Stadt Rosenheim will ÖPNV finanziell unterstützen – aber es gibt Bedingungen

Steht in der Kritik: Den Rosenheimer Stadtverkehr hat die Corona-Krise besonders hart getroffen. Die Stadt will dem Unternehmen jetzt finanziell unter die Arme greifen. Doch dafür soll sich einiges verbessern.
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Steht in der Kritik: Den Rosenheimer Stadtverkehr hat die Corona-Krise besonders hart getroffen. Die Stadt will dem Unternehmen jetzt finanziell unter die Arme greifen. Doch dafür soll sich einiges verbessern.
  • Anna Heise
    vonAnna Heise
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Der Stadtverkehr steckt in der Krise. Die Fahrgastzahlen sind niedrig, die finanziellen Verluste groß. Jetzt will die Stadt Rosenheim den ÖPNV mit 400.000 Euro unterstützen, um den Busverkehr in diesem Jahr auch weiterhin sicherzustellen. Doch an das Geld sind Bedingungen geknüpft.

Rosenheim – Zu spät, zu voll, zu umständlich: Als am Mittwochabend über die Zukunft des Rosenheimer Stadtverkehrs diskutiert wurde, fielen nur wenige positive Worte. „Wir haben das Vertrauen in den ÖPNV verloren“, sagte der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Franz Opperer. Abuzar Erdogan, der Fraktionsvorsitzende der SPD, ging noch einen Schritt weiter: „Der Busverkehr ist schlecht“. Er kritisierte die fehlenden Anbindungen der nördlichen und südlichen Stadtteile an den Aicherpark, aber auch den nicht existierenden Busverkehr am Sonntag.

Mit dem Auto schneller unterwegs

„Jeder, der irgendwo hinkommen will, kommt in der Regel schneller mit dem Auto hin – und das mag in Rosenheim schon etwas heißen“, fügte er hinzu.

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Es sind harte Worte, gerichtet an den Mann, der an der Sitzung gar nicht erst teilnahm. „Wieso soll ich mich stundenlang beschimpfen lassen, wenn ich sowieso nichts erwidern kann“, sagt Ingmar Töppel, der Geschäftsführer des Rosenheimer Stadtverkehrs, einen Tag später am Telefon. Seit 16 Jahren betreibt er den Rosenheimer Stadtverkehr eigenwirtschaftlich.

Fahrgastzahlen drastisch eingebrochen

Doch die Corona-Krise hat auch sein Unternehmen hart getroffen. Die Fahrgastzahlen seien drastisch eingebrochen, ein eigenwirtschaftlicher Betrieb ohne finanzielle Unterstützung im Moment nicht möglich. Und genau hier kommt die Stadt ins Spiel. Geht es nach Oberbürgermeister Andreas März (CSU), soll der ÖPNV finanziell unterstützt werden. Dafür müssten Haushaltsmittel umgewidmet werden. Die 400 000 Euro, die im Haushalt zur Umsetzung des im November 2019 beschlossenen Nahverkehrsplans eingestellt wurden, sollen jetzt dem ÖPNV zugutekommen.

Schüler müssen pünktlich in die Schule kommen

Doch ganz so einfach wollten die Stadträte das Geld dann doch nicht rausrücken. „Die finanziellen Mittel müssen an Bedingungen geknüpft werden“, sagt Stadtrat Daniel Artmann (CSU). So sei es beispielsweise die Aufgabe der Stadt, dafür zu sorgen, dass die Schüler in der „kalten, nassen und dunklen Jahreszeit“ pünktlich und ohne Umwege in die Schule kommen. Wünschenswert seien außerdem eine schnellere Taktung sowie Sprinterlinien. Und auch am Samstagabend und am Sonntag soll es, nach dem Willen des Stadtrates, eine Busverbindung geben.

Busse fahren samstags jetzt länger

Doch genau hier gehen die Meinungen zwischen den Stadträten und dem Busunternehmer auseinander. „Am Samstag ab 14 Uhr wird es ruhiger“, sagt Töppel. Trotzdem habe er sich die Kritik zu Herzen genommen, habe dafür gesorgt, dass die Busse am Samstag trotz der ausgedünnten Fahrgastzahlen länger fahren. Aber: „Am Sonntag gibt es keine erkennbare Nachfrage“, sagt Töppel. Es habe schon mehrere Versuche gegeben, angenommen wurde keine.

„Es stimmt nicht, dass wir keine Nachfrage haben. Wir müssen erst ein attraktives Angebot schaffen, damit es auch angenommen wird“, sagte Artmann.

Finanzielle Zuschüsse sollen begrenzt sein

Ein Angebot zu schaffen, ist laut März aber eben nur dann möglich, wenn es finanzielle Zuschüsse gibt. Diese sollen, so ging es aus der Diskussion im Stadtrat hervor, bis zum 15. November begrenzt werden. Diese Befristung solle dem Busunternehmer genügend Zeit geben, um über sinnvolle und finanzierbare Lösungen nachzudenken, teilt die Stadtverwaltung mit. „Aber mit der Befristung soll auch Druck auf den Unternehmer ausgeübt werden“, fügt März hinzu. Trotzdem brauche es Zeit, den ÖPNV wieder auf stabile Beine zu stellen.

Töppel sieht auch Stadt in die Pflicht

Doch Ingmar Töppel nimmt auch die Stadt in die Pflicht. „Solange es einen kostenlosen Parkplatz in der Stadt und zahlreiche Parkhäuser gibt, muss man sich nicht wundern, wenn niemand freiwillig in den ÖPNV einsteigt“, sagt der Geschäftsführer.

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Seiner Meinung nach werde der ÖPNV unnötig schlecht geredet. Dinge verbessern will er trotzdem. „Es gibt nichts, was wir nicht noch besser machen können.“ Aber dafür müsse man eben auch „Geld in die Hand nehmen“. Die Abstimmung fand im nicht öffentlichen Teil statt. Wie die ausgegangen ist, darüber gab die Stadt keine Auskunft.

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