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Vereine wissen nicht wo sie ihre Mitglieder trainieren sollen

Stadt sperrt weitere Sporthalle für Ukraine-Flüchtlinge in Rosenheim und erntet Kritik

Die Sporthalle des Sebastian-Finsterwalder-Gymnasiums soll ab der kommenden Woche für die Unterbringung von bis zu 80 Kriegsflüchtlingen gesperrt werden.
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Die Sporthalle des Sebastian-Finsterwalder-Gymnasiums soll ab der kommenden Woche für die Unterbringung von bis zu 80 Kriegsflüchtlingen gesperrt werden.
  • Anna Heise
    VonAnna Heise
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In den kommenden Wochen werden rund 200 weitere Geflüchtete aus der Ukraine in Rosenheim erwartet. Sie sollen vorerst in der Turnhalle des Sebastian-Finsterwalder-Gymnasiums untergebracht werden – und das, obwohl sich die Rosenheimer Politiker erst am Dienstag dafür eingesetzt hatten, von Sportflächen als Unterbringungsmöglichkeit abzusehen.

Rosenheim – Florian Bergmann ist frustriert. Drei Mal in der Woche steht der Sportwart des TSV 1860 Rosenheim in der Sporthalle des Finsterwalder-Gymnasiums und gibt Basketballtraining. Jetzt soll die Halle gesperrt werden – um einen Teil der Kriegsflüchtlinge, die demnächst in Rosenheim ankommen sollen, unterzubringen. „Die Doppelturnhalle des Sebastian-Finsterwalder-Gymnasiums ist eine städtische Immobilie, die schnell, vergleichsweise unkompliziert und kostengünstig in eine barrierefreie Erstunterkunft umgebaut werden kann“, heißt es aus dem Rathaus.

In der kommenden Woche soll die Halle hergerichtet werden. So soll beispielsweise ein Bauzaun aufgestellt werden, um den Bewohnern etwas Privatsphäre zu geben. „In der Halle können maximal 80 Personen untergebracht werden“, teilt die Verwaltung mit.

Neue Herausforderung für Vereine

Während damit zumindest ein Problem vorübergehend gelöst zu sein scheint, stellt es sowohl die Vereine als auch das Sebastian-Finsterwalder-Gymnasium vor neue Herausforderungen. „Wir haben ab nächster Woche weder eine Trainings- noch Spielhalle“, sagt Florian Bergmann. Er sei jetzt – gemeinsam mit dem Sportamt – auf der Suche nach Alternativen, wisse aber auch, dass die Anzahl der Hallen in Rosenheim begrenzt ist.

„Für uns ist das eine sehr bescheidene Situation“, sagt der Sportwart. Zwar habe er Verständnis dafür, dass den Menschen aus der Ukraine geholfen wird, allerdings könne er nicht nachvollziehen, warum die Kinder darunter leiden müssten. „Der Sport ist immer das Erste, was gestrichen wird“, kritisiert er.

Spielbetrieb müsste eingestellt werden

Ähnlich äußert sich Markus Biczkowski, Volleyball-Abteilungsleiter des MTV Rosenheim. „Für uns würde das bedeuten, dass wir den Spielbetrieb der Freizeitmannschaft einstellen müssten“, sagt er. Er hätte sich gewünscht, dass man sich nach Alternativen umgesehen hätte. „Das wäre dem Sport gegenüber nur fair gewesen“, sagt er.

„Menschen in Not helfen“

Weniger überraschend kam die Nachricht für Brigitte Würth, Schulleiterin des Sebastian-Finsterwalder-Gymnasiums. „Natürlich ist es nach zwei Jahren Pandemie mit einem eingeschränkten Sportunterricht bedauerlich, dass die Halle jetzt gesperrt wird. Doch jetzt geht es in erster Linie darum, Menschen in Not zu helfen“, sagt sie.

Und genau das sei auch ihren Schülern ein großes Anliegen. „Es hat sich sogar auf Initiative der Schüler ein extra Arbeitskreis gebildet, der sich mit zahlreiche Aktionen für die Ukrainehilfe engagiert“, sagt Würth. In den kommenden Monaten plant sie, den Sportunterricht nach draußen zu verlegen. So könnten die Stunden neben der verbleibenden Sporthalle am Nörreut im Jahn-Stadion, im Freibad oder sogar auf dem Landesgartenschaugelände stattfinden. „Ein Problem wird es erst im Winter geben. Aber Probleme sind dafür da, um gelöst zu werden“, sagt die Schulleiterin.

Alternativen zu Sport- und Spielflächen

Und doch ist es ein Problem, das es so eigentlich nicht hätte geben sollen. Denn bereits am Dienstag hatten sich die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses dafür eingesetzt, dass man sich in Zukunft Alternativen zu Sport- und Spielflächen überlegt.

„Es kann nicht sein, dass die Entscheidung zwischen ‚Schul- und Vereinssport‘ versus ‚Unterbringung ukrainischer Geflüchteter‘ provoziert wird“, sagte Abuzar Erdogan, Fraktionsvorsitzender der SPD. Dass die Stadt nur einen Tag später beschlossen hat, die Sporthalle des Finsterwalder-Gymnasiums für die Unterbringung von Kriegsflüchtlingen zu sperren sei bedenklich. Die Verwaltung mache es sich seiner Meinung nach zu einfach. Auch weil es Alternativen wie das Gelände der Bundespolizei oder das ehemalige Gesundheitsamt an der Rathausstraße 30 gebe.

Schnelle Lösung wurde gesucht

Doch genau das ist laut Verwaltung eben nicht der Fall. „Aufgrund der kurzfristigen Ankündigung der Zuweisungen muss die Stadt sofort Unterbringungsmöglichkeiten schaffen“, teilt die Verwaltung mit. Es werde mit Hochdruck an Alternativen abseits von Turnhallen gearbeitet. „Die stehen jedoch alle nicht kurzfristig, also binnen weniger Tage, zur Verfügung“, teilt die Stadt mit.

So würden beispielsweise im ehemaligen Gesundheitsamt Duschen und Sanitäranlagen fehlen, zudem könne der Brandschutz nicht gewährleistet werden. Die Kaserne der Bundespolizei sei ein sicherheitsrelevantes Gebäude, auf dem der dauerhafte Unterbringung von Flüchtlingen laut Stadt nicht möglich ist.

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