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Ehemaliger zweiter Bürgermeister

Stele statt Stolpersteine? Neuer Vorschlag für Gedenken an ermordete Rosenheimer Juden

Neben dem Eingang der Heilig-Geist-Kirche kann sich Anton Heindl eine Erinnerungs-Stele für die ermordeten Rosenheimer Juden vorstellen. 
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Neben dem Eingang der Heilig-Geist-Kirche kann sich Anton Heindl eine Erinnerungs-Stele für die ermordeten Rosenheimer Juden vorstellen. 
  • Jens Kirschner
    VonJens Kirschner
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Eine Stele zur Erinnerung an die ermordeten Juden aus Rosenheim – mit diesem Vorschlag bringt sich der frühere Zweite Bürgermeister Rosenheims, Anton Heindl (CSU), in die Debatte um Stolpersteine auf öffentlichem Grund in Rosenheim ein. Ein Beispiel, dem auch eine Münchener Initiative gefolgt ist.

Rosenheim – Vor der Eingangstür zur Heilig-Geist-Kirche steht Anton Heindl und deutet auf das Kopfsteinpflaster. Eine öffentliche Fläche sieht er hier, die sich besten eigne, um an jene Rosenheimer jüdischen Glaubens zu erinnern, die dem Rassenwahn der NS-Zeit zum Opfer gefallen sind. Eine Stele schwebt dem früheren Bürgermeistervize und CSU-Stadtrat vor. Eine „ansprechende“ Stele, die als Alternative zu den Stolpersteinen an die ermordeten jüdischen Rosenheimer erinnern soll.

Heindl ist inzwischen längst kein Mitglied des Rosenheimer Stadtrats mehr. Dennoch dürfte er sich mit einigen seiner früheren Fraktionskollegen darin einig sein, dass die Stolpersteine genannten Einlassungen in öffentlichen Straßen und Wegen nicht einer angemessenen Gedenkkultur entsprechen.

In Erinnerung an Paula und Siegfried Jordan hat die Aktion „Erinnerungszeichen“ an der Münchener Mauerkircherstraße 13 eine Stele errichtet. 

„Ist das ‚Stolpern‘ heute noch ein würdevoller Umgang mit Unrecht, Grauen und Tod? Wird ein Pflaster-Gedenkstein am Boden, ausgesetzt möglichen Tritten, der Wut, einer Verunreinigung vom Kot uneinsichtiger Hundebesitzer, der Erinnerung gerecht? Oder sind die ‚Stolpersteine‘ längst als ‚Kunstwerk‘ zu einem Lobby-Geschäftsmodell geworden?“, fragt er und gibt damit seinen Zweifeln an dieser Form des Gedenkens zum Ausdruck.

„Der Platz vor der Kirche ist immer frei zugänglich, barrierefrei, würde sich auch für Gedenkanlässen zu bestimmten Erinnerungstagen eignen. Vor allem eignet sich der Platz vor der Kirche als ein Ort der Erinnerung, des Gedenkens, des Mahnens und für den Frieden in unserer Welt“, begründet Heindl seinen Vorschlag, eine Stele vor der Heilig-Geist-Kirche zu errichten.

Zentraler Platz zur Erinnerung

Ein Gedanken, mit dem sich auch Pfarrer Andreas Maria Zach anfreunden kann. Er schließt sich einem Argument Heindls an: Es braucht einen zentralen Platz in Rosenheim, um einen Ort der Erinnerung an die ermordeten Rosenheimer Juden zu schaffen. Und was eigne sich dann besser, als der historisch zentrale Platz der Stadt? Wichtig ist für Zach nur, dass auch die Namen jener zu lesen sind, die wegen der Rassenideologie der Nazis ihr Leben lassen mussten.

Auch bei CSU-Fraktionschef Herbert Borrmann stößt der Vorschlag Heindls auf Zustimmunng. Borrmann sieht hier Parallelen zu jedem Modell, das man in München gewählt hat, um der Erinnerungskultur in dieser Sache Rechnung zu tragen. Dort installiert die Aktion „Erinnerungszeichen“ seit 2017 Stelen, aber auch Plaketten auf, um eine Erinnerungskultur „auf Augenhöhe“ zu gewährleisten.

„Wir brauchen eine Erinnerungskultur, aber bitte nicht in dieser Form“, sagt Herbert Borrmann. In seiner Fraktion gebe es zu dieser Form des Gedenkens jedoch keine einheitliche Meinung. Auch seitens der SPD gibt es kein abschließendes Meinungsbild. Entsprechend kann Fraktionschef Abuzar Erdogan nur seine eigene Meinung wiedergeben.

Entscheidung im Februar

Er befürworte alle würdigen Formen individuellen Gedenkens an Rosenheimer Holocaust-Opfer, inklusive der Stolpersteine. Erdogan erinnert dabei an seine Alma Mater, die Ludwig-Maximilians-Universität in München, wo am Geschwister-Scholl-Platz Flugblätter zur Erinnerung an die Aktion „Weise Rose“ eingelassen seien, ohne dass die Studenten diese mit Füßen träten.

Für den Grünen-Fraktionsvorsitzenden Peter Rutz ist die Installation einer Stele nur ein zusätzliches Element zu den – bislang ausschließlich auf privatem Grund verlegten – Stolpersteinen.

Lesen Sie auch: 16 Rosenheimer Stadträte fordern Verlegung von Stolpersteinen auf öffentlichen Grund

Die Freien Wähler/UP sind sich bei diesem Thema ebenso uneins wie die übrigen Fraktionen im Rosenheimer Stadtrat. „Meine persönliche Ansicht ist, dass wir die Stolpersteine verlegen lassen können“, sagt Multrus. Doch neben diesen gehöre noch eine allgemeine Form der Einnerung dazu, was auch in Form einer Stele vor der Heilig-Geist-Kirche geschehen könne.

„Es geht um die Erinnerung“, betont Rosenheim AfD-Fraktionschef Andreas Kohlberger, der sich sowohl mit Stolpersteinen auf öffentlichem Grund wie auch mit einem Vorschlag à la Heindl anfreunden kann. Zu welcher Lösung sich die Rosenheimer Stadträte durchringen, könnte sich im Februar entscheiden. Dann steht das Thema dem Vernehmen nach auf der Tagesordnung des Haupt- und Finanzausschusses.

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