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Interview über Klima- und Artenschutz

Steffen Storandt wird als „grüner Engel“ von Rosenheim ausgezeichnet

Bei der Verleihung im Schloss Schleißheim: Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (links) und der Vorsitzende der Rosenheimer Ortsgruppe des Bund Naturschutz, Steffen Storandt.
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Bei der Verleihung im Schloss Schleißheim: Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (links) und der Vorsitzende der Rosenheimer Ortsgruppe des Bund Naturschutz, Steffen Storandt.
  • Anna Heise
    VonAnna Heise
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Rosenheim – Steffen Storandt (69) ist seit zwei Jahrzehnten der Vorsitzende der Ortsgruppe des Bund Naturschutz. Für sein ehrenamtliches Engagement hat ihm Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber jetzt die Auszeichnung „Grüner Engel“ verliehen.

Nach dem Umweltpreis der Stadt Rosenheim haben Sie jetzt eine weitere Auszeichnung erhalten. Keine schlechte Bilanz.

Steffen Storandt: „Ich habe mich über die Auszeichnungen sehr gefreut. Es bestätigt mich in meiner ehrenamtlichen Arbeit. Zumal jährlich nur 100 Leute in ganz Bayern die Auszeichnung ,Grüner Engel‘ erhalten.“

Welche Themen liegen Ihnen am Herzen?

Storandt: „Unser Hauptanliegen ist die Bewahrung der natürlichen Lebensgrundlagen. Besonders wichtig ist der Klima- und Artenschutz. Aber eben auch die Klimaanpassung, weil uns wahrscheinlich allen bewusst ist, dass wir den Klimawandel nicht mehr verhindern können. Zudem setzen wir uns für eine Agrarwende ein und wollen, dass sich das Verhalten der Menschen verändert. Es kann beispielsweise nicht sein, dass nach wie vor so viele Lebensmittel weggeworfen werden.“

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Gibt es Dinge, die in Rosenheim bereits gut laufen?

Storandt: „Die Kraft-Wärme-Kopplung. Also die gleichzeitige Gewinnung von elektrischer Energie und nutzbarer Wärme. Allerdings müsste hier die Müllverbrennung deutlich eingeschränkt werden.“

Ein Anfang scheint hier bereits gemacht. Erst vor einigen Monaten haben sich die Rosenheimer Stadträte für die Einführung der Biotonne ausgesprochen.

Storandt: „Wenn auch meiner Meinung zu spät. Seit 2015 macht sich der Bund Naturschutz für die Einführung der Biotonne stark. Zwar ist sechs Jahre später eine Entscheidung gefallen, die Umsetzung wird aber sicherlich weitere zwei Jahre dauern.“

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Wo muss die Stadt nachbessern?

Storandt: „Bei der Wärmedämmung der Bestandsgebäude und in Sachen Photovoltaik hängen wir hinterher. Wir brauchen aber nicht nur eine Energie- sondern auch eine Verkehrswende. Wir müssen versuchen, unnötigen Verkehr zu vermeiden, aber auch daran arbeiten, den Verkehr auf Bus oder Rad zu verlagern. Ein Grund, warum ich mich auch beim Radentscheid engagiere.“

Wie zufrieden sind Sie mit der bisherigen Umsetzung?

Storandt: „Es läuft etwas zäh. In meinen Augen müsste gerade bei den großen Straßen wie in der Innsbrucker Straße, der Kufsteiner Straße, aber auch der Äußeren Münchner Straße mehr für den Radverkehr getan werden. Der Stadtrat hat sich mit einer großen Mehrheit für die Umsetzung des Radentscheids entschieden. Das heißt, an manchen Stellen muss, zugunsten des Radverkehrs, auf Autospuren verzichtet werden.“

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Haben Sie ein Auto?

Storandt: „Ja. Aber das steht meistens in der Garage. Ich fahre viel mit dem Rad. Auch zum Einkaufen. Weil ich nicht nur in meiner Freizeit viel Rennrad und Mountainbike fahre, machen mir auch längere Strecken nichts aus.“

In der letzten Zeit haben Sie sich vermehrt mit dem Thema Oberwöhr beschäftigt. Dort sollen, wie berichtet, 166 Wohneinheiten für knapp 400 Einwohner entstehen.

Storandt: „Der Bund Naturschutz ist klar gegen die geplante Bebauung. Es kann nicht sein, dass durch die Bebauung der letzte mögliche Retentionsraum in dem Stadtteil verschwindet. Zumal es auch andere Stellen in Oberwöhr gibt, auf denen gebaut werden kann. Generell ist es uns wichtig, den Hochwasserschutz weiter voranzutreiben. Und dazu gehört es eben auch, Retentionsraum zu schaffen.“

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Und dabei hat sich in Sachen Hochwasserschutz doch einiges getan in den vergangenen Jahren.

Storandt: „Es wurde viel getan. Aber nicht immer das Richtige. Es kann nicht sein, dass meist nur Dämme erhöht werden und man sich auf das weit entfernte Rückhaltebecken in Feldolling verlassen will. Zudem muss die Stadt mehr gegen Hitze und Sturzfluten tun. Stichwort Schwammstadt.“

Was versteht man darunter?

Storandt: „Ziel hierbei ist es, anfallendes Regenwasser lokal aufzunehmen, anstatt es in die Kanalisation zu leiten. Ein Teil des gespeicherten Wassers versickert und trägt zur Grundwasserneubildung bei. Bäume, Fassaden- und Dachbegrünung kühlen durch Verdunstung des restlichen Wassers.“

Sie fordern zudem, dass der Flächenverbrauch zurückgefahren wird. Wie soll also Ihrer Meinung nach der Wohnungsnot in Rosenheim begegnet werden?

Storandt: „Ich glaube, wir müssen uns überlegen, wie wir die vielen Leerstände verringern können. Auch könnte darüber nachgedacht werden, zusätzlichen Wohnraum im Aichergelände zu schaffen. Dort gibt es im Moment zum Großteil nur einstöckige Gebäude. Eine riesige Platzverschwendung.“

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Der Bund Naturschutz wird nicht überall gern gesehen.

Storandt: „Das stimmt. Wir gelten manchmal als Blockierer. Gerade was das Thema Verkehr angeht. Wir versuchen immer, unsere Standpunkte argumentativ zu belegen.“

Glauben Sie, dass viele Menschen den Bund Naturschutz mittlerweile mit anderen Augen sehen?

Storandt: „Auf jeden Fall. Themen, die wir seit Jahren im Portfolio haben, sind nach und nach immer wichtiger geworden. So hat unter anderem das Volksbegehren Artenvielfalt gezeigt, dass wir nicht alleine sind.“

Wie wichtig ist das, was Sie tun?

Storandt: „Ich glaube schon, dass wir etwas bewegen können. Vor einigen Jahren haben wir beispielsweise 5400 Unterschriften für den Erhalt der Bäume am Rosenheimer Bahnhof gesammelt. Zwar steht mittlerweile nur noch ein einziger Baum dort, aber an anderen Stellen geht die Stadt dafür jetzt vorsichtiger mit dem alten Baumbestand um. Unsere Aktionen bringen also etwas.“

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