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JOSEF-UND LUISE-KRAFT-STIFTUNG

Senioren freuen sich über Hofkonzert in Rosenheim: „Hauptsache, es rührt sich wieder was“

Dürfen endlich wieder vor Publikum spielen: Leo Betz am Klavier und Vincent Eberle an der Trompete. Thomae
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Dürfen endlich wieder vor Publikum spielen: Leo Betz am Klavier und Vincent Eberle an der Trompete. Thomae
  • VonJohannes Thomae
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In rund 60 bayerischen Senioreneinrichtungen erklang am Samstag (1. Mai) Musik. Die Josef-und-Luise-Kraft-Stiftung hatte zu dieser Konzertaktion aufgerufen. In Rosenheim erklang im Innenhof der BRK-Seniorenwohnanlage Jazzmusik. Und nicht nur im Innenhof lauschten die Bewohner.

Rosenheim – Begeistertes Lob: „Ihr seid ja so gut! Ich hätte euch noch stundenlang zuhören können.“ Die 89-jährige Wiltrud Rothmayer ist sichtlich angetan von den Jazzmusikern Leo Betzl und Vincent Eberle. Vor der Seniorenwohnanlage des Roten Kreuzes an der Rosenheimer Küpferlingstraße haben sie seit Langem endlich wieder die Möglichkeit, vor Publikum zu spielen.

Aktion der Josef-und Luise-Kraft-Stiftung

Anlass ist eine Aktion der Josef-und-Luise-Kraft-Stiftung: An 60 Seniorenheimen in ganz Bayern gab es am 1. Mai Konzerte: kurze Veranstaltungen von nur etwa einer halben Stunde in durchweg kleiner Besetzung. Meist spielten nur zwei Musiker und das, trotz recht frischer Temperaturen, im Freien.

Trotz ungemütlichen Wetters: 18 Bewohner des BRK-Seniorenheims finden sich zum Konzert im Innenhof ein.

Fast vergessen, wie sich Beifall anfühlt

Die Musiker Betz und Eberle können sich an ihren jüngsten Auftritt vor Publikum gar nicht mehr erinnern. Die einzige Chance, in den vergangenen Monaten Musik vor Menschen spielen zu können, habe es bei Gottesdiensten gegeben, berichten sie. Vor sechs Wochen hatte Leo Betzl einen solchen Auftritt.

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Und der Applaus sei ein ganz besonderes Erlebnis gewesen: „Ich hatte schon fast vergessen, was Beifall ist. Früher war er normal, gehörte dazu, wie der Schluck Wasser, den man zwischen zwei Stücken trinkt. Jetzt ist er zu einem Ereignis geworden.“

Zuhörer auf den Balkonen

Ausgehungert nach echter Musik und der damit verbundenen Abwechslung sind auch die Bewohner der Senioreneinrichtung. Trotz des reichlich ungemütlichen Wetters sind 18 Bewohner in die Gartenanlage des Heimes gekommen. Mindestens ebenso viele hören von den Balkonen der beiden umliegenden Wohnbereiche aus zu.

Zuhörer auf den Balkonen.

Was gespielt wird, ist den meisten dabei fast egal: „Hauptsache, es rührt sich wieder was“, sagt lachend der 84-jährige Hansjörg Schnabel, der sich voller Vorfreude bereits eine dreiviertel Stunde vor dem Konzert eingefunden hat. „Der vergangene Winter war schon arg zäh.“

Angebote fahren wieder hoch

Seit die Bewohner der Einrichtung „durchgeimpft“ sind, versucht man, wie Betreuerin Romy Schlierf schildert, nicht nur die verschiedenen Gruppenangebote im Haus, sondern auch das Leben im Garten wieder hochzufahren. Seit rund einem Monat gibt es dort einmal pro Woche Livemusik – sofern das Wetter es zulässt, was bislang noch nicht oft der Fall war.

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Leicht wehmütig berichtet deshalb Silvia Wagner, die ihren 85-jährigen Vater Heinz besucht: „Es gab hier im Haus in Vor-Coronazeiten wirklich ein beeindruckendes Programm, es war so gut wie immer etwas los und für jeden was dabei.“

Dankbar für vorsichtige Anfänge

Sie ist aber dennoch mehr als dankbar für die vorsichtigen Anfänge, die es jetzt wieder gibt, denn sie erinnert sich noch zu gut an den ersten harten Lockdown vor einem Jahr: „Da waren vorübergehend nicht mal mehr Besuche möglich. Nur ein kurzer Kontakt über ein sogenanntes Besucherfenster.

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Ich draußen, mein Vater drin und dazwischen auch noch eine halbhohe Plexiglasscheibe. Das war wirklich schrecklich.“ Und wie Wagner sind auch die Bewohner der Seniorenwohnanlage voller Hoffnung, dass jetzt im Frühling das Leben in der Einrichtung langsam wieder seinen alten Schwung bekommt.

Musiker rechnen mit erneuten Absagen

Leo Betzl und Vincent Eberle sind da weniger optimistisch. Es kämen zwar, wie die beiden übereinstimmend sagen, wieder erste Buchungen für Sommer und Herbst, aber: „Ich rechne damit, dass das meiste davon, wie schon im letzten Jahr, am Ende doch wieder abgesagt werden muss“, sagt Eberle. Das sind wirtschaftlich gesehen trübe Aussichten, wenn die beiden auch bislang durch Sparsamkeit und mit Rücklagen noch über die Runden gekommen sind.

Insofern empfanden sie ihr Maikonzert durchaus als ein ganz besonderes Erlebnis. Zumal sie nicht nur dankbare, sondern sehr wohl auch fachkundige Zuhörer hatten. Der 79-jährige Horst Schneider, der selbst Trompete spielt, war so beeindruckt, dass er nach Abschluss des Konzerts nur zwei Worte fand: „Absolut phänomenal.“

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