt schon einschränkt. Wenige nur waren gekommen, um die Auszählung zu verfolgen. Familie März zog sich zunächst ins Büro der Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer zurück, kam erst kurz vor 19 Uhr wieder herunter. Da stand dann auch schon fest, dass es eine Stichwahl geben wird.

Mit seinem Ergebnis ist März durchaus zufrieden. „Natürlich wäre es schön gewesen, wenn wir es gleich im ersten Wahlgang geschafft hätten“ sagte er. Doch 45 Prozent seien „wirklich traumhaft“ und auch beinahe doppelt so viel wie Opperer erreicht habe. Angesichts zahlreicher Mitbewerber habe er „sensationell gut“ abgeschnitten. Auch Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer sagte, sie sei positiv gestimmt. März habe einen „Achtungserfolg in schwierigen Zeiten“ erreicht. Für die Stichwahl sieht sie März klar im Vorteil. Ebenfalls Lob gab es von Herbert Borrmann, dem Vorsitzenden der CSU-Stadtratsfraktion. Man habe befürchtet, dass es „schwierig“ werden könnte, umso mehr sei der Erfolg zu würdigen.

Positiv gestimmt blickt gleichermaßen Franz Opperer auf sein Ergebnis. Er freue sich über die Stichwahl, bei sieben Kandidaten sei sie keine Selbstverständlichkeit, sagte er. Weniger glücklich über die erreichten 22,5 Prozent sind offensichtlich einige seiner Parteifreunde: So sagte der Grünen-Stadtrat Karl-Heinz Brauner, er hätte Opperer ein noch besseres Ergebnis gegönnt. Und auch der Fraktionsvorsitzende und Stadtrat Franz Lukas bekannte: „Ein paar mehr Prozente hätte ich mir schon gewünscht. Es liegt im Rahmen.“ Immerhin aber sei die CSU „nicht mehr die unangefochtene Mehrheitspartei“.

Internet statt Haustürwahlkampf

Während Opperer und März nun noch einmal auf Wahlmodus schalten und dabei wohl vor allem aufs Internet setzen werden, ist für die übrigen fünf Kandidaten die Wahl gelaufen.

Christine Degenhart von den Freien Wählern/UP Rosenheim erreichte zwar mit 11,7 Prozent der abgegebenen Stimmen Platz Drei. Unzufrieden ist sie dennoch. Sie hätte sich mehr erwartet, sagte sie. Und hofft nun zugleich auf ein besseres Ergebnis bei der Stadtratswahl. Das Ergebnis aber zeige, dass „die Wähler differenziert vorgehen“ und „tradierte Strukturen außen vorlassen“. Groß ist der Frust bei Robert Metzger, der auch SPD-Fraktionsvorsitzender ist. Nach 19 Prozent im Jahr 2014 musste er sich mit noch einmal acht Prozentpunkten weniger zufrieden geben. Elf Prozent sind ein schwaches Ergebnis, dass er sich nicht selbst zuschreiben möchte. Sein Wahlkampf sei engagiert gewesen, seine Partei auf Bundesebene aber „in einer Neufindungsphase“, was auf kommunaler Ebene zu spüren sei. Auch Lars Blumenhofer (FDP) schreibt sein mit 1,3 Prozent dürftiges Abschneiden nichtlokalen Ereignissen zu. Das Desaster um die Ministerpräsidenten-Wahl in Thüringen sei auf sehr viel Kritik bei den Menschen in Rosenheim gestoßen. Doch auch auf vor Ort sei es nicht leicht gewesen. „Der Bekanntheitsgrad der FDP ist schwierig.“

In einem aber sind an diesem Abend alle einig: Das Abschneiden der AfD, für die Andreas Kohlberger 4,9 Prozent geholt hat, stimmt sorgenvoll im Hinblick auf die Verteilung der Sitze im Stadtrat. Genau das, sagt Kohlberger selbst, sei Ziel der AfD gewesen, auch wenn er sich selbst mehr Stimmen gewünscht hätte. Ricarda Krüger, Kandidatin des „Bündnis für Rosenheim“, ordnet ihr Ergebnis von 2,8 Prozent in diesem Zusammenhang klar ein: „Wir hätten gerne mehr gehabt als die AfD.“

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