KUNST IM ÖFFENTLICHEN RAUM (FOLGE 96)

Sprudelnder Quell

Der Bildhauer Alfred Regnat gewann 1983 den Wettbewerb für den Brunnen im neu zu gestaltenden Pausenhof des  Ignaz-Günther-Gymnasiums. Die Bronzeskulptur setzt das Motiv des sprudelnden Quellsteines in einer abstrahierten Formum. Frick
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Der Bildhauer Alfred Regnat gewann 1983 den Wettbewerb für den Brunnen im neu zu gestaltenden Pausenhof des Ignaz-Günther-Gymnasiums. Die Bronzeskulptur setzt das Motiv des sprudelnden Quellsteines in einer abstrahierten Formum. Frick

Rosenheim – Auf dem Pausenhof des Ignaz-Günther-Gymnasiums befindet sich vor dem Erweiterungsbau mit der Aula ein mächtiger Bronzebrunnen.

Aus drei rosenartig gefassten Quellsprudeln läuft das Wasser in einer lebendigen Struktur über die Oberfläche und ergießt sich über sieben Kaskaden hinweg nach unten, wo es in Ausläufen in der Pflasterfläche im Untergrund verschwindet.

Geschaffen hat diesen Rundling, der mit seinen 280 Zentimetern Durchmesser und 70 Zentimetern Höhe wie eine dicke Scheibe fest auf dem Boden ruht, der in Zaisberg bei Vogtareuth lebende Bildhauer Alfred Regnat.

Doch lassen wir den Künstler selbst zu Wort kommen: „Die Brunnenplastik stellt, in Anlehnung an einen Quellstein, eine runde Wasserlandschaft dar, in deren Mitte aus spiralförmigen Öffnungen drei tanzende Wasserkerzen quallern. Die Plastik ist von lebhaften, ineinander fließenden Formen überzogen, die in eine differenzierte Wasserfläche, gleich flussbettartigen Verläufen in Vertiefungen und Windungen, übergehen. Rinnen und Einkerbungen führen das Wasser weiter, auch über die Gestaltung an den Seiten, zu einer kreisförmigen, den Brunnen umgebende Kopfstein-Pflasterung, hin zu einer Umwälzanlage.“

Ausgangspunkt war die 1984 fertiggestellte Erweiterung des traditionsreichsten Gymnasiums Rosenheims, das schon lange unter Raumnot litt. Der Planer, Architekt Richard Oeßwein von der Stadt Rosenheim hatte im rechten Winkel zu den beiden alten Baukörpern von 1895/96 beziehungsweise 1900 einen neuen Teil eingefügt. Damit ergab sich eine sinnvolle Raumabfolge vom neuen Eingang an der Prinzregentenstraße, über die Pausenhalle/Aula mit Bühne bis hin zu den Unterrichtsräumen für Musik und die darüber befindliche Doppelturnhalle.

1963 hatte Planer Oeßwein, der damals neu aus der Pfalz ans Rosenheimer Stadtbauamt gekommen war, schon einen ersten Erweiterungsbau für das Humanistische Gymnasium in Rosenheim geschaffen. Die „Kunst am Bau“ vertraten damals Karl Prokop mit insgesamt vier Wandgemälden und Erika Lochmüller mit ihren Keramik-Friesen.

Wettbewerb für Kunst am Bau ausgelobt

Die planerischen Ansprüche für die Erweiterung von 1984 waren wesentlich komplexer, doch auch jetzt durfte die „Kunst am Bau“ nicht zu kurz kommen, wie Richard Oeßwein ausführt: „Das architektonische Bemühen um eine überzeugende Einfügung der neuen Baukörper in die denkmalgeschützte Bausubstanz findet seine Entsprechung in der Auslobung von zwei Wettbewerben zur künstlerischen Ausgestaltung der Aula und des Pausenhofes, nämlich eines Glasbildes von Florian Lechner und einer Brunnenplastik von Alfred Regnat sowie den Bronzetürgriffen von Franz Lankes.“

Am 26. November 1983 berichteten die OVB-Heimatzeitungen über das Ergebnis des Brunnen-Wettbewerbs für den Pausenhof. Den ersten Preis errang Alfred Regnat, den zweiten Preis seine Frau, die Bildhauerin Inge Regnat-Ulner, und den dritten Preis Erika M. Lankes, die einen „Mofagedenkstein“ entworfen hatte. Inge Regnat-Ulners Entwurf sah eine abgeflachte Bronzekugel mit Darstellungen von Themen aus der griechischen Mythologie vor.

Alfred Regnat, Meisterschüler bei Josef Henselmann an der Münchner Akademie, hatte mit seinem Entwurf einmal mehr auf die spezielle Platzsituation reagiert: „Der Entwurf sah vor, zwischen dem großen, gepflasterten Pausenhof und den Treppen zur Aula (Forum) an einem stark frequentierten und exponierten Punkt, einen lebendigen, plastischen Akzent zu setzen. Gleichzeitig aber auch eine Art Anknüpfung zu den weiteren Ebenen zu schaffen.“ Das entsprach voll der Intention des Architekten, der bewusst die alten Bäume und die verschiedenen Höhenniveaus in seine Planungen mit einbezogen hatte.

Zum Herstellungsprozess erläutert Alfred Regnat: „Nach einem Entwurf im Maßstab 1:10, dem Wettbewerbs-Gewinn mit 1. Preis und der daraus hervorgegangenen Beauftragung, wurde die Brunnenplastik in Styropor im Maßstab 1:1 aufgebaut, vergipst und in einer Bronzegießerei in München in mehrfachen Teilen in Bronze gegossen, zusammengeschweißt und im Schulhof im Rosenheimer Ignaz-Günther-Gymnasium aufgestellt.“ Inge Regnat-Ulner – die beiden hatten sich während ihrer Studienzeit an der Münchner Akademie kennen und lieben gelernt – hatte maßgeblich bei der Erstellung des Gussmodells mitgearbeitet und wurde deshalb als Mitschöpferin des Werkes verewigt.

Aktuell bedauert es Alfred Regnat, dass am Brunnen kein Wasser fließt und „nur noch nach einem Regenguss wieder eine Wasserlandschaft daraus wird.“ Eine Rückfrage an der Schule ergab, dass die Pumpanlage defekt sei, aber repariert werden solle.

Es wäre schön, wenn der Quell bald wieder sprudeln würde.

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