Leere Fußgängerzone

Von wegen Lockdown „light“: So geht es dem Rosenheimer Einzelhandel

Wenig los in der Fußgängerzone: Mit den fehlenden Kunden in den Geschäften schrumpft auch der Umsatz der Einzelhändler:
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Wenig los in der Fußgängerzone: Mit den fehlenden Kunden in den Geschäften schrumpft auch der Umsatz der Einzelhändler:
  • Anna Hausmann
    vonAnna Hausmann
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Der „Lockdown light“ bremst nicht nur die Gastronomie aus: Auch der Einzelhandel ist betroffen. Die Straßen sind wie leer gefegt. Das zeigt ein Blick in die Rosenheimer Innenstadt. Betroffene Einzelhändler erzählen.

Rosenheim –Die Restaurants, Cafés und Bars haben geschlossen, die Straßen sind wie leer gefegt. Die Auswirkungen des „Lockdown light“ sind in der Rosenheimer Innenstadt deutlich zu sehen. Auch der Einzelhandel wurde von dem zweiten Lockdown schwer getroffen.

Weniger Frequenz in der Innenstadt

„Wir merken, dass wir weniger Frequenz in der Innenstadt haben“, erklärt Stefan Glocker, Inhaber mehrerer Bekleidungsgeschäfte in der Rosenheimer Innenstadt (Marc O’Polo Herren und Damen sowie Böck-Herrenmode). Weniger Frequenz in den Straßen bedeute aber auch weniger Frequenz in den Läden – „also weniger Umsatz.“

Besonders seit dem Ende der Herbstferien sei dieser gesunken. Glocker ist überzeugt: Die Gastronomie und Einzelhandel gehen Hand in Hand. Dennoch blicken er und seine Mitarbeiter positiv auf das Weihnachtsgeschäft, eine wichtige Zeit für die Verkäufer. „Wir sind gespannt, wie die Regierung weiter entscheidet“ Nichtsdestotrotz habe der Freistaat auch eine Verantwortung für den Handel. „Durch reinen Online-Handel hätten wir in den Städten kein Leben mehr.“

Rosenheim profitiert von Kundenklientel

Doch Rosenheim steht im Vergleich zu anderen Städten gut da. Das weiß IHK-Regionalausschuss-Vorsitzender Andreas Bensegger, Geschäftsführer der gleichnamigen Firma für Bürobedarf. Wesentlich schlechter geht es München: „München lebt vor allem von internationalen Tourismus.“ Bleiben die Touristen aus, wirkt sich das auf den Umsatz aus. Die Stadt Rosenheim hingegen profitiere von ihrem Kundenklientel, habe sie doch schon immer ihre Zielgruppe aus dem Umland gehabt. Die Zentralität habe sich ausgezahlt, auch historisch gesehen.

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Schaufensterbummel nicht mehr einladend

Dennoch trifft der Lockdown auch Rosenheim: Der klassische Einkaufsbummel, bei dem man sich durch den Blick in die Schaufenster inspirieren lässt, sei längst mehr so einladend wie vor der Pandemie. Grund: das Tragen der Maske, die Hygienevorschriften und allen voran die geschlossenen Restaurants und Cafés.

„Für viele ist es nicht mehr dieselbe Lebensqualität“. Die Leidtragenden unter den Einzelhändlern seien vor allem Bekleidungs- und Schmuckgeschäfte, so Bensegger. Bedarfsgüter hingegen verkauften sich nach wie vor, „auch in Krisenzeiten“. So auch der Bürobedarf, wie er ihn anbietet. Doch sein Geschäft blieb nicht vor dem Umsatzrückgang verschont: Er konnte einen fehlenden Umsatzrückgang von etwa 20 bis 30 Prozent vermerken.

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Einkaufsverhalten hat sich verändert

Im zweiten Lockdown habe sich außerdem das Einkaufsverhalten der Menschen verändert: Sie kauften gezielter ein, weniger spontan. Dafür seien aber einzelne Einkäufe umso umsatzstärker. In Benseggers Geschäft sei der Verkauf an gewerbliche Kunden gewachsen. Er selbst sagt: „Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen.“

Allerdings warnt er: Je länger man sich in einem Lockdown befände, desto mehr gewöhnten sich die Menschen an ihr neues, zurückhaltendes, Einkaufsverhalten. Sollte der Lockdown wie geplant im November enden, gebe es die Chance, dass sich der komplette Einzelhandel wieder fangen könnte. Denn: „Die Adventszeit ist die umsatzstärkste Zeit.“

Bedarfsgüter sind immer gefragt, weiß Andreas Bensegger.

Die Sache mit dem Wintersport

Alexander Kneissl, Leiter der Filiale Intersport Siebzehnrübl, zeigt sich verhalten optimistisch: Der Umsatzrückgang werde sich noch länger hinziehen, ist er überzeugt. „Es gibt ja leider auch keine Möglichkeit, sich in der Stadt mal hinzusetzen und einfach zu verweilen.“

Und wie sieht es aus mit dem Wintersport? Nun überlegten sich die Kunden genau, ob sie noch Ausstattung für Alpin-Skifahrten kaufen, erklärt Kneissl. Dabei gebe es Alternativen für den Wintersport, etwa Winterwanderungen oder Skilanglauf.

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Seit Anfang März schwierige Lage

In Rosenheim spielten mehrere Faktoren zusammen, wie Paul Adlmair, Vorsitzender des City-Managements Rosenheims auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen erklärte. „Wir waren schon sogenannter Hotspot, die Menschen sind hier besonders sensibel.“

Dazu zähle auch die Maskenpflicht in den Fußgängerzonen vor dem eigentlichen „Lockdown light“, der aber in Rosenheim sowie in Augsburg vorgezogen wurde. „Das hat uns sehr geschadet.“ Seit Anfang März sei es ein schwieriges Geschäftsjahr, besonders betroffen seien die Bereiche Bekleidung, Schuh und Schmuck.

Kritik am Begriff „light“

Im Juni und Juli habe sich die Lage erholt, doch dann kam die „Hiobsbotschaft ‚Lockdown light‘“. Der Begriff „light“, so ist Adlmaier überzeugt, sei aber nicht ganz zutreffend. Wichtig sei es nun, dass die Menschen eine Sache verstehen: „Der Einzelhandel ist ungefährlich – und in Rosenheim ist er auch nicht gefährlicher als in jeder anderen Stadt.“ Alle Geschäfte hätten Schutzmaßnahmen, die gut funktionierten.

Neue Verkaufsmöglichkeiten

In der Coronakrise haben sich viele Rosenheimer Geschäfte neue Verkaufsmöglichkeiten einfallen lassen. Darauf macht nun das City-Management aufmerksam. So böten inzwischen viele Unternehmen Videoshopping-Termine an, hier könnten die Kunden virtuell durch die Räumlichkeiten bummeln, um sich vom Verkaufspersonal direkt beraten zu lassen. Immer mehr Betriebe nutzten auch die Möglichkeit des Lieferservices, die Waren könnten im Geschäft meist telefonisch bestellt und direkt nach Hause geliefert werden. Vermehrt setzen die Unternehmen laut City-Management auch auf Online-Shops. In weiterer Folge könnten dadurch Arbeitsplätze gesichert und die Wirtschaft gestärkt werden, aber auch bleibe so der Charme der Innenstadt erhalten. Das City-Management rät den Kunden: „Der Service der Innenstadtbetriebe wächst und wächst. Einfach bei den Geschäften direkt nachfragen.“

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