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Interview zur Siegfried-und-Roy-Ausstellung

Nichte des Rosenheimer Star-Magiers: „Siegfried wollte jeden Tag noch besser sein“

Bei einem von zahlreichen Besuchen in Las Vegas: Jennifer Fischbacher mit ihrem Großonkel Siegfried (links) und dessen Partner Roy. Beide sind mittlerweile verstorben.
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Bei einem von zahlreichen Besuchen in Las Vegas: Jennifer Fischbacher mit ihrem Großonkel Siegfried (links) und dessen Partner Roy. Beide sind mittlerweile verstorben.
  • Anna Heise
    VonAnna Heise
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Rosenheim – Um an die Zauberlegenden Siegfried und Roy zu erinnern, haben Jennifer Fischbacher und ein Team der „Erlesenen Oper“ unter der Trägerschaft des Historischen Vereins die Ausstellung „Siegfried & Roy in Memoriam“ organisiert. Ein Gespräch mit Jennifer Fischbacher über ihren Großonkel und wie Siegfrieds Tod ihr Leben verändert hat.

Hinter Ihnen liegen anstrengende Wochen.

Jennifer Fischbacher: „Ja. Wir sind ein kleines Team von vier Personen, die alle ehrenamtlich arbeiten. Gemeinsam mit Erika Körner Metz kümmere ich mich um die Organisation. Seit März haben wir uns deshalb einmal wöchentlich im Ballhaus getroffen, um die Ausstellung zu planen. Hinzu kommen zahlreiche Telefonate und Stunden vor dem Computer, um die Videos, die während der Ausstellung gezeigt werden, zu schneiden.“

Sie selbst hätten eine solche Veranstaltung trotzdem nie selbstständig organisiert.

Fischbacher: „Wäre Erika Körner Metz nicht auf mich zugekommen, wahrscheinlich nicht. Ich wollte mich nie in den Vordergrund spielen oder den Anschein erwecken, dass ich mich mit Siegfrieds Tod schmücken will.“

Die weißen Tiger gehören zur Familie. Auch Jennifer Fischbacher hatte Begegnungen mit ihnen.

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Auf was können sich die Besucher neben den sieben Filmen, die gezeigt werden, noch freuen?

Fischbacher: „Es wird eine Fotoausstellung geben mit teilweise unveröffentlichten Exponaten aus unserem Familienbesitz. Geplant sind Liveauftritte von Illusionisten und Zauberern, die mit Siegfried und Roy befreundet waren und sich bereit erklärt haben, ohne Bezahlung aufzutreten. Zudem gibt es Podiumsgespräche. Unter anderen mit der Schwester von Siegfried, Margot Fischbacher. Auch magische Stadtführungen mit der Zauberkünstlerin Stefanie Cuta wird es geben.“

Was erhoffen Sie sich von der Ausstellung?

Fischbacher: „Roy und Siegfried haben so viel geleistet. Es wäre einfach schade, wenn all das in Vergessenheit gerät. Uns war deshalb von Anfang an klar, dass wir bei einem Großteil der Veranstaltungen keinen Eintritt verlangen werden. Deshalb sind wir auch auf Spenden angewiesen. Mir war wichtig, dass die Zuschauer die beiden auch von ihrer menschlichen Seite kennenlernen. Wir haben schon jetzt Leute aus Hamburg, Bremerhaven und Ostfriesland, die uns angerufen haben, um uns zu erzählen, dass sie ihren Urlaub nach Rosenheim verlegt haben, um unsere Ausstellung zu besuchen. Sie alle haben Siegfried und Roy nur als Stars und Übermenschen wahrgenommen. Aber sie hatten eben auch noch eine andere, sehr persönliche Seite.“

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Die Sie als Großnichte natürlich noch einmal besser kennen.

Fischbacher: „Natürlich. Für mich war Siegfried einfach nur mein Großonkel. Wenn ich ihn mit dem Mann auf der Bühne vergleiche, der Millionen von Zuschauern verzaubert hat, dann sind das für mich zwei unterschiedliche Personen.“

Was war Ihr Großonkel für ein Mann, abseits der Bühne?

Fischbacher: „Siegfried hatte eine sehr starke Persönlichkeit. Bei Gesprächen hatte ich oft das Gefühl, dass er meine Gedanken lesen kann. Er war jemand, der wirklich zugehört hat. Er hat eine unglaubliche Ruhe ausgestrahlt, hat sich aber zur gleichen Zeit auch viele Gedanken darüber gemacht wie er auf andere wirkt und wie die Leute das finden, was er macht. Er wollte immer noch besser sein. Roy war der Träumer und Siegfried der Denker.“

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Gibt es eine lustige Anekdote?

Fischbacher: „Die beiden haben bis zu Roys Unfall kein wirklich normales Leben geführt und bekamen Unterstützung bei den alltäglichsten Sachen. Nach dem Unfall hat Siegfried dann damit begonnen, Dinge selber zu machen. Eines Tages wollte er tanken fahren, wusste aber nicht, wie es funktioniert. Das war ihm richtig unangenehm. Er hat sich eine Sonnenbrille und einen Hut aufgesetzt, ist zum Tankwart und hat ihm erzählt, dass er aus Deutschland kommt und die Tankstellen dort ganz anders funktionieren. Der Tankwart hat ihm dann geholfen und bei der Verabschiedung gesagt: ‚Thank you Mr. Siegfried‘. Er hat ihn natürlich trotz Hut und Sonnenbrille erkannt.“

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Wie war das Leben für Siegfried und Roy nach dem Unfall und ganz ohne Shows?

Fischbacher: „Auch nach den Shows war Siegfried jeden Tag im Büro und in seinem „Secret Garden“, weil sich dort jeden Tag etliche Fans aufgehalten haben. Der Umgang mit den Fans war ihm sehr wichtig. Den Abend haben die beiden immer gemeinsam verbracht. Sie haben zusammen gegessen, Fernsehen geschaut oder Mensch ärgere dich nicht gespielt.“

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Wann haben Sie Siegfried zum letzten Mal gesehen?

Fischbacher: „Vor zwei Jahren, als er zu Besuch in Rosenheim war. Vor fünf Jahren war ich zum letzten Mal in Las Vegas. Bei ihm und seinen Tigern.“

Jennifer Fischbacher hatte von klein auf eine enge Verbindung zu Siegfried und Roy.

Die Tiere haben in seinem Leben einen großen Platz eingenommen. Das sieht man auch daran, dass sein gesamtes Erbe in seine Stiftung für weiße Tiger fließt.

Fischbacher: „Und das ist auch gut so. Jeder, der selbst Tiere besitzt, zu denen er eine enge Verbindung hat, kann diese Entscheidung nachvollziehen. Die Tiger waren ihr Lebenswerk und es ist ihr Verdienst an die Nachwelt, dass die Tiere nicht aussterben. Bei meinem Las Vegas-Besuch habe ich gesehen, wie die Tiere leben. Ihnen fehlt es an nichts. Sie haben ihre eigenen Ärzte, Betreuer und bekommen das Fleisch, das auch die Gäste im Hotel essen. Sie sind wilde Tiere, gehören aber eben zur Familie. Wie auch all die anderen Tiere, die sie hatten. Roy hat zum Beispiel jedes Jahr einen Hund aus dem Tierheim bei sich aufgenommen. Siegfried hat bei meinen Besuchen schon immer mit den Augen gerollt, weil es, wie er sagte, überall gewuselt hat.“

Aufgrund der Corona-Pandemie hatten Sie weder die Chance sich zu verabschieden, noch hat es eine offizielle Beerdigung gegeben. Jetzt werden Sie täglich mit der Geschichte Ihres Großonkels konfrontiert. Wie schwer ist es, nicht ständig an seinen Tod erinnert zu werden?

Fischbacher: „Auf der einen Seite ist es natürlich schön, sich mit der Geschichte meines Großonkels noch mal so intensiv zu beschäftigen und zu sehen, was er eigentlich alles erreicht hat. Auf der anderen Seite ist es auch traurig, weil man nicht wirklich abschalten kann und ständig damit konfrontiert wird. Für mich war Siegfrieds Tod sehr überraschend. Ich wusste zwar, dass er Krebs hat, hätte aber nicht gedacht, dass es dann doch so schnell geht. Ich versuche immer noch, Frieden damit zu schließen, dass ich mich nicht verabschieden konnte. Im Moment bin ich noch im Austausch mit dem Nachlassgericht, um unter anderem Requisiten der Show zu erhalten, die dann in einem Museum ausgestellt werden könnten.“

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