Wieder da! Die Gefühlswelt Rosenheimer Einzelhändler vor dem Corona-Neustart

Maria Reiterwird ihreBeo-Mitarbeiter in zwei separaten Schichten einsetzen.

Am Montag dürfen viele Einzelhändler aus Rosenheim nach der staatlich verodneten Ladenschließung aufgrund der Corona-Pandemie erstmals wieder aufsperren. Hoffen sie, die Verluste wenigsten teilweise aufholen zu können? Befürchten sie, dass die Kunden ausbleiben? Die OVB-Heimatzeitungen haben nachgefragt.

Rosenheim – Es ist ein Wechselbad der Gefühle, das viele Einzelhändler im Moment begleitet. Nach einer wochenlangen Durststrecke dürfen viele von ihnen ab Montag ihre Läden wieder öffnen. Sechs Rosenheimer Inhaber erzählen davon, wie sie die Zeit nach dem Corona-Lockdown ohne Kundschaft überbrückt haben, wie sie dem Neustart entgegensehen und was sie sich erhoffen:

Hans Tischlinger (71), „Montagne Sport“: „Es geht uns den Umständen entsprechend noch gut. Grundsätzlich bin ich einverstanden mit den Regelungen der Politik, auch mit der Mundschutzpflicht. Meine Sorge ist, dass die Leute weniger darauf achten. Das Schlimmste wäre, wenn die Infektionen wieder steigen. Und die Gefahr besteht ja nach wie vor und wird unterschätzt. Das geht auch mir so, es ist schwer, sich das immer in Erinnerung zu rufen. Sehr froh bin ich über die Unterstützung von meinen Kunden und auch von meinem Vermieter.

Hans Tischlinger hat seinGeschäft umstrukturiert, sodass sich die Kunden aus dem Weg gehen können.

Denn wir haben Soforthilfen beantragt, aber die ist noch nicht da. Meine Mitarbeiter sind in Kurzarbeit. Was uns wirklich weh getan hat, ist, dass im März und April eigentlich die beste Zeit für Ski-Hochtouren war. Erfahrungsgemäß kaufen die Leute gerade bei solchen Gelegenheit viel bei uns. Aktuell richte ich gerade für Montag her und baue den Laden so um, dass sich die Kunden nicht in die Quere kommen. Wir machen eine zweite Tür auf, dann haben wir einen separaten Ausgang. Wer gar nicht in den Laden kommen möchte, wenn andere Menschen da sind, dem kann ich selbstverständlich auch Einzeltermine anbieten“

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Sabrina Knierer (30), Modegeschäft „Block 6„: „Wir haben einen Fünf-Liter-Kanister Desinfektionsmittel vorrätig und werden das Mittel als Spray anbieten. Außerdem werden wir nicht mehr als zwei Leute auf einmal ins Geschäft lassen. Wir werden Mund-Nasen-Schutz vorrätig haben, für Kunden, die keinen dabei haben. Die Öffnungszeiten sind noch nicht klar, da werde ich mich mit den anderen Einzelhändlern in der Straße abstimmen. Ich fürchte, solange die Lokale geschlossen sind, werden nicht viele Menschen kommen. Mich stellt auch das Thema Kinderbetreuung vor eine Herausforderung.

Sabrina Knierer ist ihren treuen Kunden sehr dankbar für die Unterstützung.

Die Soforthilfe ist beantragt, wir haben auch nachgefragt, weil es ja viele betrügerische Angebote gab. Das ist noch in Bearbeitung – leider eben nicht ‚sofort’. Ein Großteil des Sortiments, das jetzt im Laden hängt, ist eigentlich totes Kapital. Ein Lichtblick ist, dass ich bisher so toll unterstützt wurde von meinen Kunden. Sie haben mir auch mal Schokolade vorbeigebracht. Wichtig ist, dass wir uns alle in Rosenheim unterstützen - die Läden und die Gastronomie.“

Antonie Schulz und Marina Triltsch, Modegeschäft „Raphael“: „Wir rechnen nicht damit, dass wir ab Montag überrollt werden. Wir haben uns gewappnet, so wie es eben nötig ist. Masken haben wir bestellt, wo es welche gab. Wir sind bestens präpariert, es wird am Eingang Tische geben mit Desinfektionsstellen. Ein Platzproblem haben wir nicht, sieben Menschen dürfen sich bei uns aufhalten. Wenn es mehr werden, müssen wir eben reagieren.

Marina Triltsch (links) und Antonie Schulzwaren trotz Schließung täglich in ihrem Laden „Raphael“.

Die Zeit der Schließung haben wir genutzt, um die Internetseite zu überarbeiten, und haben einen Online-Shop neu aufgemacht. Außerdem haben wir auch renoviert. Mit der Zeit wächst man schon in die Situation hinein, aber wir haben uns auch mal machtlos gefühlt. Über Instagram haben wir zu unseren Stammkunden Kontakt gehalten. Gerade unsere Kunden aus Österreich fehlen uns. Soforthilfe haben wir beantragt, einen Teil haben wir schon bekommen. Letztlich ein Tropfen auf dem heißen Stein. “

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Karl-Georg Reindl (43), „Schuh Reindl“: „Wir hatten jetzt elf Wochen geschlossen, weil wir renoviert haben. Die Mitarbeiter sind seit März in Kurzarbeit. Leider Gottes. Das gefällt mir nicht und wir versuchen zwischendrin, ein bisschen Normalität einkehren zu lassen und den Leuten vereinzelt kleinere Tätigkeiten zu geben, natürlich mit Abstand. Für die Öffnung haben wir einiges geändert.

Nach Renovierung und Schließungfreut sich Karl-Georg Reindl auf die Öffnung am Montag. Geyer

Ab Montag werden wir jeweils eine Tür als Eingang und eine als Ausgang nutzen. Außerdem installieren wir Plexiglasscheiben an den Kassen, und die Sitzgelegenheiten für Kunden zur Anprobe sind auseinander gestellt. Wir bekommen sehr viel Resonanz über Telefon und E-Mail von Kunden, wann wir wieder öffnen. Viele sehnen sich nach dem stationären Handel hier in Rosenheim. Den Kunden bieten wir auch Schutz-Masken gegen einen Obolus an, den wir beim Einkauf wieder abziehen.“

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Theresa Heininger (26), „Tavola“: „Ab Montag werden wir im Erdgeschoss unseres Ladens wieder öffnen. Zwar ein bisschen kürzer und mit Mittagspause. Wir rechnen mit weniger Umsatz als vorher, daher haben wir auch weniger Personal im Einsatz. Das Wetter ist schön, aber die Umstände laden nicht unbedingt zum Shoppen ein. Einen Online-Shop hatten wir bereits und viele Kunden haben auch telefonisch bei uns bestellt. Besonders Nudelmaschinen, Römertöpfe und Einzelteile beim Geschirr waren gefragt.

Wer picknicken möchte, wird bei Theresa Heininger im Tavola fündig.

Vermutlich haben die Kunden ihre Schränke aufgeräumt und bemerkt, welche Teile in ihrem Service fehlen. Wir haben außerdem eine Grundreinigung im Laden gemacht, vom Boden bis zu den Fenstern. Natürlich fehlen uns 60 bis 70 Prozent des Umsatzes, immerhin sind unsere Fixkosten nicht so hoch. Wir glauben zwar nicht, dass viele Kunden noch einen Mundschutz brauchen, aber im Zweifelsfall bieten wir den auch an.“

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Maria Reiter (37), „Boutique Beo“: „32 Jahre gibt es den Laden schon, gegründet hat ihn meine Mutter. So eine lange Schließung haben wir überhaupt noch nicht erlebt. Wir freuen uns in erster Linie, dass wir alle gesund sind, innerhalb der Familie und in der Belegschaft. Wir werden die Mitarbeiter in zwei Gruppen unterteilen, die untereinander nicht zusammen arbeiten werden. Das war auch die Empfehlung vom Gesundheitsamt. Der Hintergrund ist, wenn es einen Fall gibt, dann müssen nicht alle in Quarantäne. Natürlich fahren wir mit einer verminderten Besetzung und werden die üblichen Hygienestandards anbieten: Plexiglasscheibe, Desinfektion etc. Die Dirndlfirma Anno Domini liefert uns Mundschutz aus Dirndlstoff. Ich bedaure, dass wir die Mitarbeiter nur telefonisch, nicht persönlich über die Kurzarbeit informieren konnten. Da hängen schließlich Existenzen dran. Jetzt freuen wir uns alle auf Montag.“

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