„Sommer in Rosenheim“ statt Herbstfest: Die coronagebeutelten Schausteller ziehen Bilanz

Am Salinplatz verkauft Irene Hanika Luftballons. Eine gute Lage, wie sie findet.
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Am Salinplatz verkauft Irene Hanika Luftballons. Eine gute Lage, wie sie findet.
  • vonAnna Hausmann
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Rosenheim – Wegen Corona zogen die Schausteller von der Loretowiese in die Innenstadt: Am Samstag wäre das Herbstfest losgegangen.Vier Schausteller von „Sommer in Rosenheim“ erzählen, wie es ihnen seitdem erging.

Irene Hanika von der Firma Rudi Balone aus Rosenheim:‘Der Sommer in Rosenheim‘ ist sehr gut angelaufen. Ich bin zufrieden, sehr sogar. Die Leute unterstützen mich. Wir freuen uns, dass wir verkaufen können. und die Leute freuen sich über unsere Ballons. Wenn es heiß ist, ist es natürlich schwierig für uns. Die meisten Leute sind beim Baden, das ist auch verständlich. Doch am Nachmittag, wenn es schon bewölkter ist, kommen viele Familien mit ihren Kindern vorbei. Das ist so schön, wenn sich die Kinder freuen.

„Wieder Leben in der Stadt“

Auch die älteren Leute sagen: ‚Endlich ist wieder Leben in der Stadt.‘ Mein Mann steht im München am Wittelsbacher Platz, da ist es schwer. Wenn hier am Salinplatz noch ein Fahrgeschäft wäre, wäre hier viel mehr los. Das Herbstfest würde diese Woche losgehen. Normalerweise haben wir große Trauben mit 300 Ballons, heute ist das natürlich etwas abgespeckt. Jetzt ist es wichtig, positiv zu denken. Ich hoffe auch, dass nächstes Jahr wieder das Herbstfest stattfinden kann. Die Leute vermissen es. Und für uns ist es ein Traumplatz. Mir fehlen die Italiener und die Östereicher. Seit Dezember ist das hier der erste Platz, wo wir Einnahmen haben.“

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Andreas Bretz (62) von Christa’s und Andi’s Baumstriezeleiaus aus Obing am See:

Familienbetrieb bei Andreas Bretz: Hier hilft auch mal sein Enkel Johannes Arz aus.

„Meine Frau Christa und ich haben uns vor zehn Jahren mit unseren Wagen selbstständig gemacht. Damals war es natürlich ein Risiko. Aber es lief richtig gut. Heuer wären wir das ganze Jahr über ausgebucht gewesen, hätten bei Stadt- und Mittelalterfesten unsere Baaumstriezel und Langosch verkauft.

„Corona hat das alles auf den Kopf gestellt“

Corona hat das alles auf den Kopf gestellt. Im März wurden erst einmal alle Termine abgesagt, das war schon ein kleiner Schock. Umso schöner ist es, dass Rosenheim jetzt diese Möglichkeit bietet, sonst wäre wahrscheinlich erst mal lange nichts passiert. Ich bin vom ‚Sommer in Rosenheim‘ sehr positiv überrascht. Wir haben viele Stammkunden, die extra zu uns kommen, um unsere Baumstriezel zu essen. Wir haben hier auch wirklich eine optimale Lage. Bis zum 6. September stehen wir vor dem Galeria Karstadt Kaufhof. Es ist schön, dass die Kunden nach dem Einkaufen noch Lust auf einen Baumstriezel haben. Wir hoffen einfach, dass wir alle in Rosenheim diese Zeit gut überstehen. Eine besonders große Umstellung hatten wir eh nicht: Die Hygiene muss in der Gastronomie sowieso immer passen, nun trennt uns eben noch eine Glasscheibe von den Kunden. Ansonsten müssen wir alle auf den Abstand achten, dann schaffen wir das.“

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Hendrik Branicki jun. (35) vom Schaustellerbetrieb Branicki aus Rottau am Inn:

Dosenwerfen bei Hendrik Branicki: Er hat sich ein zweites Standbein aufgebaut.

„Corona war ein heftiger Schlag ins Gesicht. Ich hatte das Gefühl, es wurde uns Schaustellern besonders schwergemacht. Alle Volksfeste und Märkte wurden abgesagt. Wir haben einen Familienbetrieb, ich bin mit unseren Ständen aufgewachsen. So etwas wie jetzt habe ich noch nie erlebt. Aber da muss man eben eine Lösung finden: Ich habe mir dann überlegt, dass wir Edekas beliefern können. Die Supermärkte verkaufen unsere Mandeln, Magenbrot und Lebkuchenherzen für uns. Das funktioniert sehr gut. Die Mini-Wiesn läuft auf jeden Fall besser als erwartet, ich hatte mit deutlich weniger Menschen gerechnet. Das alles zeigt mir vor allem eine Sache: Es wäre definitiv möglich, Volksfeste zu feiern. Es müssen sich nur alle an die Vorgaben halten. Eigentlich würden wir jetzt mitten in den Vorbereitungen für das Herbstfest stehen, hätten unseren Imbiss, den Schießwagen und die Herzlmalerei schon aufgestellt. Momentan können wir uns noch gut über Wasser halten. Wir befürchten aber, dass Corona uns noch länger im Griff haben wird.“

„Das Herbstfest ist unsere fünfte Jahreszeit!“

Werner Hermann sehnt sich nach dem Herbstfest. Es sei ein großer Verlust für alle.

Werner Hermann (79) vom Hermann‘s Mandelbrennerei aus Rosenheim: „Die Stände, die wir hier haben, sind leider kein Ersatz fürs Rosenheimer Herbstfest. Es ist ein Riesenverlust für alle – für uns Schausteller und für die Rosenheimer. Natürlich, es ist besser als nichts. Wir haben Tage, die nicht schlecht laufen. Aber es ist kein Vergleich. Nach dem Krieg stand ich schon mit meinem Vater im Wagen beim Mandelverkauf. Das Rosenheimer Herbstfest ist das schönste Fest in ganz Bayern, angefangen beim Aufbau. Die Stimmung fehlt uns einfach. Ich bin fast 80 Jahre alt, in dem Alter muss man während Corona natürlich besonders vorsichtig sein. Die Mini-Wiesn ist trotzdem eine gute Notlösung. Wir bedanken uns vor allem bei der Stadt, dass wir ohne Standgeld unsere Waren verkaufen dürfen. Am Anfang lief es hier nicht so gut. Vor allem bei heißen Temperaturen. Da fragt man sich: Wer will jetzt schon Mandeln kaufen? Das Volksfest ist selbst an solchen Tagen gut besucht. Das Herbstfest ist unsere fünfte Jahreszeit!“

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