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Spielnachmittage für die Flüchtlinge

Spielerisch gegen das Trauma: So hilft ein Rosenheimer Gymnasium Kindern aus der Ukraine

In der Mensa basteln die Kinder zusammen mit einigen Eltern. In Zukunft will die Schule das Angebot sogar noch ausweiten und plant unter anderem einen Minigolfnachmittag und einen Besuch beim „Frühling in Rosenheim“..
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In der Mensa basteln die Kinder zusammen mit einigen Eltern. In Zukunft will die Schule das Angebot sogar noch ausweiten und plant unter anderem einen Minigolfnachmittag und einen Besuch beim „Frühling in Rosenheim“..

Spaß haben und einfach Kind sein können – Wünsche, die für Kinder aus der Ukraine derzeit oftmals weit entfernt sind. Um den Flüchtlingen aus der Ukraine wenigstens ein Stück Normalität zu bieten, organisiert das Rosenheimer Ignaz-Günther-Gymnasium Spielenachmittage für ukrainische Kinder.

Von Johannes Hoose

Rosenheim – Ausgelassen spielen die Kinder miteinander. Die Realität der Flucht scheint in diesem Moment weit entfernt. In der Turnhalle des Gymnasiums ist ein Hindernisparcour aufgebaut, in der Mensa wird gebastelt. Wer von den Kindern Schüler aus dem Raum Rosenheim und wer aus der Ukraine ist, lässt sich schwer erkennen.

Schulpsychologe und Unterstufenbetreuer Michael Thoma des Rosenheimer Ignaz-Günther-Gymnasiums (IGG) ist zufrieden mit der Aktion. Er organisiert die Spielenachmittage zusammen mit der Schülermitverantwortung (SMV) und den Vertrauenslehrern. Die Initiative sei aber zu einem Großteil von den Schülern ausgegangen, erklärt er gegenüber den OVB-Heimatzeitungen.

In der Turnhalle oder auf dem Schulhof

Bereits vor der Ankunft der ersten Flüchtlinge in der Luitpoldhalle lief vonseiten der SMV die Planung für mögliche Hilfsangebote an. Hierbei entstand die Idee, Spielenachmittage für die geflüchteten Kinder anzubieten. Ziel ist es, den geflüchteten Kindern ein Stück Normalität zu geben, damit sie auch in einer Situation wie dieser Spaß haben und Kind sein können.

Zwei- bis dreimal in der Woche dürfen sie nun also den Nachmittag am Ignaz-Günther-Gymnasium verbringen. Je nach Witterung findet das vielfältige Angebot entweder auf dem Schulhof oder in der Turnhalle statt. Hier können die Kinder mit Schülern aller Jahrgangsstufen spielen. In der Mensa können sie außerdem auch basteln.

Schulpsychologe Thoma hat seit der ersten Veranstaltung bereits Veränderungen im Verhalten der ukrainischen Kinder beobachtet: „Die ersten paar Male waren sie noch sehr zurückhaltend und auch etwas verängstigt, aber mittlerweile spielen sie schon ganz fröhlich mit unseren Schülern.“

Mittlerweile sind auch Eltern dabei

Zu Beginn der Aktion seien es auch hauptsächlich die Kinder gewesen, die die Nachmittage am IGG verbrachten. „Es ist natürlich vollkommen verständlich, dass die Eltern die Zeit nutzen wollten um etwas zur Ruhe zu kommen“, so Thoma. Mittlerweile sind aber auch einige der ukrainischen Eltern dabei. In der Mensa ist ein Büfett mit Kuchen und Getränken aufgebaut. Hier können sie zusammensitzen und sich austauschen.

Doch das Engagement des Gymnasiums geht noch weiter. Um nicht nur hier, sondern auch in der Ukraine direkt zu helfen, startete Thoma über die Internetseite betterplace.org eine Spendenaktion. Auf der Seite konnten Eltern Geld spenden, welches dann der Unicef zur Verfügung gestellt wurde. Von diesem Geld werden Hilfsgüter besorgt und in die Kriegsgebiete transportiert.

Zu Beginn setzte Thoma das ambitionierte Ziel von 10.000 Euro. „Ich war anfangs auch nicht sicher, ob das überhaupt machbar ist“, gibt er zu. Aber innerhalb von nur fünf Tagen wurde die Marke geknackt. So waren es schlussendlich insgesamt 11.593,69 Euro an Spenden, die innerhalb der Schulfamilie zusammenkamen.

Buntes Treiben herrscht bei den Spielenachmittagen in der Turnhalle des Ignaz-Günther-Gymnasiums.

Der Scheck wurde mittlerweile von Thoma an Unicef Deutschland übergeben. Die Spenden reichen laut der Organisation für knapp 1500 Decken sowie 100 Erste-Hilfe-Sets für Menschen in der Ukraine.

Scheckübergabe: (von links) Unterstufenbetreuer Michael Thoma, SWM-Koordinatorin Beate Englisch, Schülersprecher Leonhard Penninger, Schulleiter Dieter Friedel, Schülersprecherin Anne Lentner, Thomas Tramp, Vorsitzender des Elternbeirat, und Iris Huber von Unicef.

Schulleiter Dieter Friedel freut sich über dieses soziale Engagement in der Schulfamilie. Auch er ist bei den Spielenachmittagen dabei und beobachtet. „Es war sehr bewegend, man sieht, wie gut es den Kindern tut, mal für ein paar Stunden alles zu vergessen“, sagt er. Wichtig sei es natürlich auch gewesen Aktivitäten zu finden, bei denen die Sprachbarriere kein Problem darstellt. Das sei aber gut gelungen.

Besonders jüngere Schüler beschäftigt die aktuelle Situation. Viele machen sich Sorgen um die Sicherheit in Europa und ob dieser Krieg nicht auch zu uns kommen könnte. Die Lehrer müssen derzeit im Unterricht mit viel Fingerspitzengefühl arbeiten, wenn sie versuchen, den Kindern diese Situation zu erklären. Um den Lehrern diese Arbeit abzunehmen, hat Thoma einen schulinternen Info-Chat für die fünften bis siebten Klassen eingerichtet. Dort versucht er unter anderem, Themen wie „Fake News“ möglichst kindgerecht zu erklären und zeigt, wie man guten Journalismus von schlechtem unterscheiden kann. Außerdem können die Kinder hier auch selbst anonym Fragen stellen, welche Thoma dann für alle beantwortet.

Ihm sei es besonders wichtig, den Kindern im Umgang mit dieser Situation zur Seite stehen und zu versuchen, ihnen auch ein bisschen die Angst vor dem Krieg zu nehmen. Für viele der jungen Schüler sei es zudem das erste mal, dass sie sich wirklich mit Europa und Bündnissen wie der NATO auseinandersetzen müssen.

Erweiterung der Nachmittage geplant

Eine Erweiterung des Angebots ist ebenfalls in Planung. So sollen laut Thoma in Zukunft auch außerhalb des Schulgeländes Aktivitäten für die ukrainischen Kinder stattfinden. Unter anderem ist hier ein Minigolfnachmittag in Bad Aibling sowie ein gemeinsamer Besuch des „Frühlings in Rosenheim“ am Ludwigsplatz geplant. So will man den Kindern auch Stadt und Umgebung zeigen – und mithelfen, dass die Region schnell zu einer zweiten Heimat für die Kriegsflüchtlinge wird.

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