Stadionverkauf möglich

"Uns kann es egal sein, ob uns das Stadion dem Verein gehört oder der Stadt", sagt Winfried Dinglreiter, Kassier der Fußballabteilung von 1860 Rosenheim - hier ein Bild vom Pokalspiel des Regionalligisten im Jahn-Stadion gegen den FC Bayern.  Foto  Ruprecht
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"Uns kann es egal sein, ob uns das Stadion dem Verein gehört oder der Stadt", sagt Winfried Dinglreiter, Kassier der Fußballabteilung von 1860 Rosenheim - hier ein Bild vom Pokalspiel des Regionalligisten im Jahn-Stadion gegen den FC Bayern. Foto Ruprecht

Die Fußballabteilung des TSV 1860 steckt finanziell in allergrößten Schwierigkeiten. Das pfeifen die Spatzen von den Dächern, und auch der Gesamtvereinsvorsitzende Adolf Dinglreiter bestätigt diese Tatsache. Retten, was zu retten ist, lautet nun das Motto. Was zwischen der Stadt und dem Verein schon länger im Gespräch war, könnte helfen: Der Verkauf des Jahn-Stadions an die Stadt.

Rosenheim - Im Oktober berichtete das Oberbayerische Volksblatt, der Fußballabteilung stünde das Wasser bis zum Hals. Um im Bild zu bleiben: Nun schwappt ihr das Wasser bis über die Ohren. Wenn die Abteilung ihre erheblichen Schulden nicht abbauen kann, ist sie nicht mehr kreditwürdig. Schon gar nicht lassen sich dann neue Trainingsplätze anlegen. Auf diese sind die Fußballer aber dringend angewiesen, um sportlich als Regionalligist am Ball zu bleiben.

Nach Informationen unserer Zeitung ist ein Verkauf des Stadions an die Stadt schon länger im Gespräch. Am Mittwoch wird der Stadtrat in nichtöffentlicher Sitzung entscheiden, ob die Weichen in diese Richtung gestellt werden sollen.

Tatsache ist , dass die Stadt daran interessiert ist, den Rasenplatz und die Tartanbahn für den Schulsport zu sichern, für immerhin 1000 Schüler des Finsterwalder-Gymnasiums und 900 der Johann-Rieder-Realschule. Deshalb hatte die Stadt im letzten Jahr auch schon den Kunstrasenplatz erworben. Beide Schulen liegen nur einen Steinwurf weit vom Stadion entfernt. Nach anderen Grundstücken, auf denen Schulsportplätze angelegt werden könnten, hält man in der näheren Umgebung vergeblich Ausschau.

Fußball-Abteilungsleiter Hans Klinger, auch zuständig für die Finanzen, will sich zur derzeitigen Situation nicht äußern. Adolf Dinglreiter, Vorsitzender des Gesamtvereins, betont, dem Hauptverein gehe es "prächtig". "Aber es stimmt, die Fußballabteilung hat über ihre Verhältnisse gewirtschaftet", gibt er unumwunden zu. Sein Sohn Winfried Dinglreiter, nicht nur Kassier der Fußballabteilung, sondern auch zuständig für das Sponsoring, will das so nicht stehenlassen. Immerhin habe der TSV 1860 die Stadionsanierung vor einigen Jahren ohne städtischen Zuschuss bewältigen müssen. Dies hänge der Abteilung heute noch nach. Wenn die Stadt nun das Stadion mit Rasenplatz und Tartanbahn übernehmen und die Abteilung dadurch finanziell wieder auf die Beine komme würde, sei dies ein gerechter Ausgleich. "Uns kann es egal sein, ob das Stadion dem Verein gehört oder der Stadt", meint er, an den Nutzungsrechten würde sich ja nichts ändern.

Jedenfalls könnte die Abteilung auf diese Weise schuldenfrei in die neue Saison starten - bis zum 14. März muss die Anmeldung erfolgen, wenn die Fußballer in der Regionalliga weiterspielen wollen.

Schuldenfrei könnte der Verein dann auch erneut nach dem fehlenden Hauptsponsor suchen. Dass bisherige Interessenten die Befürchtung gehabt haben könnten, erst einmal die finanziellen Altlasten abtragen zu müssen, wenn sie sich beim TSV 1860 engagieren, weist Winfried Dinglreiter zurück: "Das war in den Gesprächen bisher nie Thema." Aber natürlich wäre es angenehmer, von einer bereinigten finanziellen Basis aus neu zu starten.

Wären die Finanzierungen im Lot, hätte der Verein auch Geld für neue Trainingsplätze. Doch der ins Auge gefasste Standort im Norden der Stadt ist laut Adolf Dinglreiter nicht mehr im Gespräch. Das Grundstück ist nicht erschlossen. Man hätte erst Gas- und Wasserleitungen verlegen müssen. Bei jedem anderen Standort sei erst einmal die Frage des Anwohnerschutzes zu klären. Dinglreiter spricht von einer "sehr schwierigen Geschichte".

Die Stadt gibt zu alledem mit Hinweis auf die nichtöffentliche Sitzung am morgigen Mittwoch keinerlei Auskunft.

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